Ein schwieriges Alter

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Früher war alles besser? Nicht, wenn es um die Gestaltung der Lehrsäle im Landsberger Schulzentrum geht. Dass diese den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht werden, vermittelte DZG-Schulleiter Bruno Bayer (vorne) den Mitgliedern des Kreisausschusses.

Landkreis – Nachdem seine Mitglieder zuletzt die Beruflichen Schulen und das Ignaz-Kögler-Gymnasium unter die Lupe genommen hatten, ging es für den Kreis­ausschuss nun ins Schulzentrum, also das Dominikus-Zimmermann-Gymnasium (DZG) und die Johann-Winklhofer-Realschule (JWR). Ziel war es, vor Ort einen vertieften Eindruck zu gewinnen, um die Schritte des anstehenden Schulentwicklungsplans entsprechend lenken zu können. Dabei zeigte sich: Trotz der weitreichenden Sanierung des Hauptgebäudes, die im Jahr 2013 abgeschlossen worden war und für spürbare Verbesserungen gesorgt hatte, ist die Wunschliste der Schulleitungen immer noch keine kurze: Vor allem die Aula, die Räumlichkeiten der Naturwissenschaften, die Außensportanlagen und die Anforderungen einer sich anbahnenden Ganztagsbetreuung verursachen Handlungsbedarf.

Eine Reihenfolge festzulegen und die „Dinge richtig einzuordnen“, wie es Landrat Thomas Eichinger nannte, war am Dienstag vergangener Woche erneut das Vorhaben der Mitglieder des Kreisausschusses: Denn bevor in der anschließenden Sitzung Fakten geschaffen wurden, wie der Schulentwicklungsplan anzupacken sei, ging es darum, sich einen Überblick zu den vor Ort bestehenden Verhältnissen zu schaffen (s. nebenstehender Bericht).

Annette Ring und Katalin Lutzenberger, die beiden Stellvertreterinnen von JWR-Direktorin Angela Hager-Krug, sowie DZG-Schulleiter Bruno Bayer mit Vertreterin Martina Beck führten durch die teils gemeinsam genutzten Gebäudekomplexe. Vor dem Hintergrund ihrer „sehr guten Nachbarschaft“ waren dann auch die Anliegen beider Schulen sehr ähnlich, wie Ring darstellte.

Ausstattung teils "top"

Erst 2013 waren weite Teile des in den Siebzigerjahren errichteten Hauptgebäudes fertig saniert worden, die Ring als „top ausgestattet“ erachtet. Denn damals wurde nicht nur die nach außen hin deutlich sichtbare Fassade erneuert. Das Gebäude sei quasi „entkernt“ und auf „Rohbauniveau“ zurückgesetzt worden – und das alles bei laufendem Schulbetrieb, erklärte Bayer. Doch in den Bereichen, die damals nicht auf der Agenda standen, zwickt es immer noch arg: Vor allem Aula, Naturwissenschaftsbereiche, Kunst- und Werksäle sowie die Außensportanlage offenbaren nach Ansicht der Schulleitungen Handlungsbedarf. So leidet die Aula unter anderem unter ihrer geringen Deckenhöhe. Zur Zeit der Entstehung der Schulen noch zeitgemäß, erschwert sie Aufführungen und erweckt den Eindruck eines „Kellers“, findet Beck. Außerdem fehle es an moderner Technik, ergänzt Bayer, der auch bemängelt, dass Veranstaltungen immer wieder darunter litten, dass der einzige Durchgangsweg für die Schülerschaft durch die Aula führt. Auch mit den sichtversperrenden Säulen und den Ausmaßen der Fläche sind die Schulleitungen nicht glücklich. Der Haupt­eingang, der ins Gebäude führt, ähnle außerdem einem wenig einladenden „U-Bahn-Schacht“, stellt Beck fest.

Sorgenkind Lehrsäle

Dass auch die Räume der Naturwissenschaften weder in ihrer Anzahl noch Gestaltung den Erfordernissen der heutigen Zeit entsprechen, ist ein weiteres großes Manko. Denn zum einen erschweren sie eine Abkehr vom reinen Frontalunterricht hin zu mehr Interaktion. Zum anderen könne nur unter Anstrengungen gewährleistet werden, dass die Schüler durch modernen Unterricht mit entsprechenden Kenntnissen auf weiterführende Schulen und ins Berufsleben entlassen werden, erläutert Ring. Ähnlich stelle sich die Situation in den veralteten Kunst- und Werkräume dar. „Gerade in unserer Region legen die Unternehmen Wert auf vertiefte naturwissenschaftliche Kenntnisse“, führte auch Bayer aus. Damit traf er den Nerv seiner Zuhörer – Breites Nicken bei den Vertretern des Kreisausschusses, die sich in die Bänke zwischen „Rupfentapete“ und ausgestopftem Krokodil gequetscht hatten.

Wenig Zufriedenheit kam auch beim Blick auf die Außensportanlagen auf: Der Fußballplatz gleicht einer mit Klee bewachsenen Buckelpiste, der Hartplatz arg in die Jahre gekommen und auch die Sprunggrube ist vor Bewuchs kaum mehr aufzuspüren. Dass manche Ecken des Areals eher einem Dschungel gleichen und mit dichten Dornenranken bewuchert sind, sei kein Versäumnis der Hausmeister. Diese kämen mit dem Stutzen schlicht nicht mehr hinterher, beteuert Bayer. Auch auf dem Pausenhof greift das Grün um sich und kämpft sich durch die Pflastersteine, die schon das nächste Problem offenbaren: Denn bei Nässe oder Frost wird der Fußmarsch zur Rutschpartie.

Neue Anforderungen

Vor derlei Unbillen ist die DZG-Schüler- und -Lehrerschaft in der Mensa zwar geschützt, doch droht zu Stoßzeiten anderer Ungemach – Platznot. Von ähnlichen Problemen in der JWR berichtet auch Ring. Das Personal des kleinen Kiosks käme mit der Essensausgabe kaum hinterher. Das habe unter anderem damit zu tun, dass der Umfang an Nachmittagsunterricht zunimmt – was seitens der Eltern auch gewünscht sei. Überhaupt ließen sich gesellschaftliche Veränderungen am Schulalltag gut ablesen, beispielsweise an der Gestaltung des Unterrichts, auf die auch der nahende „Lehrplan Plus“ nochmals verstärkt abziele. Doch: „Bevor wir eine Ganztagsbetreuung einrichten, müssen erst einmal die entsprechenden baulichen Möglichkeiten geschaffen werden“, schränkt Ring ein. Dieses Fazit zieht auch Bayer stellvertretend für die rund 900 Schüler des DZGs und deren 1.130 Kameraden an der JWR, die bayernweit eine der größten Einrichtungen ihrer Art ist: „Wo können wir die Fehlflächen herstellen?“

Entscheidung ist gefallen: Berufliche Schulen zuerst

Nachdem der Kreisauschuss sich einen Eindruck vom Zustand des Schulzentrums verschafft hatte, tagte das Gremium direkt nach seinem Streifzug ausnahmsweise nicht im Sitzungssaal des Landratsamtes, sondern im Computerraum des DZG. Wesentlicher Bestandteil des Entscheidungsprozesses für den Schulentwicklungsplan 2016 bis 2022 war, in welcher Reihenfolge den Schulen in ihren verschieden gelagerten Problemen Linderung zu verschaffen sei. Am Ende wurde der einstimmige Beschluss gefasst: Der Bedarf an den Beruflichen Schulen ist am akutesten. Weder unter pädagogischen, noch energetischen und vor allem sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten entsprechen Teile des dortigen Altbestands den heutigen Anforderungen. „Ich gehe hier seit 1996 durch, immer regnet es irgendwo rein. Das war von Anfang an ein bisschen Murks“, stellte Landrat Thomas Eichinger bei der Besichtigung im Mai fest. Für die Sanierung der veralteten Gebäudeteile stand damals eine vorsichtige Kostenannäherung von 20 Millionen Euro im Raum. Die Architekten- und Ingenieur-Ausschreibung soll noch 2016 eingeleitet werden, so das Votum. Das gilt auch für die Lechturnhalle, die aktuell schon nicht mehr genutzt werden kann. Nach diesen beiden Projekten folgt in der Reihenfolge des Schulentwicklungsplans das Schulzentrum, Maßnahmen am IKG räumt der Kreis­ausschuss die aktuell geringste Priorität ein.

Rasso Schorer

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