Nichts für schwache Nerven

Die Preußenhex’ (Karla Schönebeck, links) und die Hexe Amali (Sieglinde Soyer) erzählen vor der Stadtmauer interessante und schaurige Landsberger Geschichten. Foto: Eckstein

Dunkel ist’s am Bayertor, nur die Scheinwerfer werfen bizarre Schatten. Durch den kleinen Durchgang treten plötzlich drei seltsame Gestalten: zwei Hexen und ein Hexenmeister. Nein, kein Traum, kein Film, sondern der Beginn der Führung „Mit der Stadthex’ durch die Nacht“, die der Verein Landsberger Gästeführer anbietet.

Einen ganz anderen Blick auf die Stadtgeschichte verspricht dieser Rundgang. Die Hexe Amali (Sieglinde Soyer), die Preußenhex (Karla Schönebeck) und der Hexenmeister (Herbert Schüder) geleiten ihre Gäste erstmal zum Botanischen Garten, entlang der Stadtmauer zum Pulverturm, wo man etwas über die Erfindung des Schwarzpulvers erfährt. Spät am Abend, im Finstern, stellt sich die richtige Stimmung ganz von selbst ein. Und wenn die Glühwürmchen unter den Bäumen leuchten, wird es magisch. Doch die Romantik währt nicht lange, wenn die Hexen vom unseligen Treiben der Schweden im 30-jährigen Krieg erzählen, wie es die Jesuiten schriftlich festgehalten haben: „Und ihr Leute heut fahrt nach Schweden in Urlaub, graust es euch da nicht?“ – manche Details sind nichts für sensible Gemüter. Nichts für Kinder Auch Themen wie die Inquisition werden nicht ausgespart. Daher ist diese Führung ausdrücklich nicht für Kinder geeignet, wie Sieglinde Soyer betont. Bevor es dann wieder durch die Stadtmauer geht, erleben die Besucher noch die ein oder andere gruselige Begegnung (welche, werden an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel, dass es mit den Lechrain­- sagen zu tun hat…). Weiter geht es durch die menschenleeren Gassen des Hexenviertels, hin und wieder huscht eine (schwarze?) Katze über den Weg. Bei so viel Aufregung ist bei der Hexenvesper erstmal ein wenig Entspannung angesagt, dazu gibt die Hexe Amali eine Einführung über das Kräuterhoroskop. Nach der kleinen Pause geht es noch zum Blatternviertel mit einem Exkurs über die Seuchen des Mittelalters, zum Salzstadel, bevor die Tour am Flößerplatz endet, immer begleitet von sachkundigen, aber unterhaltsam vorgetragenen Informationen über die Stadt und ihre Bauwerke, Anekdoten und manch derben Scherzen mit dem Publikum. Und beim Rückweg nach Hause oder zum Auto, allein in den dunklen Gassen, wo der eigene Schritt auf dem Kopfsteinpflaster hallt, geht der Blick doch oft zurück über die Schulter, in die Schatten. Geschichte soll lebendig werden, ist das Anliegen des Gästeführervereins. Mit Füh­rungen wie dieser ist jener Anspruch mehr als erfüllt. Die nächste Führung „Mit der Stadthex durch die Nacht“ findet am Samstag, 10. September, um 21 Uhr statt, Anmeldung bei Sieglinde Soyer, Tele­fon 08191/943377; weitere Informationen auch im Internet auf www.landsberger-stadtfuehrungen.de.

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