Niemand soll vergessen werden

Weltweit engagieren sich 2,2 Millionen Mitglieder und Unterstützer von Amnesty International (AI) für die Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948. Am Wochenende ist auch in Dießen eine Amnesty-Gruppe gegründet worden – rechtzeitig zum 50jährigen Bestehen der Menschenrechtsorganisation, die der britische Jurist Peter Benenson 1961 ins Leben rief.

Rund 20 Interessierte waren der Einladung von Amnesty, vertreten durch Ilse Ruppert-Berker aus Dießen, Norbert Dieringer aus Riederau und Michael Peller aus Weilheim gefolgt. Der Jurastudent Peller engagiert sich als ehrenamtlicher Amnesty-Regionaltrainer und steht bei Neugründungen mit Rat und Tat zur Seite. Dass Menschenrechte tagtäglich und weltweit ignoriert und zum großen Leid der Betroffenen und ihrer Angehörigen verletzt werden, machte Ruppert-Berker an mehreren Beispielen deutlich. „Es ist besser im Dunkeln eine Kerze anzuzünden, als sich über die Dunkelheit zu beklagen“, meinte Peller, der in seinem Sachvortrag auch auf die Erfolge der Menschenrechtsorganisation hinwies: Allein das Gefühl „wir sind mit Euch, ihr seid nicht vergessen“ sei für politische Gefangene sehr wichtig, „denn wer vergessen wird, ist vielleicht schon bald tot“. Folterer und deren Auftraggeber setze die Tatsache, dass ihre Taten von Amnesty wahrgenommen und öffentlich gemacht werden unter Druck. Dies habe schon dazu geführt, dass Gefangene freigelassen, Todesurteile aufgehoben, Folter und Misshandlungen eingestellt und Angehörige nicht mehr bedroht wurden, oder dass unfaire politische Verfahren nochmals aufgerollt wurden. Auf die Frage, welche Fälle von Amnesty aufgegriffen würden, erklärte Dieringer das System von Quellenforschung und Recherche: Wenn Hinweise auf Menschenrechtsvergehen an AI herangetragen würden, werde stets nach mehreren Quellen gesucht um Vergleiche und Rückschlüsse ziehen zu können. Zugleich würden eigene Prozessbeobachter so nah wie möglich an die politischen Entscheidungsträger und deren Gefangene herangeführt um Berichte aus erster Hand zu erhalten. Ein politischer Gefangener, für den sich AI engagiert, ist der Journalist Juan Adolfo Fernandez Sainz. 2003 wurde der heute 57-Jährige, der sich für mehr Demokratie in Kuba einsetzte, im Rahmen einer großen Verhaftungswelle festgenommen. Mittlerweile ist Fernandez Sainz aufgrund der schlechten Haftbedingungen unterernährt und krank. Er benötigt dringend medizinische Versorgung, die ihm jedoch verweigert wird. Ebenfalls angesprochen wurde der Einsatz von Amnesty für die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte, zu denen der Mediziner Dieringer in Kürze in München ein AI-Seminar über „Das Recht auf Gesundheit“ halten wird. Die Mindestzahl von sieben Mitgliedern für eine neue Gruppe in Dießen wurde bei der Gründungsversammlung übertroffen: Elf Anwesende möchten sich ab sofort engagieren. Das nächste Treffen ist am Donnerstag, 20. Mai, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Dießen. Zum Thema Finanzen teilte Ruppert-Berker mit, dass sich bereits 100 Euro in der Gruppenkasse befinden, die durch den Verkauf des AI-Büchleins „Erklärung der Menschenrechte“ für Kinder in der Dießener Buchhandlung Oswald erwirtschaftet worden.

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