Noch sechs Jahre Stillstand

Jede Menge Stolpersteine: Am Kauferinger Bahnhof wird sich in punkto Barrierefreiheit wohl über Jahre hinweg nichts Entscheidendes ändern. Foto: Kruse

Man könnte nicht gerade behaupten, dass die Kauferinger viel unversucht gelassen haben, um ihren Bahnhof endlich barrierefrei zu bekommen. Eine Petition an den Bayerischen Landtag wurde von der GAL und der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Barbara Juchem, auf den Weg gebracht und in seinen letzten Arbeitswochen tat sich Ex-Bürgermeister Dr. Klaus Bühler sogar noch einmal mit dem CSU-Abgeordneten Dr. Thomas Goppel zusammen – die beiden setzten sich an vielen Stellen in München für den Bahnhof ein. Jetzt kam die schlechte Nachricht: Mindestens bis 2018, möglicherweise noch länger, wird die Bahn nichts an der Situation ändern.

Der herbe Rückschlag kam vom Bahnhofsmanagement der Deutschen Bahn in München. Dort teilte man der Marktgemeinde mit, dass die Bemühungen, in die Planung von 2012 bis 2018 hineinzukommen, sinnlos sind: „Man hat uns gesagt, dass diese Gelder längst verbindlich vergeben sind und die Projekte, die berücksichtigt werden, feststehen. Daran ist auch nicht mehr zu rütteln", sagt Bürgermeister Erich Püttner. Der Bahnhof wird bei der Bahn als „technisch in Ordnung und verkehrssicher“ bewertet, aus Sicht des Unternehmens bestehe kein Handlungsbedarf. Ärgerlich für die Behinderten, aber auch für Senioren und Mütter mit Kinderwagen: Die Zugänge zu den Bahnsteigen werden also weiterhin nur über Treppen möglich, der Ein- und Ausstieg aus den Zügen wegen der schmalen Türen und der niedrigen Bahnsteige in Kaufering ohne fremde Hilfe praktisch nicht zu bewältigen sein. Die Rampe, die die Gemeinde von beiderseites des Bahnhofs zu den Gleisen bauen möchte, steht damit ebenfalls auf der Kippe. Zum einen kritisiert die GAL in einem Antrag an den Rat der Marktgemeinde, dass die eingeplanten Kosten binnen zwei Jahren von 300000 auf 800000 Euro gestiegen seien. Noch nicht kalkuliert Das will Püttner zwar so nicht stehenlassen. „Im Süden gehört uns zwar der Grund, aber der Bau ist noch gar nicht kalkuliert.“ Doch auch wenn es nach ihm geht, kommt die Rampe zumindest so lange nicht, bis auch die Bahn umbaut. „Inklusion bedeutet, sich ohne Einschränkungen bewegen zu können, es muss eine hundertprozentige Selbstständigkeit gegeben sein.“ Die sei aber nicht vorhanden, „wenn die Leute zwar an den Bahnsteig kommen, dann aber vor den gleichen Problemen wie bisher stehen. Dazu ist das Projekt auch zu teuer.“ Aus dem gleichen Grund steht er einem weiteren Vorstoß der GAL kritisch gegenüber. Die bringt bereits seit Jahren Aufzüge zu den Gleisen ins Spiel – ein Modell, das ihrer Meinung nach in München „bestens funktioniert“, wie Hans-Jörg Pilz sagt. Püttner sieht das im Fall Kaufering anders. „Der Aufzug alleine hilft wenig. Auch da habe ich das Problem, dass ich zum Gleis, aber nicht in den Zug komme.“ Da sei sogar die derzeitige Situation besser: „Man muss zwar vorher bei der Bahn anrufen, aber wird dann über die Gleise gebracht und auch in den Zug hineingehoben. Das ist nicht ideal, aber eine Behindertenzugänglichkeit ist immerhin vorhanden.“ Reichlich Konkurrenz Dass die Bahn nach 2018 die Barrierefreiheit umsetzt, ist allerdings keinesfalls sicher, ganz im Gegenteil: „Kaufering konkurriert da leider tatsächlich mit 1000 anderen Bahnhöfen“, weiß der Bürgermeister und will den Zugreisenden keine übertriebenen Hoffnungen machen. „Der einzige Weg, wie wir noch etwas erreichen können, wird der politische sein. Das heißt, wir werden intensiv mit dem Wirtschaftsministerium sprechen müssen.“

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