Norwegischer Jazzgenuss

Die norwegische Jazzsängerin Solveig Slettahjell und ihr Slow Motion Orchestra haben am Donnerstag auf ihrer Tournee durch Deutschland Station im Stadttheater Landsberg gemacht. Ein begeistertes Landsberger Publikum erlebte einen fantastischen Abend und ließ sie nur ungern gehen. Großen Eindruck machte auch der Solist Håkon Kornstad, der die „Vorgruppe“ stellte.

Jazz ist eine Variante der Musik, mit der nicht viele etwas anfangen können. Meist stellt man sich einen irgendwie zusammen gewürfelten Haufen von Musikern vor, der mit unterschiedlichen Instrumenten freie Improvisationen von sich gibt. Für das ungeschulte Ohr ist das keine leichte Kost. Am Donnerstag trat im Stadttheater aber eine Jazzsängerin auf, die sich eher dem klassischen Jazz verschrieben hat. Die Absolventin der norwegischen Musikhochschule hat ihre ersten, bereits sehr gelobten, Alben überwiegend mit gecoverten Songs bestritten. Vielleicht wollte sie sichergehen, dass ihre Interpretationen auch Gehör finden. Auf ihrem neuen Album „Tarpan Seasons“, das sie auf ihrer Deutschlandtournee jetzt auch in Landsberg vorgestellt hat, sind vor allem eigene Lieder und vertonte Gedichte von Emily Dickinson zu finden. Balladen und Liebeslieder von seltener Schönheit und Kraft, ohne hektischen Eifer vor- getragen, die niemanden kalt lassen. Saxophon faszinierte Zur Einstimmung hatte Solveig Slettahjell den jungen Saxophonisten Håkon Kornstad mitgebracht. Was er mit seinem Instrument fabrizierte war mehr als faszinierend. Obwohl alleine, schuf er durch eine irrwitzige Aufnahme- und gleichzeitigen Abspieltechnik den Eindruck eines ganzen Orchesters. Mit dem Gerät förmlich verwachsen, gibt er seinen Stücken durch stoßweises Antippen von Tönen und klicken der Tasten Rhythmus. Die Tonläufe hallen zeitversetzt wieder und untermalen seine Soli. Man fühlte sich von einer Wolke von Klängen umhüllt, die von den mächtigen Wänden einer Fjordschlucht widerhallen. Das Publikum im voll besetzten Haus hörte konzentriert und bald andächtig zu. Nur wenige haben Musik im Sinn, wenn sie an Norwegen denken. Viele Klischees, wie Fjorde, zerklüftete Berge, ewige Winterdunkelheit, sind sofort präsent, aber auch Walfang und Erdöl. In seiner Begrüßung fügte Edmund Epple ein weiteres hinzu. Ihn verblüffe, dass die norwegische Bevölkerung bereit sei, einen nicht weniger als fast 400 Kilometer weiten Umkreis um Oslo zu ziehen und sich dennoch als Osloer zu fühlen. Entfernungen spielen wohl keine Rolle. So dürfte es für die Osloerin nur ein Katzensprung gewesen sein, in die südliche Provinz Bayerns zu reisen. Für Landsberg war es ein Glück. Sie ist nicht nur eine ausgewiesene Repräsentantin der norwegischen Musikszene, sondern zählt zu den großen Jazzsängerinnen der letzten Jahre, weltweit. Zusammen mit Rebecca Bakken und Silje Nergaard steht sie für die Avantgarde der skandinavischen Länder. Ihre sanfte Stimme erinnert an Norah Jones. Mit einem reichen Repertoire, von zart gehaucht über verrucht-rauchig, riss sie das Publikum mit. Ungezwungen bewegt sie sich zwischen den Genres des Jazz, Soul und Country, nimmt Anleihen bei Rock und Pop. Mühelos schlich sie sich in die den Mainstream gewöhnten Ohren. Die Begleitung des Slow Motion Orchestras unterstreicht die Bandbreite ihrer Stimme. Allen voran Trompeter Sjur Miljeteig stützte und akzentuierte im entscheidenden Moment. Bassist Jo Berger Myre, Gitarrist Even Hermansen und Schlagzeuger Per Oddvar Johansen harmonisierten kongenial. Ihre Soloparts wirkten wie gerade entstehend. Entspannt lud die Gruppe zum Genießen ein. Traditionell war Jazz Barmusik. Slettahjells Musik wäre allerdings in einer Bar als „Hintergrundmusik“ unvorstellbar. Die Schönheit und Komplexität ihrer Texte wären dafür einfach zu schade.

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