Ohne die Bürger geht es nicht

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Zehn Flüchtlinge aus Syrien können ab sofort im ehemaligen Schulhaus wohnen.

Dießen/Obermühlhausen – „Wer die Nachrichten anschaut, der weiß was los ist auf der Welt an Krieg und sonstigen Gräueltaten, da kann man um Viertel nach Acht nicht einfach abschalten, das betrifft auch uns“, betonte Bürgermeister Herbert Kirsch am vergangenen Mittwoch im Gasthof Wegele im Ortsteil Obermühlhausen. Mehr als 50 Bewohner des 300-Seelendorfes waren der Einladung der Gemeinde zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Asyl in Obermühlhausen gefolgt.

Wie Kirsch mitteilte, werden ab dem 21. August zehn Flüchtlinge aus Syrien in Obermühlausen erwartet. Sie werden in der alten Schule an der Bergstraße wohnen, die sich in Privatbesitz befindet und vom Landkreis Landsberg angemietet wurde. 

Unsicherheit im Umgang mit den neuen Nachbarn, aber auch Aufgeschlossenheit und Interesse der Dorfbewohner wurden deutlich. Kirsch, Marianne Asam (Leiterin Sozialdienst BRK), Andreas Schwan (Landratsamt Landsberg) sowie Mitarbeiter des ehrenamtlichen Netzwerkes „Asyl Ammersee-West“ gaben ihr Bestes, um alle Fragen zu beantworten. 

Das BRK sei in enger Zusammenarbeit mit dem Ausländeramt vor allem für die soziale und medizinische Versorgung der Asylbewerber zuständig, berichtete die Sozialdienstleiterin. Dazu gehöre die Versorgung mit Krankenscheinen, die Organisation von Arztterminen und auch Unterstützung beim Umgang mit behördlichen Schreiben. „Aber auch Ordnung und Sauberkeit in der Wohnung, sowie Mülltrennung gehört zu unserem Aufgabenbereich“, so Asam. Auch zehn Fahrräder stünden schon bereit. Derzeit, so Asam, werde mit dem Landkreis darüber verhandelt, ob übertragbare Netzkarten für den Bus nach Dießen und Landsberg zur Verfügung gestellt werden könnten. 

Bei den Neuankömmlingen, so Andreas Schwan, handle es sich ausschließlich um junge Männer aus Syrien und damit um „eine sehr homogene Gruppe“. Erfahrungsgemäß seien Flüchtlinge aus Syrien häufig gebildet mit guten Englischkenntnissen. Probleme bei der Integration gebe es selten. Auch gemeinnützige Arbeit, bis zu 20 Stunden pro Monat, dürfen die Asylbewerber leisten, so Asam. Das könne, so die Idee von Bürgermeister Kirsch, zum Beispiel auch die im Rahmen der diesjährigen Bürgerversammlung angesprochene, gewünschte Wiederherstellung des Fußballplatzes in Obermühlhausen sein. 

„Ohne die Obermühlhauser geht es nicht“, betonte Michaela Kanzler vom Netzwerk Asyl. Oberstes Ziel sei es, die Flüchtlinge freundlich aufzunehmen und auf ihrem Weg in eine neue Selbstständigkeit zu unterstützen. Dies sei manchmal anstrengend, aber es gebe auch „viele schöne Begegnungen“. Auf großes Interesse bei Neuankömmlingen stoße zum Beispiel auch ehrenamtlicher Deutschunterricht. „Die Leute sind sehr wissbegierig und sehen Deutschland als Chance“, erklärte Kirsch. Benötigt werden auch Begleitung beim Einkaufen sowie Patenschaften. Fünf Dorfbewohner bekundeten bereits im Anschluss an die Informationsveranstaltung ihre Bereitschaft ehrenamtlich zu helfen und trugen sich in die ausliegende Liste ein. 

Weitere 50 Flüchtlinge werden in Dießen Anfang Oktober erwartet. Sie können im ehemaligen Therapiezentrum des Roten Kreuzes in Bischofsried untergebracht werden.

Ursula Nagl

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