Neuer Plan nach der Klausur?

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Ob Neu- (Foto) oder Umbau der Mittelschule(n) Landsberg – das siegreiche Planungsbüro „Scholl Balbach Walker Architekten“ hat in seiner Machbarkeitsstudie nach eigenem Bekunden nur die Luxusvarianten gegenübergestellt.

Landsberg – Möglicherweise wird keine der derzeit offiziell diskutierten Varianten zum Neu- oder Umbau der Landsberger Mittelschule umgesetzt. Auch nach einer er­neuten Präsentation der „Machbarkeitsstudie“ durch das Siegerbüro aus dem Architekten-Wettbewerb sind etliche Bedenken im neuen Stadtrat nicht ausgeräumt.

Obwohl sich alle Fraktionen weiter klar zur Mittelschule bekennen, wird das Projekt in der derzeitigen Form inzwischen offen in Frage gestellt und soll jetzt im Sozialausschuss noch einmal neu diskutiert werden.

Dabei haben sich mehrere Stadträte offenbar einer Frage angenommen, die auch in der Stadtverwaltung intern mehr oder minder offen ausgesprochen wird: Wurde der Planungsprozess zumindest in Teilen falsch angegangen? Indizien dafür gibt es, wie auch in der jüngsten Sitzung deutlich wurde. So ist der Raumbedarf für den geplanten Bau am Standort in der Weststadt offensichtlich durchaus üppig bemessen, wie Peter Huber vom Bauamt auf Nachfrage von Wolfgang Neumeier (UBV) einräumte. „Es tut mir leid, wenn ich dem Rektor jetzt vielleicht in den Rücken fallen muss“, so der Referatsleiter. Die Schulen hätten einen bestimmten Bedarf angemeldet, der sei dann der Regierung „diskutiert und zur Genehmigung vorgelegt“ worden. Pikant: „Dabei wäre der Altbestand nach einem Neubau kürzbar. Das wurde aber leider nicht berücksichtigt.“ 

Von mehreren Räten kam daraufhin die Anregung, den Raumbedarf noch einmal zu ermitteln und mit diesen Zahlen neu zu planen. Dr. Wolfgang Weisensee (LLM) ahnte schon, dass man mit den neuerlichen Grundsatzdiskussionen bei den Vertretern des Architekturbüros nicht auf viel Gegenliebe stoßen würde. „Für die sieht es so aus, als würde der Bauherr einen Wettbewerb nach dem ,wünsch-dir-was-Prinzip’ veranstalten und dann feststellen, dass das alles nicht finanzierbar ist.“ 

Dementsprechend verwies auch Wolfgang Balbach von „Scholl Balbach Walker Architekten“ die Räte auf ihre Verantwortung. „Wir sind Architekten, keine Stadträte und keine Pädagogen, das Raumprogramm müssen sie schon selbst festlegen“, um dann noch deutlicher zu werden: „Klar ist, wenn die Planung so bleibt wie im Wettbewerb, werden Sie auch mit noch so viel Ziehen, Schieben und Drücken nicht die Zahlen aus uns herauspressen, die Sie hören wollen.“ 

Finanzierbar? 

Genau das – ob der Siegerentwurf überhaupt umsetzbar ist – wird immer zweifelhafter. Auf Nachfragen aus dem Gremium („Wieviel können wir uns denn überhaupt leisten?“) rechnete Kämmerer Peter Jung ein weiteres Mal vor, wo nach seiner Sicht die Belastungsgrenze für den Haushalt liegt: Zwei Millionen könnte die Stadt jährlich aufbringen, falls die Konjunkturlage so gut bleibt, dazu kämen drei Millionen Förderung – macht maximal neun Millionen Euro, wenn man nicht wieder neue Kredite aufnehmen will. Jung: „Davon, weitere Schulden zu machen, rate ich ab, jede Million belastet den Haushalt mit rund 70000 Euro pro Jahr.“ Diese neun Millionen liegen aber immer noch mindestens vier Millionen von der derzeit günstigsten Neubauvariante entfernt. 

Selbst dabei habe man aber für andere Maßnahmen in den nächsten Jahren kein Geld, warnte Jung: „Wenn Sie diesen Weg gehen, ist nichts mehr da für das Bayertor, das Museum, eine Tartanbahn, LED-Straßenbeleuchtung oder ein Feuerwehrfahrzeug.“ 

"Braucht’s das?" 

Die offensichtliche Schere zwischen Anspruch und Finanzierbarkeit weckt inzwischen auch bei mehreren Fraktionen offene Bedenken, zumal viele grundlegende Fragen noch nicht geklärt seien. „Was passiert mit dem Schlossberg? Das ist eine zentrale Frage und die beantwortet mir einfach niemand“, monierte etwa Dr. Reinhard Steuer (UBV). Er stellte auch zur Diskussion, „was denn wirklich zumutbar“ sei. „Wenn ich feststelle, ich kann mir das nicht leisten, brauche ich dann wirklich so eine Halle in der Schule, so eine Mensa, so eine Bibliothek?“ 

Luxusvarianten 

Auch mit der Machbarkeitsstudie waren nicht alle Räte zufrieden. Stefan Meiser (ÖDP) verwies darauf, dass „Äpfel mit Birnen“ verglichen worden seien, weil es für die Sanierung an beiden Standorten nur eine Variante gebe, „die teuerste“. Wolfgang Balbach stritt das nicht ab: „Ich gebe Ihnen recht, wir haben nur die Luxusvarianten gegenübergestellt. Man kann bei einer Sanierung noch überall weiter runtergehen, erhält man aber energetisch nicht dieselben Ergebnisse.“ OB Mathias Neuner (CSU) verteidigte das Büro: „Das war durchaus der Auftrag, eine schöne, moderne Schule mit einer gleichwertigen Sanierung zu verglei- chen.“ 

Auch die Sozialdemokraten sind von der derzeitigen Planung offenbar nicht völlig überzeugt. „Wir sehen uns nicht in der Lage, zu sagen, was wir uns leisten können“, stellte SPD- Fraktionssprecher Felix Bredschneijder fest und forderte eine Bestandsaufnahme, „was uns in den nächsten Jahren alles droht. Erst dann können wir gewichten, inklusive der Mittelschule und anschließend offen sagen, worauf wir verzichten und warum.“ Auf Vorschlag von Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) wurde diese „Klausur“ einstimmig im Sozialausschuss anberaumt. Dort wird dann auch über die unterschiedlichen Vorstellungen diskutiert werden, wie man den Gordischen Knoten zerschlagen kann.

Christoph Kruse

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