Offene Rechnungen

Die Finanzlage beim EV Landsberg wird nicht besser: Nur noch 292 Fans fanden sich beim jüngsten Heimspiel ein, so dass das Loch in der Kasse angesichts einer Kalkulation mit 900 Zuschauern immer größer wird. „Wir hasardieren immer noch“, so Vorstand Hans-Jürgen Böttcher. „Nicht alle verstehen, dass es im Januar und Februar leichter wird als im November oder jetzt im Dezember.“ Dank der Unterstützung durch diverse Unternehmer habe man jetzt zwar „35000 Euro reingebuttert, aber damit bist du natürlich immer noch 10000 Euro zu schwach.“

Auch die teilweise fehlende Klasse der Mannschaft sei der Geldnot geschuldet. Böttcher: „Der Vorwurf, dass wir keine hochklassige Mannschaft zusammengestellt haben, ist schon richtig. Aber man muss auch sehen, in welcher Situation wir uns befinden. Markus Rohde und Sebastian Wolsch zum Beispiel, die hier noch Vertrag hatten, hätten uns jeweils 48000 Euro brutto gekostet. Das ist einfach nicht drin.“ Wolsch hatte daraufhin vor dem Arbeitsgericht geklagt und 10000 Euro zugesprochen bekommen. „Lieber habe ich ihm jetzt einmal diese 10000 gezahlt.“ Das allerdings stellt sich nach Auskunft des beim EV Füssen spielenden Wolsch ganz anders dar: „Ich habe damals vor Gericht zugunsten des EVL einer Ratenzahlung zugestimmt, da ich weiß, wie schwer es für den Verein wäre, die gesamte Summe auf einmal auftreiben zu müssen.“ Allerdings wurde auch eine Klausel eingebaut, wonach der gesamte Restbetrag auf einmal fällig wird, falls eine Rate 14 Tage zu spät kommt. Wolsch: „Die erste Rate kam sieben Tage zu spät, die zweite 23.“ Woraufhin der 26-Jährige wiederum seinen Anwalt einschaltete. Der will nun per Gerichtsvollzieher beim EVL eine Kassenpfändung vornehmen lassen, um die restlichen 7500 Euro einzutreiben. „Ich weiß nicht, wie lange es in Landsberg noch geht und muss jetzt sehen, dass ich zu meinem Geld komme“, sagt Wolsch. „Auf Ehre und Gewissen, die Spieler sind alle bezahlt“, hatte Böttcher unlängst noch gesagt. Doch zwei aktuelle Spieler aus dem Kader sollen ebenfalls bereits beim Anwalt vorgesprochen haben, um ihre Ansprüche zu sichern, wollen das aber öffentlich nicht bestätigen. Anders zwei Abgänge der laufenden Saison: „Mir fehlen noch zwei Monatsgehälter“, sagt Florian Ullmann, der inzwischen in Leipzig spielt. Ähnliches erzählt Marc Stotz, der nach Memmingen gewechselt war: „Auch mir fehlt noch Geld, aber ich habe auch schon einen Anwalt, den ich einschalten werde, wenn ich es nicht bekomme.“ Bekanntlich wurden bei den besserverdienenden Spielern der ersten Mannschaft die Gehälter für den laufenden Monat um 50 Prozent gekürzt, doch auch im Nachwuchs sieht es nicht viel besser aus. Bereits seit einiger Zeit werden die Spieler statt mit dem Bus mit Privat-Pkw der Eltern zu Auswärtsspielen gefahren, am Sonntag veröffentlichte der stellvertretende EVL-Vorsitzende Josef Keller dann einen dramatischen Hilfsappell im Internet: „Ich kann jeden Euro gebrauchen. Ich wusste, dass es eine schwierige Saison wird, aber dass es so kommen wird, habe ich nicht erwartet.“ Keller verspricht auch, dass etwaige Unterstützung nicht für die aktuelle Misere der ersten Mannschaft verwendet wird. „Ich werde es persönlich nur im Nachwuchs einsetzen."

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