Offene Taschen beim EVL

Hat die EVL-Taschen weit geöffnet: Hans-Jürgen Böttcher.

Es war wieder ein trostloser Anblick, der sich am Sonntag in der Landsberger Eishalle bot: 429 Zuschauer waren nach offiziellen Angaben zum EVL-Spiel gegen Deggendorf gekommen. Immerhin gut 50 mehr als in der Vorwoche gegen Passau (371), aber trotzdem wieder fast 500 weniger als in der Kalkulation im Etat veranschlagt (900), was Woche für Woche ein gravierendes Loch in die EVL-Kasse reißt, zumal am kommenden Wochenende wegen der Länderspielpause überhaupt keine Einnahmen zu erwarten sind.

Nachdem man beim EVL ohnehin über 400000 Euro Schulden vor sich herschiebt, auf das Wohlwollen der Gläubiger angewiesen ist und in beinahe allen Bereichen den Rotstift angesetzt hat, ist es natürlich umso beunruhigender, wenn man im Moment weder im Sponsorenbereich (wie kürzlich vom Vorstand berichtet) noch bei den Eintrittsgeldern die gesteckten Ziele erreicht. "Gar nicht so schlecht" Von den Spielern gibt es zu den Gehaltszahlungen höchst unterschiedliche Aussagen. Des­halb verwundert es nicht, dass bereits seit einiger Zeit Gerüchte die Runde machen, dass die Tage des EV Landsberg gezählt seien. Das und die Reaktionen einiger Fans auf die Pressekonferenz nach dem 3:4 ge­- gen Deggendorf war dann der Anlass vor Vorstand Hans-Jürgen Böttcher, einen Appell zur Unterstützung an die Öffentlichkeit zu richten und die Kritiker in die Pflicht zu nehmen. „Bis auf das Ergebnis war das Spiel ja gar nicht so schlecht“, hatte Klaus-Peter Patzak am Sonntag die Pressekonferenz eingeleitet – aus der nebenan gelegenen Sportzentrumsgaststätte, in die diese übertragen wird, gab es deutlich höhnisches Gelächter zu hören. Eben dieses Gelächter ärgerte Böttcher ganz offensichtlich. Nach dem sportlichen Teil griff er zum Mikrofon und forderte alle Kritiker zur Mithilfe auf. „Ich spreche diejenigen an, die da so laut lachen, sie sollten sich lieber zusammenfinden und mitmachen und mithelfen. Da sind auch Leute dabei, die in guten Jahren erheblich vom EVL profitiert haben, die sollten jetzt auch in den schwierigen Zeiten wieder einmal etwas investieren.“ Zwar gebe es bereits die bekannte Fan-Initiative, die einen Spieler finanzieren will, „doch die tun sich noch sehr schwer, die könnten jede Unterstützung gebrauchen.“ Zu Weihnachten tot? Konkrete Zahlen zur finanziellen Lage nannte Böttcher nicht. „Ich kann nur sagen, wir haben Alternativen, wir machen schon was.“ Von den Unkenrufen will er jedoch nichts wissen: „Da wird teilweise gezielt gestreut, wir wären zu Weihnachten tot.“ Das Gegenteil sei der Fall, so der Vorsitzende: „Ein guter Ausländer dazu und vielleicht bietet sich ja ein guter Junger an und Weihnachten werden wir wieder da sein.“ Böttchers Appell an die Öffentlichkeit: „Wir wollen 55 Jahre Tradition in Landsberg fortführen. Wir haben die Taschen offen. Gebt den Jungen eine Chance, lasst das Eishockey in Landsberg nicht sterben.“ Die angespannte Lage und der erzwungene harte Sparkurs machen auch die Spielersuche nicht einfacher. Zwar habe Trainer Dave Rich offenbar eine „echte Rakete“ in Aussicht, der durchaus für eine stattliche Anzahl Tore gut wäre. Die Anreize für einen guten Ausländer mit gehobenem Oberliga-Niveau, nach Landsberg zu kommen, sind aber derzeit nicht sehr groß. „Wenn ich keinen Flug anbieten kann und bei Wohnung, Auto und Gehalt Abstriche machen muss, wird es sehr schwierig. Und es kennt ja auch jeder die Tabellensituation. Aber ich weiß natürlich, dass das Finanzielle in Landsberg im Moment Vorrang hat, das muss ich einfach akzeptieren. Ich werde mich wieder mit dem Vorstand zusammensetzen und schauen, was machbar ist.“

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