Kein Mittel gegen Temposünden

+
Die Ummendorfer Straße wird vor allem ortsauswärts viel zu schnell befahren, sagen Anwohner und fordern seit Jahren Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung.

Landsberg – Anwohner der Ummendorfer Straße baten die Stadt im Oktober 2015 darum, Maßnahmen zu treffen, um die Geschwindigkeit der PKW vor ihren Häusern im erträglichen Bereich zu halten. Die Verwaltung stellte daraufhin Prüfungen in Aussicht; geschehen ist aber so gut wie nichts. Im Gegenteil: Die Ummendorfer Straße ist inzwischen so ausgebaut worden, dass sie ihre Funktion als „Start- und Landebahn für aus- und einfahrende Autofahrer“ noch besser als bisher erfüllt.

Eigentlich klang Ernst Müllers Schreiben für Ilse Walter gut: „Wir werden künftig wieder häufiger Messungen in der Ummendorfer Straße durchführen“, schrieb der Ordnungsamtschef am 21. Oktober 2015 an die Anwohnerin. „Wir werden die Kollegen des städtischen Tiefbauamts bitten, Ihren Vorschlag zum Einbau einer Verkehrsinsel zu prüfen“. Und: „Wir werden mit dem städtischen Tiefbauamt Kontakt aufnehmen, ob die Errichtung eines Pfostens möglich ist, der für die Anbringung eines Speed-Displays geeignet wäre“.

Ilse Walter und weitere Anwohner der Ummendorfer Straße schöpften dadurch Hoffnung. Für Januar 2016 war ohnehin die Ausschreibung der Straßenerneuerung geplant. Sicher würde die Stadtverwaltung in diesem Rahmen zwei Standorte für Pfosten vorsehen, zumal sie die teuren Displays bereits besaß. Auch eine Verkehrsinsel würde das Bauamt, so glaubten sie, zumindest prüfen, selbst wenn Müller seine Abneigung dagegen bereits zum Ausdruck gebracht hatte – eine Insel behindere „sämtlichen Schwerverkehr“.

Ein Jahr später erfahren die Anwohner allerdings: Müllers Ankündigungen waren überwiegend leere Versprechungen – mit Ausnahme zweier Geschwindigkeitsmessungen in zwölf Monaten ist nichts geschehen, was berichtenswert wäre. Besonders interessant ist, dass der Ordnungsamtschef in einem Schreiben an Stadtrat Jost Handtrack (Grüne) nun zum Thema Verkehrsinsel lapidar mitteilt, er könne die Frage, „ob eine Prüfung durch das Tiefbaureferat stattgefunden hat“, gar nicht beantworten. Auf die Idee, verwaltungsintern nachzufragen, kam er offenbar nicht – da schickte er Handtrack lieber von Amt zu Amt.

In Wirklichkeit hat eine intensive Prüfung durch das Baureferat wohl gar nicht stattgefunden. Dafür gibt es Indizien: In der Ausschreibung zur Erneuerung der Straße war eine Verkehrsinsel noch nicht einmal optional enthalten. Und als Jost Handtrack in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses am 2. März 2016 nachfragte, ob man die Verkehrsinsel nicht nachträglich ausschreiben könne, argumentierte Tiefbauamtschef Hans Huttenloher, dazu sei es jetzt zu spät; dann sei die Baufirma nicht mehr an die angebotenen Preise gebunden. Hätte die Verwaltung die Verkehrsinsel geprüft und aus sachlichen Gründen abgelehnt, hätte das Tiefbauamt darauf in der Sitzung sicher vorrangig hingewiesen.

Auch das Thema „Pfosten für Speed-Displays“ ist nicht weiterverfolgt worden. Ebenfalls auf Nachfrage teilt Müller nun mit: „Die Kollegen des Tiefbauamts haben mit der Prüfung solange gewartet, bis die Ummendorfer Straße neu wiederhergestellt wurde. Wenn die Abschlussarbeiten abgeschlossen sind, werden wir ein Ergebnis dieser Prüfung erhalten“. Merkwürdig: Jede Straßenlaterne wird lange vor einer Straßenerneuerung geplant. Wieso wartet man mit der Planung der Pfosten bis die „Abschlussarbeiten abgeschlossen“ sind?

Bei der Bürgerversammlung in der vergangenen Woche hatte Ilse Walter nach diesen Enttäuschungen erneut ein Schreiben in der Tasche, das diesmal von 15 weiteren Anwohnern unterzeichnet worden war. Schon in den ersten Tagen nach Fertigstellung der an dieser Stelle schnurgeraden Straße hatte sich gezeigt, dass der neue Asphalt noch mehr als bisher zum Rasen einlädt.

Allerdings verließ die Anwohnerin das Sportzentrum nach Gesprächen mit Müller und Oberbürgermeister Mathias Neuner entmutigt. Der Ordnungsamtschef blieb dabei: Dass „etliche“ Kraftfahrer ihr Fahrzeug stadteinwärts quasi ausrollen lassen und stadtauswärts beim Erkennen der Ortstafel bereits wieder beschleunigen, sei auf einer Kreisstraße am Ortseingang nun mal so. Und ein Speed-Display aufzustellen, sei „sehr schwierig“. Im Ergebnis heißt das: Da hat man einfach Pech, wenn man da wohnt.

Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner ließ die Anwohnerin in der Bürgerversammlung abblitzen: „Was meinen Sie, wie viele Briefe ich bekomme, in denen Anwohner Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung fordern?“ Neuner wies noch darauf hin, dass es umgekehrt schon Beschwerden von LKW- und Busfahrern gegen die leichte Verschwenkung am Anfang der Ummendorfer Straße gebe; das erschwere den Begegnungsverkehr.

Ilse Walter nahm ihr Schreiben daraufhin gleich wieder mit. Nach einem Jahr Hingehalten-Werden und diesen klaren Absagen erschien ihr ein neuerlicher Vorstoß ganz sinnlos zu sein.

Werner Lauff

Meistgelesene Artikel

Städtisches Alkoholverbot?

Landsberg – Mit Unterstützung seiner Fraktionskollegen der Landsberger Mitte fordert Stadtrat Dr. Wolfgang Weisensee, der als Leitender Notarzt tätig …
Städtisches Alkoholverbot?

Wieder das eigene Wasser

Kaufering – In jüngster Vergangenheit sahen sich die Bürger von ihrer Marktgemeinde unzureichend mit Informationen versorgt. Für den nicht …
Wieder das eigene Wasser

Längst überfälliger Neubau

Landsberg – Allein bei dem Gedanken, dass Menschen im Stadtgebiet noch in Holzbaracken wohnen, wird dem Oberbürgermeister ganz „unwohl“. Als …
Längst überfälliger Neubau

Kommentare