Gelegenheit macht Diebe

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Zehn Jahre lang machte sich die Angeklagte um ein Schuh-Unternehmen im östlichen Landkreis verdient - Dann fing sie an, ihren Arbeitgeber aus Geldnot zu bestehlen.

Landsberg – Irgendwann wurden die Schulden und die Verlockung zu groß: Ihre berufliche Position hat eine 48-Jährige ausgenutzt, um mehr als 200 Paar Schuhe zu stehlen. Anschließend verkaufte sie diese an einen Bekannten, der die heiße Ware auf Flohmärkten weitervertrieb. Die Angeklagte räumte den Vorwurf ein; sie wurde am Montag am Landsberger Amtsgericht zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mitangeklagte, der sich keiner Schuld bewusst war, muss 2.700 Euro Strafe zahlen.

Auf die, nach eigener Aussage, „hirnrissige Idee“, war die Frau aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck aufgrund finanzieller Schwierigkeiten gekommen. „Wenn wir ein Loch gestopft haben, sind zwei neue dazugekommen“, beleuchtete die 48-Jährige ihre damalige Lage. Im Internet und auf Flohmärkten habe sie ihren Besitz verkauft, um Geld aufzutreiben, neben ihrem Hauptberuf habe sie als Bedienung gejobbt.

Der Kontakt zum Mitangeklagten und dessen Frau, die am Ende als ahnungsloses „letztes Glied in der Kette“ von Richter Alexander Kessler freigesprochen wurde, sei bei solch einem Flohmarkt zustande gekommen. Drei oder vier Paar neuwertiger Markenschuhe ihres Gatten hatten damals das Interesse des Münchners geweckt. Dabei handelte es sich um Musterexemplare, die die Angeklagte günstig von ihrem Arbeitgeber, einem Schuhhersteller aus dem östlichen Landkreis, erworben hatte. Der 41-jährige Beschuldigte, der des Öfteren Flohmarktstände betreibt, witterte ein lukratives Geschäft und erkundigte sich, ob sie noch mehr Schuhe anzubieten hätte, die er weiterzuverkaufen gedachte. Und das hatte sie: Denn als Sachbearbeiterin für Retouren und Reklamationen landeten berufsbedingt jede Menge Schuhe auf dem Schreibtisch der Angeklagten – und wurden auch immer wieder in ihrem Büro zwischengelagert. So entspann sich die Idee, sich widerrechtlich zu bedienen.

Auch wenn die Gewissensbisse groß gewesen seien, immer wieder zweigte die Frau ab November 2014 Schuhe ab. Bis sie schließlich die ersten 100 Paar beisammen hatte und sie auf der Theresienwiese für je 18 Euro an den Münchner weiterverkaufte. Einige Wochen später, im Juli, wechselten weitere 110 Paar auf diesem Weg den Besitzer. Doch von Erfolg war das Unterfangen nicht beschieden: Nachdem die Polizei den Stand des 41-Jährigen hochgenommen hatten, wandte sich die reuige Frau sofort an ihren Arbeitgeber, beichtete alles und beglich umgehend den auf 6.000 Euro bezifferten Schaden – über den Ladentisch waren bis dahin erst 21 Paar Schuhe gegangen. Auch während der Verhandlung am Landsberger Amtsgericht brach die 48-Jährige immer wieder in Tränen aus. Am Ende kam sie, trotz der Schwere und Häufigkeit ihrer Schuld, mit einem milden Urteil von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe über 2.000 Euro davon.

Umstrittener war da schon die Frage, ob und wie ihr Abnehmer zu bestrafen sei. Denn von der Art und Weise, wie seine Geschäftspartnerin in den Besitz von über 200 Paar Schuhen gekommen war, wollte der Mann nichts gewusst haben. Er sei angesichts der großen Menge zwar „schockiert“ gewesen, habe sich aber keine weiteren Gedanken gemacht. Vielmehr habe er angenommen, dass es sich um geringfügig fehlerhafte Ware handle, die „ansonsten weggeschmissen worden wäre“. Das nahmen ihm weder Richter Kessler noch Staatsanwältin Gudrun Wagner ab. „Sie haben einen kriminellen Kanal einfach billigend in Kauf genommen und bei dem super Preis zugegriffen“, warf ihm Kessler vor. Denn auch die Tatsache, dass die hochwertige Ware geradezu verramscht wurde, hätte den wegen Drogenhandels und schweren Bandendiebstahls Vorbestraften stutzig machen müssen. „Es war selbst für einen Laien ersichtlich, dass da was faul ist“, führte Kessler an, nachdem er den Münchner wegen Hehlerei zu einer Geldstrafe von 2.700 Euro verurteilt hatte.

Rasso Schorer

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