Die Hölle auf Erden

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Die Schwester der Magd Marie (in mehreren Rollen: Judith Toth) macht sich Vorwürfe, sie zum Danner-Hof geschickt zu haben.

Landsberg – Bühnenadaptionen populärer Romane sind eine zweischneidige Sache: natürlich ziehen sie Zuschauer an, können aber gewaltig danebengehen – sie können aber auch die Vorlage übertreffen, wie das Metropoltheater München unter der Regie von Jochen Schölch nun im Stadttheater zeigte.

„Es gibt keinen Gott auf dieser Welt. Es gibt nur die Hölle und sie ist hier auf Erden, in unseren Köpfen, in unseren Herzen“. Dieses Zitat, gesprochen vom Mörder (Christian Baumann) zu Ende des Stückes, hat Regisseur Jochen Schölch als Motto der Inszenierung gewählt. Die Hölle, sie liegt in diesem Fall auf einem Hof in der hintersten Einöde, Ende der 50er Jahre. Hier herrscht der alte Bauer Danner, ein Tyrann und Menschenschinder der übelsten Sorte, der nicht nur seine Frau und Tochter missbraucht, sondern auch sämtliche Mägde, die das Pech hatten, den Hof zu betreten. Einer, die nicht fliehen konnte, sondern als Fremdarbeiterin bleiben musste, blieb nur der Selbstmord.

Die Tochter (Judith Toth) lernt vom Vater, wie man andere manipuliert und übertrifft ihn noch darin, indem sie den einsamen Nachbarn verführt, nur um einen Vater für ihr ungeborenes Kind, empfangen vom eigenen Vater, zu bekommen. Sie erpresst den Vater, ihr den Hof zu überschreiben. Das ganze Dorf weiß, ahnt, was auf dem Einsiedlerhof vorgeht, meidet ihn, aber schweigt.

Mit dichten, atmosphärischen Bildern und grandioser Schauspielleistung hat es das Ensemble geschafft, diese beklem­mende Stimmung auf die Bühne zu bringen, die im Roman manchmal nur an der Oberfläche bleibt. Düster, nur von zwei Reihen Grablichtern erhellt, dominiert eine hölzerne Stalltür die Bühne, unheilverkündend, ein Symbol des Grauens (Bühne: Thomas Flach). Leblose Puppen im Hintergrund stehen für die Menschen, die während der Nacht ausgelöscht wurden.

Die Fassung des Metropoltheaters verzichtet auf dramatische Umarbeitung des Romans, behält die dokumentarische Struktur nahezu, mit einigen Kürzungen, bei. Die Personen kommentieren in der dritten Person ihre Handlungen, begleitet vom Gemurmel der „Litanei für arme Seelen“, tragen ihre Zeugenaussagen vor. Dabei schlüpfen sie in verschiedene Rollen, einzig der Mörder spielt nur sich selbst.

Doch interessanterweise schafft diese Erzähl- und Spielweise keine Distanz, sondern intensiviert das Geschehen, indem die Protagonisten nur von einem Wunsch beseelt sind: frei zu sein. Ihr Scheitern hat nahezu antike, tragische Ausmaße.

Patricia Eckstein

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