"Das gehört unterstützt"

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Große Behälter auf den Wägen, der Einsatz von Gabelstaplern und eine eigene Altpapierbox für die Haushalte – Ludwig Reiter vom VfL Kaufering lässt sich ständig etwas einfallen, um die für seinen Verein finanziell wichtigen Sammlungen zu verbessern.

Kaufering – Jeder Landkreisbürger kennt das Bild: Meist an ausgewählten Wochenenden fahren Mitglieder der ansässigen Vereine durch die Ortschaften, um das Altpapier der Haushalte und Unternehmen einzusammeln. Denn diese Aktionen stellen vielerorts eine wichtige Einnahmequelle dar. So auch für den VfL Kaufering, dessen Verantwortliche besonders umtriebig sind, wenn es darum geht, die Sammelaktion zu optimieren. Kürzlich führten sie in Kaufering die grüne Altpapierbox ein, eine Alternative zur blauen Tonne. Denn die Sammelmengen werden immer weniger.

Seit mehr als 45 Jahren ziehen sie regelmäßig los, die Altpapiersammler des VfL Kaufering. Bei Wind und Wetter schwärmen die Helfer aus, auf Traktoren und in Baufahrzeugen, die Landwirte und Unternehmen zur Verfügung stellen. Doch ihre Ausbeute wird immer kleiner und damit auch die Einnahmen, die sie mit ihrem freiwilligen Einsatz in die Kassen ihrer Abteilungen spülen.

Ludwig Reiter organisiert diese Sammlungen. Alle zwei Monate machen sich die Abteilungen Turnen und Leichtathletik und Fußball am Samstagmorgen auf, um die Papierstöße in Hof­einfahrten und am Straßenrand aufzulesen. „Einen ganz großen Stellenwert“ bescheinigt er diesen Aktionen – sowohl für das Vereinsleben, als auch finanziell. Denn pro gesammelter Tonne ist mit dem Landratsamt, das für die Papier­entsorgung zuständig ist, ein Festpreis ausgehandelt.„Das Altpapiersammeln gibt uns die Möglichkeit, dass wir um unser Geld nicht immer betteln müssen“, erklärt Reiter.

Aus diesem Grund machen er und seine Mitstreiter sich ständig Gedanken, wie der Ablauf verbessert werden könnte. Und wie die Kauferinger Bevölkerung dazu zu bewegen sei, ihr Altpapier wieder vermehrt dem VfL zu überlassen.

Die Zeiten, in denen das Papier in Bündeln auf einen Wagen geladen, anschließend aufgeschnitten und in die großen, vom Landratsamt bereitgestellten Container geworfen wurden, sind in der Marktgemeinde vorbei. Noch direkt auf dem Anhänger landet das lose Papier in großen Boxen. Bei der Ankunft an der Sammelstelle übernimmt ein Gabelstapler und kippt die Ladungen aus. „Das geht viel schneller. Außerdem entfällt die Ausrede der Leute, dass sie das Papier nicht extra bündeln wollen“, so Reiter.

Auch eine grüne Sammelbox, die an interessierte Haushalte ausgeteilt wird, soll dafür sorgen, dass die Ausbeute künftig wieder zunimmt. Diese wurde sorgsam ausgewählt, Größe, Stabilität und Preis mussten passen.

Eine Art zusätzliche Mülltonne soll der Behälter für die Kauferinger Bürger werden, denn insgesamt schwindet der Sammelerfolg merklich. Und damit auch der finanzielle Erlös, der dem Verein zugute kommt. Auf ganze 173 Tonnen Papier kamen die Helfer des VfL noch im Jahr 2008, 2015 waren es nur noch 120. Mehrere tausend Euro weniger fließen so in die Abteilungskassen. Es gäbe zwar viele treu sammelnde Haushalte, doch gerade bei der jüngeren Generation lasse das nach. Das sei schade und ein Stück weit eine Frage der Bequemlichkeit, das Papier zu trennen: „Wir müssen sortenrein, also ohne Kartonagen, Plastik und so weiter sammeln. In die blaue Tonne kann man halt alles unsortiert schmeißen“, erklärt Reiter.

Überhaupt schreibt er den „steten Rückgang“ der letzten Jahre auch der Einführung der blauen Tonne zu. Diese sei „der größte Konkurrent“. Er bittet alle Landkreisbürger und auch Unternehmen, in deren Ortschaft Vereine Sammlungen durchführen, um ihre Unterstützung. Denn das Geld lande so an einer sicherlich guten Stelle. „Die Sportler und Vereine kümmern sich selbstständig um einen Teil ihrer Finanzen. Das gehört doch unterstützt.“

"Ein moderater Rückgang"

Die Ausbeute der Kauferinger Altpapiersammler lässt nach, doch wie stellt sich die Situation im restlichen Landkreis dar? Johann Bernauer vom Abfallwirtschafts­amt bestätigt einen moderaten Rückgang, der aber auf verschiedene Gründe zurückzuführen sei und von Ort zu Ort schwanke. Die Rahmenbedingungen, die der Landkreis gewährt, seien indes sehr gut.

Die Entwicklung ist eindeutig: Im Jahr 2011 sammelten die Vereine im Landkreis noch 2.360 Tonnen Altpapier im klassischen „Holsystem“. 2013 waren es nur noch 2.120, im letzten Jahr dann 1.980. Johann Bauer vom Abfallwirtschaftsamt bewertet den Rückgang als moderat und führt gleichzeitig die in seinen Augen wichtigsten Faktoren an, um wirksam entgegenzusteuern: „Vereine, die in der Öffentlichkeitsarbeit sehr aktiv sind, kommen weiterhin auf beachtliche Sammelaufkommen.“ Flugzettel und Plakatierung seien auch in Zeiten der blauen Tonne wirksame Werkzeuge, um die Bevölkerung zu aktivieren. Doch er benennt eine andere kritische Entwicklung: Maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass einige Vereine zu kämpfen hätten, sei, dass sich immer weniger freiwillige Sammler fänden. Stellenweise würden die Aktionen mangels Helfern schon gar nicht mehr durchgeführt.

Das sei schade und Bernauer betont, dass das Abfallwirtschaftsamt die Vereine seit vielen Jahren als geschätzte Partner betrachte, die auch gefördert werden: Selbst in Zeiten wenig lukrativer Papiervermarktung gewähre seine Behörde einen festen Abnahmepreis. Je öfter die Aktionen stattfänden, desto höher falle auch die Entlohnung aus. Ferner helfe die Behörde bei der Öffentlichkeitsarbeit, indem sie die Termine ankündigt. Bereitstellung und Transport der großen Container erfolge ebenfalls auf Kosten des Landratsamts. „Im Vergleich mit anderen Landkreisen ist die Unterstützung beachtlich.“

Rasso Schorer

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