Landsberg begehrt auf:

Hohe Parkgebühren bringen die Bürgerseele zum Kochen

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Medienrummel beim Stadtoberhaupt: Geschäftsmann Heinrich Pflanz (3. v. links) übergibt vor den Augen der Verwaltungsspitze über 4000 Unterschriften an OB Mathias Neuner (3. v. rechts) und Stadtwerke-Vorstand Norbert Köhler (verdeckt). Landsbergs Bürger und Einzelhändler protestieren damit gegen die jüngste Erhöhung der Parkgebühren.

Landsberg – „Die Bürgerseele kocht“, sagte Heinrich Pflanz heute Vormittag in der Stadtverwaltung und übergab mehr als 4000 Unterschriften gegen die jüngste Erhöhung der Parkgebühren in der Innenstadt an Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU).

Es war gewiss kein angenehmer Termin für OB Mathias Neuner (CSU), und angesichts des Aufgebots von Print- Radio und TV-Medienvertretern in der Verwaltung machte er auch keinen Hehl daraus: „Aha, dann wird Landsberg jetzt also endgültig in ganz Bayern schlecht gemacht.“

Was dem obersten Bürgervertreter so sauer aufstieß, war ein Papierstapel, den Heinrich Pflanz, Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses, vor Neuner auf den Tisch legte. 4217 Unterschriften gegen die neuen Parkgebühren hatte Pflanz, dessen Liste von vielen Händlern und Kunden weiterkopiert und -verteilt wurde, binnen einer Woche gesammelt.

Die breite Unterstützerfront fordert eine Rücknahme der Erhöhung „ohne Wenn und Aber“. Für Pflanz hat die lokale Politik eine Schmerzgrenze überschritten. „Weiß denn der Stadtrat nicht, wo das Geld herkommt“, fragte er Neuner im Beisein von Vertretern der Stadtverwaltung und mehreren Einzelhändlern. „Wir plagen uns von in der Früh bis auf d’ Nacht und die Stadträte treiben uns die Leute aus der Stadt.“ Als weitere Beobachtung gab er dem OB zu verstehen: „Ich kann Ihnen und dem Stadtrat sagen: So einig waren sich die Leute in Landsberg noch nie wie im Moment.“

Vergessene Einnahmen

Dass die Gebührenerhöhung, „um es vorsichtig auszudrücken, auf Unmut gestoßen ist“, sei auch ihm nicht entgangen, so OB Neuner in der anschließenden Diskussion, die Maßnahme sei zweifelsohne unpo­pulär. „Aber ich habe das Geld nicht im Keller, um das Defizit auszugleichen.“ Keine Einigkeit bestand allerdings zwischen ihm und Stadtwerkechef Norbert Köhler, was die Höhe des Verlustes angeht. Während Neuner davon sprach, dass 2011 „allein 1,5 Millionen Euro Defizit nur mit dem Parken gemacht wurde“, lag die Zahl laut Köhler „nach der Erhöhung im Jahr 2010 bei 800000 Euro.“

Was keiner von beiden erwähnte: Im Haushalt der Stadt kommen auch erhebliche Einnahmen aus dem oberirdischen Parken an. Wie Pressesprecherin Eva Schatz auf Nachfrage des KREISBOTEN mitteilt, waren das während des Umbau-Jahres 2012 rund 350000 Euro, im Jahr davor 450000 Euro.

Ausgerechnet die Zahl dieser Plätze zu verringern, hält Pflanz für den falschen Weg. „Diese Parkplätze sind das beste Geschäft. Und einen nach dem anderen schafft man ab. Das zeigt fehlendes kaufmännisches Denken.“ Neuner verteidigte die Maßnahme mit mehrmaligem Verweis auf das Gutachten von Professor Knoflacher. „Darin ist auch die Reduzierung der Parkplätze enthalten. Es ist ausdrücklicher Bürgerwunsch, dass der Parksuchverkehr weniger wird.“ Eine Argumentation, mit der er bei Pflanz nicht ankam. „Dafür hätten wir nicht 140000 Euro ausgeben müssen, das wissen wir Landsberger auch selber, wie der Verkehr bei uns laufen soll.“

Neuner blieb bei der Knoflacher-Linie: Die Autos sollten raus aus der Stadt, die Bürger auf Fahrrad und Busse umsteigen. „Es ist durchaus beabsichtigt, dass das Parken umso teurer wird, je näher man an die Stadt hinkommt. Und wenn Sie beklagen, dass die Tiefgaragen so teuer geworden sind, müssen Sie auch sagen, dass die erste halbe Stunde um 50 Prozent billiger geworden ist.“

"Das bringt nichts!"

Hintergrund ist erneut der Wiener Professor: Je kürzer der Kunde bleibe, desto schneller mache er Platz für einen neuen, damit stiegen die Umsätze. Eine These, die Tobias Frage von der AG Innenstadt anzweifelte: „30 Minuten bringen unseren Kunden gar nichts, die müssen drei Stunden parken, dann geben Sie nämlich erst Geld aus.“ Auch Pflanz ließ das nicht gelten: „Zwei Drittel unserer Kunden kommen aus dem Land­- kreis oder von weiter weg. Die müssen nun einmal mit dem Auto in der Stadt parken.“

Dass das inzwischen relativ viel Geld kostet, ist OB Neuner nach einem Vergleich mit umliegenden Städten durchaus bewusst. „Wir liegen da am oberen Ende.“ Hoffnung, dass sich daran etwas ändern könnte, machte er Pflanz aber trotz des überwältigenden Zuspruchs zu dessen Aktion nicht. Man könne über Details wie die Taktung nachdenken, „aber es bleibt bei einer deutlichen Erhöhung, das sage ich ganz klar.“

Diese mehrfach unterstrichene Aussage ließ Pflanz eine düstere Zukunft entwerfen. !Ihre Rechnung geht hundertprozentig nicht auf, das ist der falsche Weg. Als erstes geht das Kino kaputt, danach das Inselbad. Bei der Musikschule und der Volkshochschule geht es weiter.“ Andere Städte hätten diese Erfahrungen bereits gemacht und würden längst wieder umsteuern.

Keine Aufgabe der Stadt

Zum Zuge kam Pflanz mit seiner Meinung allerdings ebenso wenig wie Einzelhändlerin Marion Asam-Weber: „Wir hätten während des Hauptplatzumbaus die Gebühren senken müssen, damit Leute kommen. Stattdessen haben wir sie erhöht.“ Den Grundkonflikt brachte OB Neuner schließlich auf den Punkt: „Die Stadt hat nicht die Aufgabe, die Innenstadt zu subventionieren.“ Dem entgegnete Heinrich Pflanz: „Doch, die haben Sie! Das werden Sie sehen, wenn sie erst einmal tot ist.“

Christoph Kruse

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