Peinlicher Fehler: Die Kurve ist zu eng

Große Busse müssten an der neuen Schmalztorkurve auch die Gegenfahrbahn in Anspruch nehmen. Foto: Peters

Öl ins Feuer der Bürgerinitiative „Pro Hauptplatz“ und alle jener, die sich mit einer Verlegung der Straße von Ost nach West nicht anfreunden können: Der aus dem Bürgervoting siegreich hervorgegangene Entwurf 2 des Münchener Architektenbüros Lohrer.Hochrein lässt sich im Detail nicht umsetzen. Die Kurve am Schmalztor ist viel zu eng angelegt. Große Busse würden so kurz vor dem Schmalztor auf die Gegenfahrbahn geraten. Das hat sich am Mittwoch bei Fahrversuchen in der Lechrainkaserne ergeben. Trasse und Kurve müssen nun um drei Meter nach Westen und damit näher an den Marienbrunnen verschoben werden.

Allen Unkenrufen zum Trotz hieß es bislang immer, dass der Kurvenradius am Schmalztor kein Problem sei. Und davon ging man bis dato nicht nur in der Stadtspitze, sondern auch im Baureferat und Straßenbauamt aus. Schließlich habe Planer Axel Lohrer verschiedene Simulationsprogramme durchlaufen lassen, wie er am Freitag auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz versicherte. Kein Durchkommen Doch irgendwie war man davon nicht ganz überzeugt, weil neben den Gegnern der Straßenverlegung auch Fachleute und die Omnibusunternehmer ihre Zweifel an der engen Kurve angemeldet hatten. An vorderster Front: Dietmar Winkler, der ÖPNV-Experte des Landkreises. Bereits Mitte August sagte er in einem KREISBOTEN-Interview wörtlich: „Dort (Kurve am Schmalztor; Anm.d.Red.) würden die Busse nicht durchkommen, ohne in den Gegenverkehr zu fahren.“ Dafür und auch wegen seiner öffentlichen Kritik an der Verlegung von Straße und Schulbusverkehrs fing sich Winkler auf Betreiben der Stadt einen gewaltigen Rüffel ein. Winklers Wort in städtischem Ohr zeigte aber Wirkung. Ein Mitarbeiter in der Bauverwaltung ließ den Computer einfach mal Computer sein, schob Tastatur und Maus beiseite, kramte aus der Tiefe seines städtischen Schreibtisches die altehr­- würdige Kurvenschablone hervor und kam zu einem wenig erfreulichen Ergebnis: Es geht nicht. Plötzlich wollte man doch auf Nummer sicher gehen. Die Entscheidung für den Fahrversuch fiel laut Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) im September. Eine große Asphaltfläche in der ehemaligen Lechrainrainkaserne war plötzlich der neue Hauptplatz. Straße und Kurve waren exakt nach Plan aufgezeichnet worden. Bis ins Detail sollte alles passen, ganz wichtig also das Schmalztor. Zwei Lastwagen des städtischen Bauhofes stellen sich in exaktem Torabstand gegenüber auf und simulierten mit ihren Kränen den Torbogen. Zwei Anläufe Beim Fahrversuch mit von der Partie waren neben dem städtischen Team noch ÖPNV-Experte Winkler sowie Andreas Graf von der Wirtschaftsförderung im Landratsamt. Und natürlich die Busfahrer als Hauptdarsteller. Das Ergebnis am Mittwoch war niederschmetternd: Für die großen Busse ist die Kurve nicht geeignet. Von „Fiasko“ sprachen die einen und von „unbefriedigend“ der Oberbürgermeister. Krisenstimmung in der Stadtverwaltung. Am Freitagmorgen dann der nächste Versuch. Die Trasse ist 3,50 Meter Richtung Marienbrunnen verlegt – der Abstand dorthin beträgt aber immer noch acht Meter – die Fahrbahn an der breitesten Stelle in der Kurve ist von 14 auf 15 Meter aufgeweitet. Der Praxistest zeigt: so geht’s. Aufatmen. OB Lehmann gut eine Stunde später vor der Presse: „Ich habe ja immer gesagt, wo genau der Verlauf sein wird, wird man sehen.“ Er könne mit dem Ergebnis gut leben, denn die Grundzüge der Planung bleiben be­rücksichtigt. Ideale und andere Linien Und was sagt ein Planer dazu, wenn er auf diese Weise eines Besseren belehrt wird? Er pflichtet dem Stadtoberhaupt bei, und weist darauf hin, dass es im „Gestaltungwettbewerb eine Ideallinie“ war. Man habe sich exakt an der östlichen Häuserfront orientiert, die Aufgabe also mehr gestalterisch betrachtet. Veränderungen in der De­- tail­planung zählten da ganz einfach dazu. Der Oberbürgermeister kann dem Sachverhalt durchaus Positives abgewinnen. Es bleibe jetzt mehr Luft und Freiraum zwischen Ostfassade und Fahrbahn – „das entspricht einem Wunsch aus den Workshops“. Außerdem sei die Problematik Straßenverlauf nun gelöst. Praxistest für Bäume Nichts verbauen möchte Lehmann auch in punkto Bäume auf dem Hauptplatz. Weil die in den Bürgergruppen stark umstritten seien, schlägt er hier ebenso einen Praxistest (Pflanzkübel oder Phantome) vor. Will heißen: Wo Lohrer.Hochrein einen Baum vorgesehen haben, wird der Hauptplatz nur so weit bearbeitet, dass später entweder ein Baum gepflanzt oder das Pflaster verlegt werden kann. Während sich derzeit die Workshops weiter mit dem Umbau befassen, treibt das Münchener Büro die Detailplanung weiter voran. Es geht um den Fahrbahnbelag, die Entwässerung, den Denkmalschutz und den Musterbelag gegenüber der Salzgasse. Den Vorentwurf werde man demnächst in Angriff nehmen, sodass im Frühjahr der Entwurf in den Stadtrat kann. Über allem stehe: So flexibel wie möglich auch für die nächsten Generationen bauen, sagt Axel Lohrer.

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