FMZ, Drogerie oder Biomarkt?

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Die von der EEW beantragte „Ergänzung fürs InCenter“ Landsberg an der Spitalfeldstraße (links) sieht vier Märkte vor. Die Stadt hat den Drogeriemarkt (rot) in der Vorlage zum Antrag der CSU-Fraktion an der selben Stelle positioniert wie das Architekturbüro Drenske.

Landsberg – Der Antrag der CSU-Stadtratsfraktion für die Ansiedelung eines Drogeriemarktes am Penzinger Feld weckt offensichtlich Begehrlichkeiten. Die EEW GmbH ist Ende vergangenen Jahres mit dem Vorentwurf für ein weiteres „Fachmarktzentrum“ an die Stadt herangetreten.

„Die Flächen sind da, wir würden uns freuen, wenn wir es realisieren könnten“, sagt Geschäftsführer Axel Schumann auf Anfrage des KREISBOTEN. Die Sindelfinger „Gesellschaft für Grundbesitz und Projektentwicklung“ ist in der Lechstadt wohlbekannt, war sie doch Investor für das 2009 eröffnete InCenter Landsberg. Eben das würde Schumann jetzt gerne „ergänzen“, auf dem ehemaligen BayWa-Areal an Ecke Spitalfeldstraße und Am Kornfeld. Ende vergangenen Jahres hat es die Stadt für rund eine Million Euro erworben – um dort die weitere Entwickling steuern zu können, so die Begründung. Bis der neue qualifizierte Bebauungsplan „Am Penzinger Feld“ fertig ist – voraussichtlich im zweiten Quartal – ist das Areal mit einer „Veränderungssperre“ belegt.

Nach der von einem Kulmbacher Architekturbüro im Auftrag der EEW vorgelegten Pla­nung umfasst das kleine Fachmarktzentrum (siehe Lageplan) einen Drogeriemarkt (750 Quadratmeter), einen Fachmarkt für Deko-Artikel (799 m2) sowie zwei Textilmärkte mit 1200 beziehungsweise 789 m2; die Gesamtverkaufsfläche: 3538 Qua­- dratmeter. Für den L-förmigen Baukörper sowie 185 Stellplätze und die Zufahrt von Norden benötigt EEW 11600 Quadratmeter Grundstücksfläche.

Nur im Sondergebiet

Weil die „Flächen ja schon da sind“, hat sich Schumann mit seinem Vorhaben an die Stadt gewandt. Dort habe man ihm eine Prüfung zugesagt, was inzwischen auch geschehen ist. Das Ergebnis aus städtischer Sicht: Für einen FMZ-Neubau müssten die Bebaungspläne geändert und ein Sondergebiet ausgewiesen werden. Weiterhin würde es die Qualität der angrenzenden freien Grundstücke mindern und die „Verwertbarkeit erschweren“, so Stadtbaumeisterin Annegret Michler.

Generell sei die Ansiedelung weiterer Fachmärkte mit innenstadtrelevanten Sortimenten am östlichen Stadtrand aus landesplanerischer Sicht als „problematisch einzuschätzen“, teilt die Regierung von Oberbayern mit. Da durch die mögliche Vergrößerung der Einzelhandelsflächen am Standort Landsberg auch negative Auswir­kungen auf die Nachbargemeinden von „vornherein nicht ausgeschlossen“ werden können, sei vorab ein Raumordnungsverfahren erforderlich.

Aus Sicht der Städtebauförderung mit dem Schwerpunkt „Aufwertung und Stärkung der Innenstadt“ schätzt die Regierung das Vorhaben ebenfalls als „sehr problematisch“ ein. In dem Papier aus München heißt es: „Sollte die Stadt Landsberg weiteren Einzelhandel an diesem Standort ansiedeln, muss von unserer Seite die weitere Förderung der Innenstadt mit Städtebauförderungsmitteln sehr sorgfältig geprüft werden.“ Wie im KREISBOTEN berichtet, gilt dies auch für den von der CSU-Fraktion beantragten Drogeriemarkt. An diesem hätte die EEW GmbH „auch Interesse“, erklärt Schumann.

Für den Geschäftsführer sind die Bedenken gegen sein Vorhaben nicht neu, aus der Entwicklung des InCenters Lands­berg hat er diesbezüglich einen reichlichen Erfahrungsschatz. Heute laufe das InCenter sehr erfolgreich, die Mieter seien überaus zufrieden, so Schumann. „Insgesamt zeigt sich, dass das FMZ kein Fehler für Landsberg war.“ Und wie kam es zu dem neuerlichen Anlauf? „Mietinteressenten aus anderen Fachmarktzentren haben mich darauf angesprochen.“

Keine Aussprache

Von den neuen EEW-Plänen haben einige Stadtratsmitglieder, das ergab eine Nachfrage des KREISBOTEN, erst in Zusammenhang mit der Debatte des CSU-Antrages „Drogeriemarkt“ erfahren. Auf die „Variante 2 – Fachmarktzentrum“, geht Stadtbaumeisterin Michler in der Sitzungsvorlage für den Bauausschuss zwar aus­führlich ein, zu einer Aussprache kam es allerdings nicht und auch nicht zur Abstimmung. Das folgt vielleicht am 27. Februar, wenn die vom Bauausschuss mit 8:7 abgeschmetterte Ansiedlung eines Drogeriemarktes erneut auf der Tagesordnung steht.

Sofern sich das Vorhaben an der Spitalfeldstraße nicht realisieren lasse, könne sich Axel Schumann die „Ergänzung zum InCenter“ durchaus auch anderenorts vorstellen – es muss nur in „unmittelbarer Nähe“, etwa östlich angrenzend, zum bestehenen Fachmarktzentrum sein. 

Anderes wünscht sich die SPD für das Penzinger Feld: einen Fachmarkt für Bioprodukte. „Im Westen Landsbergs haben wir so etwas schon, im Osten noch nicht“, sagt Fraktionschef Dieter Völkel. Er will eine „tatsächliche Versorungslücke“ ausgemacht haben. Der entsprechende SPD-Vorstoß in diese Richtung stehe unmittelbar bevor.

Toni Schwaiger

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