Personalie unter Dach und Fach

Knifflige Personalie unter Dach und Fach: Am Montagabend haben Landrat Walter Eichner (links) und Monika Neugebauer, stellvertretende Klinikvorständin, den neuen Vorstand, Peter Rahn, vorgestellt. Foto: Kruse

Am Montag Abend ließ Landrat Walter Eichner die Katze aus dem Sack: Peter Rahn wird der neue Vorstand des Landsberger Klinikums. Der 48-jährige Oberpfälzer wird seinen Posten zum Jahreswechsel antreten, wurde aber bereits jetzt vorgestellt. „Ganz schön früh“, wie Rahn selbst meinte, doch Walter Eichner war sichtlich froh, die nach dem Weggang von Georg Detter durchaus knifflige Personalie unter Dach und Fach zu haben. Am 18. September hatte der Verwaltungsrat („einstimmig, das möchte ich hervorheben“, so Eichner) der Einstellung Rahns zugestimmt, bereits am Tag nach dem Pressegespräch wurde die Belegschaft offiziell informiert.

Eichner machte keinen Hehl daraus, dass Rahn auch die Finanzen wieder in den Griff bekommen soll. „Es ist ja bekannt, dass wir 2011 mit einem Minus abgeschlossen haben und das wird auch 2012 so sein“, erklärte der Landrat, der sich vom neuen Vorstand wünscht, dass unter seiner Leitung demnächst „eine anthrazitfarbene Null“ geschrieben werden kann. Eichner: „Ich sehe das Defizit als temporäre Sache an. Wir haben kein Patientenproblem, wir haben kein Niedergelassenenproblem, wir hatten ein hausgemachtes Problem, bei dem wir dabei sind, es zu lösen.“ Allerdings soll das nicht in einer Ertragsmaximierung um jeden Preis münden. „Herr Rahn bekommt nicht den Auftrag, einen bestimmten Anteil des Umsatzes als Gewinn in die Kasse zu spülen.“ Der Angesprochene selbst kann bislang zu den Finanzen noch nicht viel sagen. „Ich kenne die Historie nicht. Man muss die Situation analysieren und dann sehen, welches Werkzeug man in die Hand nimmt, wenn man überhaupt eines braucht.“ Die Kenntnisse dazu hätte der studierte Internist jedenfalls, immerhin kam er 2005 zum Klinikum der Schwesternschaft des Bayerischen Rotes Kreuzes in München, „das war damals ein Sanierungsfall.“ Dass die Aufgabe nicht einfach werden wird, ist ihm offenbar klar: „Wir haben bis vor zwei, drei Jahren die Höhenflüge erlebt, das ist vorbei. Jetzt wird es für alle Krankenhäuser schwieriger, weil die Kassen vieles einfach nicht mehr finanzieren. Aber wir haben in Landsberg eine gute Chance, erfolgreich zu sein.“ Von seinen bisherigen Erfahrungen in Landsberg ist Rahn sehr angetan. „Bevor man sich bewirbt, recherchiert man natürlich auch im Internet, da ist mir stark aufgefallen, dass über dieses Haus praktisch nichts Negatives zu finden ist.“ Auch die bisherigen Gespräche verliefen offenbar erfreulich. „Das Klima hier ist offenbar sehr gut, was ich bisher erlebt habe, war sehr angenehm.“ Seinen Mitarbeitern gibt er schon jetzt das Versprechen, sich auch darum zu kümmern, dass das so bleibt. „Mir ist sehr wichtig, dass man respektvoll miteinander umgeht.“ Das hörte auch Walter Eichner gern, der – wohl auch angesichts der Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit – klarstellte: „Das Wohl der Patienten steht bei uns im Fokus. Und der Vorstand muss, nicht nur bei Problemen im Haus, das Personal generell mitnehmen.“ Dass man überhaupt an Peter Rahn herankam, hat man auch der Bayerischen Krankenhaus-Gesellschaft (BKG) zu verdanken. Eichner: „Uns war klar, dass wir bei einer Stellenausschreibung im Wesentlichen die gleichen Bewerber wie im Mai haben würden. Da hat dann die BKG für uns gewissermaßen als Headhunter gearbeitet.“ Nachdem der Kontakt hergestellt war, habe man dann „sehr intensiv miteinander gesprochen, über mehrere Stunden.“ Rahn selbst, der noch in München wohnt, konnte sich offenbar schnell mit der neuen Aufgabe anfreunden. „Wer einmal in Oberbayern arbeitet, möchte da natürlich auch bleiben“, so der 48-Jährige. „Außerdem arbeite ich als Prokurist immer noch in der zweiten Reihe, das ist ein großer Schritt, den ich hier zum Jahreswechsel machen kann.“ Zunächst gilt es für ihn allerdings, seine bisherige Tätigkeit, unter anderem als Geschäftsführer von zwei medizinischen Versorgungszentren in München und Lindenberg, ordentlich abzuschließen, „da ist noch viel zu tun.“ Bis dahin wird es weiterhin aber bereits einen regen Email-Verkehr zwischen ihm und Eichner geben. Dabei haben beide bereits eine „gesunde Einstellung zur Arbeit“ festgestellt, so der Landrat: Eine Nachricht, die Rahn am Samstag abend um 22.42 abgeschickt hatte, beantwortete Eichner zu dessen Erstaunen bereits am Sonntag um 7.50 Uhr. Rahn wiederum opferte viel Zeit, als er sich mit Michaela Geier und Monika Neugebauer vom Klinikum im Münchner Flughafen-Hotel zu einer Besprechung traf. „Wir kamen davon um 2.45 Uhr in der Früh nach Hause“, erinnert sich Neugebauer. Walter Eichner kann sich wieder um andere Dinge kümmern. „Ich habe jetzt etliche Stunden hier verbracht, aber ich bin froh, wenn ich mich wieder zurückziehen kann, ich bin immerhin Landrat und der Herr Rahn ist dann alleiniger Vorstand des Kommunalunternehmens, das er wie ein ordentlicher Kaufmann führen soll.“

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