Auf dem Pfad der Tugend radeln

Diesen Sitzungsabend wird Dr. Andreas Hartmann (Grüne) gewiss noch lange in angenehmer Erinnerung halten. Nicht etwa weil Deutschland die Niederlande bei der Fußball-EM bezwang. Vielmehr ging es um ein für ihn sehr wichtiges Thema, dem auch im Lande des Vorrundengegners große Bedeutung beigemessen wird: das Fahrradfahren. Der Stadtrat sprach sich dafür aus, alle Einbahnstraßen mit Tempo 30 für das „Beradeln“ in Gegenrichtung freizugeben. Zudem sind die Pedalritter in Zukunft auch in der Alten Bergstraße, teils im Peter-Dörfler-Weg sowie in der Fußgängerzone Ludwigstraße zugelassen.

Gerade die Öffnung der Fußgängerzone kam für Dr. Hartmann, selbst passionierter Fahr­radfahrer, völlig überraschend. Immer wieder war er in den vergangen Jahren mit diesem Ansinnen gescheitert. Nun aber ergab sie sich im Verlauf der Debatte als „Nebenprodukt“, da Hartmann für die Grünen lediglich die Öffnung sämtlicher Einbahnstraßen im Stadtgebiet gefordert hatte. CSU-Chef Helmut Weber stieß die Sache zur Verwunderung der Grünen an. Im Schwarzwald sei er jüngst unterwegs gewesen und habe festgestellt, dass es dort keine Stadt gebe, in der nicht entgegen der Einbahnstraßenrichtung geradelt werden dürfe. „Ich verstehe nicht, warum wir uns da so anstellen.“ Weber sagt’s und bezieht das auch auf die Fußgängerzone. Schließlich stimmen 14 der 25 Ratsmitglieder der ganztägigen Öffnung der Ludwigstraße für Fahrradfahrer zu. Relativ unproblematisch Zu den Einbahnstraßen mit Tempo 30. Diese in den Wohngebieten freizugeben, sei relativ unproblematisch, sagte Ordnungsamtsleiter Ernst Müller. Von einer generellen Freigabe im Altstadtbereich riet er indes ab, hier müsse man im Einzelfall entscheiden. Doch gerade darauf konzentrierte sich der Antrag der Grünen. Mit Hilfe einer Freigabe von Vorder- und Hin­-ter­anger, Herzog-Ernst-Straße, Schlossergasse sowie Hintere Salzgasse könnte die Durchquerbarkeit der Altstadt deutlich verbessert werden, so Hart­- mann, „ohne dass Radfahrer den Pfad der Tugend verlassen müssen“. Gerade während des Hauptplatzumbaues sei es besonders wichtig, die Alternativen zum Autoverkehr deutlich zu stärken. Die Mär vom erhöhten Unfallrisiko entkräfteten die Hartmanns mit vereinten Kräften. Studien zeigten, dass der Autofahrer entgegenkommende Radfahrer besser wahrnehme, zudem trügen Letztere zur Verkehrsberuhigung bei, so der Antragsteller. Und Ludwig Hartmann erinnerte daran, dass es in allen geöffneten Einbahnstraßen Bayern zwischen 2009 und 2011 nur 47 Unfälle mit Radlern gegeben habe. Seit dem Inkrafttreten der Fahrradnovelle vor 15 Jahren sei die Regelung nur in einem Fall zurückgenommen worden. Da sich die Landsberger Ordnungsverwaltung gegen eine generelle Freigabe im Altstadtbereich ausgesprochen hatte, ließ OB Mathias Neuner (CSU) einzeln abstimmen. Nach dem Anbringen von Fahrbahnmarkierungen und Beschilderung sind demnach in Gegenrichtung befahrbar: Vorderanger, Hintere Salzgasse, Limonigasse und Alte Bergstraße. Weil die Fahrbahnbreite nicht ausreicht, beziehungsweise die Verkehrsdichte zu hoch ist, bleibt es in Hinteranger, Schlosser- sowie Schulgasse bei der bisherigen Verkehrsregelung. Die Herzog-Ernst-Straße wird voraussichtlich nach dem Abschluss des Hauptplatzumbaues geöffnet werden. Ohnehin sei dann eine Neubetrachtung der Situation angebracht. Alte Bergstraße offen Grundsätzlich für den Radverkehr freigegeben ist fortan die Alte Bergstraße. Bei dieser Forderung des ADFC-Kreisverbandes hatten Ordnungsamt und Polizei unter anderem aufgrund des erheblichen Gefälles große Bedenken angemeldet. Einige Ratsmitglieder stuften das Unfallrisiko in der Alten Bergstraße indes viel geringer ein als in der Neuen Bergstraße und stimmten mit 14:10 für die Freigabe. Ein klare Mehrheit, 22:2, gab es für die Öffnung des Peter-Dörfler-Weges – nach einem Antrag von SPD-Fraktionschef Dieter Völkel. Auf der Flaniermeile am Lech darf fortan aber nur von 22 bis 9 Uhr geradelt werden.

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