Willkür von zwei Seiten

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Links ist der kleine Garten, der ihm selbst gehört; rechts ist der Streifen, den der Landkreis verpachtet hat: Wolfgang Kropf wehrt sich wie alle Anlieger gegen eine Pflanzpflicht.

Mundraching – Rot sehen Anwohner am Kapellenweg in Mundraching, was die Pflanzpflicht auf dem öffentlichen Grünstreifen angeht, der zwischen der Siedlung und dem Landschaftsschutzgebiet am Lech verläuft. Sie fordern nun die Gemeinde Vilgertshofen per Brief mit beigefügter Unterschriftenliste dazu auf, die Pflanzpflicht aus den Auflagen im Bebauungsplan herauszunehmen.

Der Anlass dafür, warum dieses Thema Wellen schlägt, ist die Tatsache, dass der Landkreis Landsberg drei Anwohnern am südlichen Kapellenweg den Pachtvertrag für die Nutzung des zirka fünf Meter breiten Streifens gekündigt hat. Ein weiterer Grund ist: Der Bebauungsplan liegt derzeit aktuell aus.

Es ist gerade mal sieben Wochen her, dass der Gemeinderat von Vilgertshofen auf der Pflanzpflicht beharrte. Die Räte werden sich in der Sitzung am kommenden Montag, 24. Oktober, erneut mit dem Thema befassen, informiert Bürgermeister Albert Thurner.

„Ich persönlich brauch‘ den Grünstreifen nicht“, bekennt Thurner im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Er fügt freilich hinzu, der Gemeinderat habe sich in der Mehrheit bisher beharrlich geweigert, die Pflanzpflicht für den öffentlichen Grünstreifen aufzuheben, die im Bebauungsplan für den Kapellenweg vermerkt ist.

Doch nun sei ein neuer Aspekt hinzugekommen, argumentiert der Rathauschef. Im Gegensatz zu bisherigen Beratungen und Entscheidungen sei nun bekannt, dass die Pachtverträge seitens des Landkreises gekündigt wurden.

"Unglücklich"

Von einer „unglücklichen Geschichte“ spricht Wolfgang Müller, der Pressesprecher am Landratsamt Landsberg. Er könne die Anlieger sehr wohl verstehen, wenn sie auf die Aufhebung der Pflanzpflicht drängen. Zumal der Landkreis weiter unten am Kapellenweg, wo keine Flächen aus dem Grünstreifen verpachtet wurden, der Pflege selbst nicht nachgekommen sei und dort mehr oder weniger Wildwuchs herrsche wenige Meter westlich der Häuserfassade. Seitens des Landkreises würde man aus der Sache gerne aussteigen. Das heißt konkret: Der Kreis sei bereit, die Grünstreifen an die Anwohner zu verkaufen. Sinn mache dies für die Anlieger freilich nur, wenn der Gemeinderat von Vilgertshofen die Begrünungspflicht aus dem Bebauungsplan Mundraching-Kapellenweg herausnehme.

Dass Anlieger bereit seien, die Streifen auf der Westseite ihres Grundstückes vom Landkreis abzukaufen, das bestätigen Alfons Ruf und Wolfgang Kropf, die am südlichen Kapellenweg zu Hause sind. Der Streifen, der gepachtet wurde, beginnt bei ihnen schon wenige Meter westlich der Außenmauer. Müsste man diese Fläche begrünen, so habe dies negative Folgen. Gemeint sei die Nutzung der Sonnenenergie durch PV-Anlagen, aber auch die passive Nutzung durch Glasflächen in Türen, Fenstern, und Wintergärten. Der Bebauungsplan, der auf das Jahr 1983 zurückgeht, habe diese Anforderung noch nicht berücksichtigt; er sei hoffnungslos veraltet.

Sicht und Sonne

Ein weiteres Argument ist, dass eine Pflanzpflicht den Bewohnern Sicht und Sonne sowohl im Haus als auch auf den Terrassen nehme. Zu bedenken geben Kropf und Ruf auch, dass die Bepflanzung und Pflege des Grünstreifens, wenn er beim Landkreis bleibe, auf Kosten der Steuerzahler gehe. Im Übrigen sei weiter nördlich an der Flößerstraße in Mundraching auch kein öffentlicher Grünstreifen vorgesehen, ergänzen die Anwohner.

Sie sehen sich der Willkür von zwei Seiten ausgesetzt. Das Landratsamt habe sich selbst in keiner Weise an die Pflanzpflicht im Bebauungsplan gehalten. Die Gemeinde wiederum habe dies immer toleriert. Dann könne sie doch nicht von den Anliegern was ganz anderes verlangen, sagen Alfons Ruf und Wolfgang Kropf. Der Grünstreifen könne stattdessen vom Landkreis verkauft oder als landwirtschaftliche Fläche verpachtet werden – „eine für uns Steuerzahler optimale Lösung“.

Letztlich hat die aktuelle Kontroverse mit der außergewöhnlichen Tatsache zu tun, dass der Landkreis Landsberg dort große Flächen erwarb. Das Vorhaben ging zu Zeiten des langjährigen Landrates Bernhard Müller-Hahl (bis 1984) dahin, im jetzigen Landschaftsschutzgebiet einen Freizeitbereich bzw. ein Feriendorf zu schaffen. Es wurden sogar schon Leitungen verlegt. Als es keine Aussicht mehr gab, dieses Ansinnen zu verwirklichen, verkaufte der Landkreis einen Streifen oberhalb einer kleinen Hangkante an Häuslebauer, die ab Anfang der neunziger Jahre dort ihre eigenen vier Wände errichteten. Die Wiese zum Lech hin, mittlerweile Landschaftsschutzgebiet, ist an einen Landwirt verpachtet.

Johannes Jais

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