Die Pflöcke sind schon gesetzt

Nur einen Tag nach der Präsentation des neuen Wegekonzeptes für den Herkomer-Park waren die städtischen Pflöcke schon gesetzt – der interessierte Lechstädter kann sich damit selbst ein Bild von den geplanten Änderungen machen können. Foto: kb

Das Stadtoberhaupt hatte die Pläne zur neuen Wegeführung um den Mutterturm als Erster gesehen und gab Entwarnung: „Das ist insgesamt viel weniger aufregend als gedacht“, sagte OB Ingo Lehmann bei der Präsentation des Konzeptes. „Um den Mutterturm herum ist das alles praktisch selbstverständlich, da hatte Herkomer selbst schon sehr breit geplant.“

Das wiederum war ein dickes Kompliment für Landschaftsarchitektin Suzanne Grijsbach. Die gebürtige Niederländerin arbeitet von Bergisch Gladbach aus für das Stuttgarter Architekturbüro Birk und Heilmeyer, das bekanntlich den Wettbewerb für den Bau des geplanten Lechsteges gewonnen hat. Letztere kümmern sich um den Hochbau, Grijsbach ist mit den Freiflächen und Wegen beauftragt und präsentierte ihre Pläne jetzt zunächst dem OB, der Stadtbaumeisterin und dem Gestaltungsbeirat, danach ging man gemeinsam vor die Presse. Das Ergebnis überzeugte nach einhelliger Meinung der Präsentierenden. „Es sind einfache Verbindungen durch den Park, die auch der historischen Planung gerecht werden“, so Grijsbach. „Wir führen auch von Norden her die Fahrradfahrer und alle anderen an den Park hin und überwinden den Geländesprung barrierefrei. Das Augenmerk lag bei der Planung vor allem darauf, keine merkwürdig anmutenden Kurven oder Sprünge einzuführen.“ Neue Wege durch den Park um den Mutterturm soll es angesichts der vorgelegten Pläne tatsächlich nicht geben, lediglich einige der bestehenden Pfade werden auf etwa 2,50 Meter verbreitert. Ein Thema sind dagegen die Stege – deren sechs gibt es im Moment, zwei davon sollen entfernt werden. „Das Landesamt für Denkmalschutz ist in die Planungen eingebunden. Dort beurteilt man das im Sinne einer Rückführung auf die historischen Pläne von 1902 eindeutig positiv“, so Stadtbaumeisterin Annegret Michler. Neuer Zebrastreifen Gravierender als im Park selbst werden die Auswirkungen des neuen Lechsteges aber ohnehin in der Anbindung ringsum werden, wobei der Beirat und die Stadt auch hier fast nur positive Auswirkungen prophezeien. Wenn die Schulkinder künftig mittags über den rückwärtigen Parkplatz des Landratsamtes zum Bahnhof gehen, werden sie vom Mutterturm aus über den Papierfleck geleitet. „Diesen Parkplatz muss man natürlich entsprechend umgestalten“, so Michler. „Das muss nicht bedeuten, dass man dort weniger Parkplätze als vorher hätte, eher mehr.“ Ein neuer Zebrastreifen soll Fußgänger in Zukunft die Von-Kühlmann-Straße sicher queren lassen. Auch auf der anderen Seite des Lechs wird sich Einiges tun. Die bisher genannten maximal vier Meter, die vom Inselbad abgezwickt werden, lassen sich nicht durchgehend halten, aber Grijs­-bach betont: „Zum einen war immer die Rede von vier Meter im Durchschnitt, wir haben fast überall nur 3,5 Meter. Und die Verbreiterung auf 7,5 Meter im Bereich der Stelle, wo der Steg ankommt, ist planerisch richtig und notwendig. Man will auch Platz, an dem man sich aufhalten oder auch nur ausweichen kann. Falls es Widerstände von den Bürgern gibt, kann man das natürlich abschneiden und einen geraden Weg daraus machen, auch wenn ich davon abraten würde.“ Für einen Fußweg entlang des Lechs nach Süden zum Flößerplatz, den viele Landsberger fürchten, ist diese Planung nach Auskunft der Beteiligten eher hinderlich. „Das hat damit gar nichts zu tun“, beteuerte Michler. „Nach den aktuellen Plänen müsste man ganz seltsame Windungen machen, um da nach Süden hin anzubinden. Brücke und Weg zeigen eindeutig in die andere Richtung“, sagt Peter Brückner, renommierter Architekt, Mitglied des Preisgerichts beim Entscheid über den neuen Lechsteg und des Gestaltungsbeirates. Jahrhundertchance Das Gremium und die Vertreter der Stadt waren sich nach der Präsentation einig, dass Bedenken gegen den neuen Lechsteg und seine Weiterungen unberechtigt seien. „Das ist eine Jahrhundertchance, viele Städte würden sich wünschen, so etwas überhaupt umsetzen zu können“, meinte Brückner. „Ich bin mir auch sicher, dass es alle gut finden werden, wenn es erst einmal umgesetzt ist. Man wird sich eher wundern, warum man so lange über eine solche Verbesserung diskutiert hat.“ Auch Prof. Matthias Loebermann versteht den Widerstand gegen den Steg nicht. „Man kann die Einwände als Außenstehender wirklich nicht nachvollziehen. Da wird niemandem im Inselbad auf den Körper geschaut; der Steg kommt einen Meter über Geländeniveau an, das ist im Landschaftsbau gar nichts.“ Grijsbach ergänzend: „Der Zaun wird in diesem Bereich hochgezogen, da muss sich niemand Sorgen machen.“ Dass trotz der aus seiner Sicht klaren Vorteile am 11. Dezember ein Bürgerentscheid ansteht, sorgte beim Gestaltungsbeirat für Verwunderung und Irritation. „Im Wettbewerb waren mehr als 20 Standorte und Varianten für die Brücke. Da wären tatsächlich Entwürfe dabei gewesen, die man hätte kritisieren können. Aber bei keinem Entwurf war die Ansicht so gut gewesen wie bei dem, der gewonnen hat“, erinnerte Brückner. „Mit diesem Knick hat man den richtigen Punkt auf der Ostseite getroffen und auch den richtigen Blick auf den Mutterturm. Man kommt außerdem auf einem natürlichen Brückenkopf am Mutterturm an. Jetzt noch einmal eine Diskussion um den Standort aufzumachen, ist nicht verständlich. Das ist der beste Standort und ein Zugewinn für die Stadt.“ Bei der Stadt ist man sich ungeachtet des Bürgerentscheids offenbar sicher, dass man mit der aktuellen Planung auf dem richtigen Weg ist. Nur einen Tag nach der Präsentation wurden die geplanten Wege durch den Herkomer-Park bereits mit kleinen Pflöcken abgesteckt.

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