Jetzt geht es ums Detail

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Der Stadtrat wird sich in den kommenden Wochen intensiv mit dem Bebauungsplan „Am Papierbach“ beschäftigen.

Landsberg – Nun heißt es: Farbe bekennen. Den Mitgliedern des Stadtrats liegen für die Sitzung am 8. Juni insgesamt 249 Seiten an Unterlagen zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung des Bebauungsplans „Am Papierbach“ vor. Außerdem gibt es, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, ergänzende Papiere, die nichtöffentlich beraten werden. Dazu gehört der Entwurf des städtebaulichen Vertrags der Stadt Landsberg mit Pflugfabrik-Entwickler ­ehret + klein.

Eine Woche vor der Sitzung lassen die Vorlagen, soweit sie einsehbar sind, zahlreiche Änderungen gegenüber dem bisherigen Planungsstand erkennen. Dies beginnt bei der Ausdehnung des Bauvorhabens. Die Bebauung unmittelbar gegenüber vom Mutterturm nördlich der „Villa Kleber“ ist gestrichen; der bestehende Weiher mit straßenbegleitenden Bäumen bleibt erhalten. Lediglich das an Stelle des Verwaltungsgebäudes der Pflugfabrik vorgesehene Mehrfamilienhaus wird verwirklicht.

Dafür soll die Bebauung an der Spöttinger Straße nach Süden erweitert werden. Dies wird durch die Verlagerung des Jugendzentrums ins Stadtzentrum möglich. Ziel ist es, dort zunächst ein Sondergebiet „Nahversorgung“ auszuweisen, das großflächigen Einzelhandel im Erdgeschoss (geplant ist ein Supermarkt mit 1.900 Quadratmetern Fläche) sowie „Wohnen, Büronutzung und Freie Berufe in den Obergeschossen“ ermöglicht. Unmittelbar südlich davon soll sich eine 700 Quadratmeter Gemeinbedarf-Bebauung anschließen; hier sind ein Kindergarten und ein Kinderspielplatz vorgesehen.

Biotop entwertet?

Naturschützer sehen diesen Teil des Vorhabens südlich der Achse „Lechbogen“ und östlich der „Bahnlinie“ besonders kritisch. Ihre Einwände beginnen bereits am Baufeld A4, das das östliche Pendant zum Schremm-Bau darstellt. Dort soll ein Teil der bisher offenen Wassergasse überbaut werden, was nach Ansicht des Vogelschutzbundes das gesamte Biotopareal entwertet. Auch möchte der Bund Umwelt und Naturschutz den Grünzug entlang des Papierbachs erhalten und das Bauvorhaben nach Norden verschieben.

Planänderungen zum Opfer gefallen ist der Erhalt der „alten Schmiede“. Dort soll nun das Baufeld B2 entstehen, was nach Auffassung der Stadtverwaltung freilich zu einer Aufwertung des Bereichs westlich des Herkomerparks führt. Insgesamt sind im gesamten Areal 600 Wohnungen geplant.

Die Infrastrukturkosten schätzt die Verwaltung auf vier Millionen Euro. Das Gebiet „Am Papierbach“ wird der bislang größte Anwendungsfall der „SoBoN-Richtlinie“ sein, nach der Investoren im Fall von Aufwertungen von Grundstücken Sozialwohnungen schaffen und bis zu einer festgelegten Grenze projektbedingte Kosten der Stadt tragen müssen. Besonders aufwändig sind der neue Lechsteg sowie die Unterquerung der Bahnlinie, mit der die beiden Quartiersteile im Westen und Osten barrierefrei verbunden werden sollen. Eine zusätzliche Überquerung der Bahnlinie und eine kleine Brücke über den Papierbach komplettieren die Liste der kostenträchtigen Hochbaumaßnahmen.

Sensorisch unauffällig

Aufschluss geben die Unterlagen auch zu der Frage, ob und inwieweit Altlasten das Vorhaben verteuern. Dazu gibt die Stadtverwaltung weitgehend Entwarnung. Im Bereich der ehemaligen Pflugfabrik zeigten sich bei den Bohruntersuchungen „tiefreichende Verfüllungen mit Bauschutt, Asphalt bzw. Teerresten, die schichtenweise mit Aschen und Schlacken durchsetzt sind. Die Grundmatrix der Auffüllungen besteht aus teils schluffigen Kies-Sand Gemischen mit Ziegel- und Straßenaufbruchbeimischungen. Die letzten Bodenuntersuchungsproben in diesem Bereich waren über die auffüllungstypischen Charakteristik hinaus organoleptisch (also sensorisch) unauffällig.“

Weitere Vorab-Informationen veröffentlicht der KREISBOTE in seiner Ausgabe vom 8. Juni. Eine ausführliche Berichterstattung über den Sitzungsverlauf folgt eine Woche später. Nach der Sitzung folgt die erneute Auslegung der Pläne; bei der abschließenden Bürgerbeteiligung und der letzten Beschlussfassung geht es dann nicht mehr um die großen Linien, sondern um jedes einzelne Detail.

Werner Lauff

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