Pilotprojekt "Inklusion in der Kindertagespflege"

Es ist normal verschieden zu sein

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Im Rahmen einer kleinen Feierstunde erhielten die Absolventinnen des Pilotprojekts „Inklusion in der Kindertagespflege“ ihre Zertifikate überreicht. Unter den Gästen auch die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Barbara Juchem (rechts vorne) sowie Bürgermeisterin Doris Baumgartl (Mitte) und Stellvertretende Landrätin Ulla Kurz.

Landsberg – Im Rahmen einer Feierstunde in der Lebenshilfe Landsberg hat Bürgermeisterin Doris Baumgartl kürzlich zwölf Frauen, überwiegend Tagesmüttern, ihre Teilnahmebestätigungen an der Fortbildung „Inklusion in der Kindertagespflege“ überreicht. Es handelt sich dabei um ein einzigartiges Pilotprojekt in Bayern.

Für Neugierde sorgte bereits das Bergbild der Malerin Andrea Skorpil auf der Einladung. Darauf war die Veranstaltung als kleine Bergtour ausgewiesen. Kletterzubehör und Brotzeit wurden vom Kinderbüro, einer Einrichtung der Frau und Beruf GmbH, und der heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe Landsberg gestellt. Projektleiterin Isolde Welzmiller zeigte gleich zu Beginn mit ihrem Kurzfilm über Inklusion, dass diese nur dann gelebt werden kann, wenn eine Erklärung nicht nur den Kopf sondern auch das Herz erreicht. Hier bot Fortbildungsteilnehmerin Uschi Pfaffeneder mit ihrer Vorstellung des Projekts Hilfestellung an. Die anfangs noch verwunderten Besucher erkannten sehr schnell die Analogie im mitgebrachten, großen Stein mit unterschiedlichen Kletterhaken, mit Hammer und Bohrmaschine.

Pfaffeneder verglich das Leben mit einem behinderten Kind mit einer Bergtour, für die es oftmals keinen Plan, geschweige denn eine Seilbahn gibt. Die Betroffenen müssen mühsam diesen Berg besteigen, nur um dabei festzustellen, dass Kletterhaken oder gar Ruhestellen fehlen, um die Schönheit eines gelebten Lebens trotz allem wahrnehmen zu können. Sie verstand deshalb dieses in Bayern einzigartige Pilotprojekt als Chance, selbst zum Kletterhaken zu werden. Dabei geht es nicht nur um rollstuhlgerechte Zugänge, einem Tandemlehrer in Inklusionsklassen, einem Betreuungsplatz für ein Kind mit einem be­- sonderen Förderbedarf. „Es geht darum, dass Inklusion erst einmal in eigenen Kopf stattfinden muss“, sagt Pfaffeneder, „und dann reicht manchmal schon ein aufmerksamer Blick im eigenen Umfeld.“

Kleine Kletterhaken

Meist sind es nicht nur die offensichtlichen Behinderungen, sondern auch die Kinder und Erwachsenen, deren Lebensrucksack aufgrund Alter, Herkunft oder sozialem Hinter­- grund besonders schwer ist. Damit dies nicht vergessen wird, verteilte sie zum Abschluss ihrer Vorstellung kleine Kletterhaken, die immer wieder neu an die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft erinnern sollen. Wohlwissend, dass auch die eigenen Grenzen und Möglichkeiten im Blick bleiben müssen.

Ulrike Stamm, die Leiterin der Lebenshilfe, schloss sich diesen Ausführungen an, die auch die Ausbildung selbst mit einer Bergtour verglichen hat. Oftmals gab es in den 80 Unterrichtseinheiten Situationen, die den Teilnehmerinnen fremd waren. Wo sie Vertrauen benötigten und wo sie in letzter Konsequenz ihren Blickwinkel ändern mussten, um das Lebensumfeld eines Behinderten nicht nur theoretisch, sondern auch aufgrund der eigenen Erfahrungen wahrzunehmen. Bereits Richard Weizsäcker wusste, dass nicht behindert zu sein, kein Verdienst ist, sondern ein Geschenk – ein Geschenk, das Jedem jederzeit genommen werden kann.

Der Mut und die Offenheit von vier Müttern, die ganz persönliche Einblicke in ihren Alltag mit einem behinderten Kind ermöglicht hatten, wurde schließlich mit einem Blumenstrauß gewürdigt.

Das Projekt wurde finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Mitteln des Euro- päischer Sozialfonds (ESF) und kofinanziert durch das Landratsamt Landsberg. Petra Dürbeck, Leiterin des Kinderbüros Landsberg, warte bei der Feierstunde noch mit einer erfreulichen Mitteilung auf: Seit 1. Juli gelten neue Entgeltsätze bei der Berechnung der Honorare für Tagesmütter, die Kinder mit einer Behinderung betreuen. Das Amt für Jugend und Familie im Landratsamt zahle, im Vergleich zu Regelkindern, deutlich höher Beträge aus. Für die Eltern bleibe die Betreuung trotzdem finanzierbar.

Neuer Start im Herbst

Im Herbst startet die nächste Grundqualifizierung für Tagespflegepersonen mit IHK-Abschluss und spätestens 2015 soll die nächste Weiterbildung „Inklusion in der Kindertagespflege“ angeboten werden. Die Ansprechpartnerin dafür: Petra Dürbeck, Tel. 08191/42829-70, E-Mail info@kinderbüro.de.

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