Piraten legen in Landsberg an

Noch ein zartes Pflänzchen, aber bald mit eigenem OB-Kandidaten: die Piratenpartei für Stadt und Landkreis Landsberg. Von links: Tobias Frage, Eric Lembeck und Oliver Dangers.

Die UBV hat sich zur anstehenden OB-Wahl noch nicht erklärt, die CSU schickt Mathias Neuner ins Rennen. Fest steht weiterhin, dass am 11. März 2012 jemand in knalligem Orange auf der Liste steht: „Ja, wir werden einen Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl aufstellen“, bestätigt Oliver Dangers, 30-jähriger Übersetzer und Ansprechpartner der Piratenpartei für Stadt und Landkreis Landsberg.

Wenn eine Partei solche Aussagen macht, ist üblicherweise der Kandidat nach langem internen Machtgerangel längst gefunden. Bekanntlich sind die Piraten aber ganz anders. „Am 10. Dezember findet die Aufstellungsversammlung statt. Dann werden wir sehen, wer es wird“, hält sich Dangers, der selbst am Sonntag zum stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirks Oberbayern gewählt worden ist, bedeckt. Dass man schon jemanden im Sinn hat, räumt er ein, trotzdem kann die Geschichte spannend werden, wie unlängst in Bad Reichenhall. „Da hat sich jemand nominiert, der gar kein Mitglied war“, erzählt Eric Lembeck. So etwas mag anderswo undenkbar sein – bei den Piraten ist es ausdrücklich erwünscht, man hat sich ja maximale Transparenz, Basisdemokratie und Bürgerbeteiligung auf die Fahnen geschrieben. Mit 8,9 Prozent ist die Rebellenpartei gerade in Berlin in den Senat einzogen, auf dem flachen Land ist die Durchschlagskraft noch sehr begrenzt. Schmale 17 Mitglieder sind es in Landsberg, 45 im Landkreis. Die politische Konkurrenz hat die Freibeuter vor Ort noch gar nicht auf dem Schirm. In jüngster Zeit tut sich aber auch lokal einiges. „Es kommen viele zu uns, die vom Parteienbetrieb frustriert sind", so Lembeck. Das macht sich auch in der Alterstruktur bemerkbar: Online-Händler Lembeck ist 46, Tobias Frage, der einen Laden in der Altstadt führt, 49 Jahre alt – noch vor zwei Jahren gab es derlei „alte Säcke“, wie sie sagen, in ihrer Partei nicht. Dass der Kandidat der Piraten das Amt des Stadtoberen im Sturm erobert, steht nicht zu erwarten. „Aber mit der Nominierung können wir unsere Politik und Ideen präsentieren“, sagt Frage. Dazu gehöre, dass alles öffentlich diskutiert wird „und nicht in irgendwelchen Hinterzimmern.“ Auf die Situation vor Ort bezogen heißt das laut Dangers auch, „dass die Geheimniskrämerei in Landsberg ein Ende findet. Inzwischen wird ja sogar der Stadtrat vom OB überrumpelt. Und im Bürger-Informationssystem im Internet stehen Daten, die schützenswert wären, aber was und wie entschieden wurde, fehlt komplett.“ Pirat Frage geht noch weiter. „Die Bürgerbeteiligung an der Stadtentwicklungsplanung, für die man sich selbst lobt, ist anderswo längst Standard und wird deutlich besser gemacht.“ Die „Bürgerwerkstatt“ im März etwa, an der er selbst aktiv mitwirkte, war für ihn eine Enttäuschung. „Am ersten Abend hat Herr Ude schön gesprochen, am zweiten saßen die Bürgergruppen mit Experten da, die sich am liebsten selbst reden hörten.“ Mehr Mitspracherecht Die Quintessenz des Piraten-Trios: Die Landsberger Politiker versuchten immer noch, „intelligenter als die 28000 Bürger um sie herum zu sein. Und das ist unter dem Strich dumm. Auch für jeden von uns findet sich jemand, der für ein Thema kompetenter ist.“ Dementsprechend fordern die Piraten deutlich mehr Mitspracherechte für alle. „Mandatsträger sollten generell nur noch Moderatoren des Bürgerwillens sein“, meint Frage. Dass der Weg dahin weit ist, wissen die Landsberger Piraten. Im Moment bestehen sie nach eigener Auskunft „im Wesentlichen nur aus einem Stammtisch“, selbst einen Kreisverband gibt es noch nicht. Ob man den überhaupt will, wird – natürlich – ausdiskutiert. Ergebnis offen. Doch von derlei Formalitäten lässt man sich nicht groß irritieren. Die nächste Kandidatur ist schon ins Auge gefasst: Am 20. Mai wird in Schondorf der Bürgermeister gewählt...

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