Image der Landwirtschaft

Den Stier bei den Hörner gepackt

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Seit 1687 ist der Kinsauer Bauernhof von Isolde und Gerhard Besel, Sohn Christian und Freundin Petra im Familienbesitz. Dafür überreichten ihnen BBV-Kreisobmann Leonhard Welzmiller und Kreisbäuerin Rita Behl (von links) beim Kreisbauerntag die Altbesitzer-Urkunde.

Eresing – Das nennt man wohl, den Stier bei den Hörnern packen: Unter dem Titel „Brunnenvergifter, Tierquäler, Stinkstiefel?“ beleuchtete der Kreisbauernverband im Rahmen einer Podiumsdiskussion das Image der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit. Vor rund 100 Anwesenden im Eresinger Dorfgemeinschaftshaus ging es unter anderem um Düngung und Grundwasser, Tierhaltung und Lebensmittelqualität.

Auf dem Podium saßen Alfred Enderle, Oberallgäuer Bezirks- und Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), der Tierarzt Dr. Richard Bartels, Vorsitzender der Slowfood-Gruppe Fünfseenland, sowie Moderatorin Angela Braun vom Bayerischen Rundfunk.

Warum sich der BBV trotz regional belasteten Grundwassers gegen eine Verschärfung der Düngemittelverordnung wehrt, wollte Braun gleich zu Beginn von Alfred Enderle wissen. Der erklärte, dass sich lediglich die Messmethodik geändert und nicht etwa die Wasserqualität verschlechtert habe. Außerdem mache es keinen Sinn, mit flächendeckenden Vorschriften auf regionale Probleme zu reagieren, wie sie etwa in Niederbayern existierten. Hier seien ortsspezifische Lösungen gefordert.

Slowfood-Vertreter Bartels wies auf den Widerspruch hin, dass die Bürger zwar auf das Thema Grundwasser sensibel reagieren, gleichzeitig aber billigstes Mineralwasser vom Discounter konsumierten. Überhaupt, der Verbraucher. Dass er, anderslautenden Beteuerungen zum Trotz, im Laden eben doch gern zum Billigsten greift, kritisierte nicht nur BBV-Kreisobmann Leonhard Welzmiller. „95 Prozent der Verbraucher ist es egal, wo ein Lebensmittel herkommt.“ Obwohl viele die industrielle Tierhaltung ablehnten, seien sie nicht bereit, für anders erzeugte Produkte mehr zu bezahlen. Den Bauern bleibe nichts anderes übrig, als sich dem Preisdruck zu beugen.

Besser kennzeichnen

Bartels kritisierte allerdings, dass der Kunde kaum eine Chance habe, die Herkunft eines Lebensmittels zu erfahren. „Die Kennzeichnung müsste besser sein. Wenn man mehr über die Herkunft wüsste, wäre die Wertschätzung für die Landwirtschaft größer.“

Kreisbäuerin Rita Behl wünschte sich Schulküchen und das Fach Lebensmittelökonomie in allen staatlichen Schulen, damit bereits bei Kindern ein Bewusstsein für hochwertige Nahrungsmittel und gesunde Ernährung geschaffen werde. Einigkeit herrschte darüber, dass persönlicher Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern hilfreich ist – und gerade diesen würden viele Städter suchen, wenn sie Ferien auf dem Bauernhof machen, so Angela Braun. Tage der offenen Tür würden ebenfalls helfen, Vorurteile abzubauen, so einige Anwesende.

Ins Jahr 2015 gehen die regionalen Bauern mit Optimismus. Leonhard Welzmiller rechnet mit steigenden Preisen für Milch, Rindfleisch und Getreide, nachdem bereits das vergangene Jahr ein gutes gewesen sei.

Ulrike Osman

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