Gegen die Mückenplage

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Für eine lebhafte Diskussion zur Mückenplage rund um den Ammersee sorgten Dr. med. Franz-Xaver Heigenhauser, Prof. Dr. Norbert Becker, Thomas Weimann, Rainer Jünger, Alex Dorow und Waltraud Kamm-Willy.

Holzhausen – Zehntausende von Anwohnern und Touristen rund um den Ammersee sind in diesem von starken Regenfällen und Hochwasser geprägten Sommer von Millionen Mücken gepiesackt worden. Alle schimpften über die Quälgeister, trotzdem kamen nur rund 150 interessierte Gäste in das BVS-Bildungszentrum Holzhausen zu einer Podiumsdiskussion, die der Gesundheitspolitische Arbeitskreis Landsberg (GPA) der CSU initiiert hatte. Deren Kreisvorsitzender Rainer Jünger hat zusammen mit MdL Alex Dorow eine Kampagne zur umweltschonenden Vernichtung der Plagegeister ins Leben gerufen.

Rede und Antwort, darunter der weltweit anerkannte Mücken-Experte Prof. Dr. Norbert Becker. Der Biologe ist Professor an der Uni Heidelberg und wissenschaftlicher Direktor von KABS, der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage. Seine Ausführungen hätten verdient, von den Bürgermeistern aller Ammersee-Gemeinden gehört zu werden. Leider waren trotz Einladung nur zwei gekommen: Siegfried Luge aus Eching und Martin Höck aus Raisting. Besonders das Echinger Gemeindeoberhaupt bemüht sich schon seit Jahren, endlich etwas gegen die Mückeninvasion vor allem in Hochwasser-Zeiten zu unternehmen. „Leider kämpfe ich gegen Windmühlen, was meine Kollegen betrifft“, so Luge. Er bekam lebhafte Zustimmung von der Inninger Gemeinde- und Kreisrätin Barbara Wanzke (Grüne). Sie plädierte für eine parteiübergreifende Solidargemeinschaft aller Ammersee-Gemeinden, etwas gegen die Mückenplage zu tun. „Die Leute fliehen aus den Biergärten, Camper und Feriengäste reisen vorzeitig ab. So kann es vor allem im Nord- und Südbereich des Ammersees nicht weitergehen“, pflichteten ihr Diskussionsteilnehmer bei.

Nicht als Plage empfindet Waltraud Kamm-Willy die Mücken, die nun mal zum Ammersee gehörten und Nahrung für Fische, Vögel und Fledermäuse seien. Die Mitgründerin der Schondorfer Pro-Mücken-Initiative „AmmerseeMücken“ bekam wenig Zustimmung für ihren Vorschlag, den natürlichen Fressfeinden der Mücken eine Heimat zu geben mit Vogelnistkästen oder Schwalbennestern. Und ihrer Aussage, der Einsatz von BTI für die Mückenbekämpfung wirke sich negativ für Natur und Umwelt aus, widersprach vehement Prof. Dr. Norbert Becker. Weltweit werde BTI (Bacillus Thurigiensis Israelensis) erfolgreich zur Stechmückenbekämpfung bei Extremsituationen eingesetzt. BTI sei für Mensch und Tier ungefährlich. Becker habe zum Beweis vor Regierungsvertretern ein Glas Wasser mit aufgelöstem BTI getrunken – ohne jegliche Folgen.

Zum BTI-Einsatz konnte Thomas Weimann vom Abwasser- und Umweltverband Chiemsee Stellung nehmen. Hier wird seit 1997 das ungiftige Bakterium BTI mit Erfolg angewandt. Dazu wurde eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut, wissenschaftliche Expertisen eingeholt, Bekämpfungspersonal ausgebildet und vor allem die Brutstätten der Mücken genau kartiert. Die Kosten tragen gemeinsam zehn Chiemsee-Gemeinden, aufgeschlüsselt nach Einwohnerzahl und Fläche. „Voraussetzung für unseren Erfolg bei der Mückenbekämpfung war der politische Wille aller“, betonte Weimann. „Und genau der wird hier am Ammersee vermisst“, meinte MdL Alex Dorow. Er will nicht locker lassen und alle Bürgermeister an einen runden Tisch bringen. Angeregt durch seinen Traunsteiner MdL-Kollegen Klaus Steiner und den Erfolg am Chiemsee möchte Dorow ein Stechmücken-Konzept für ganz Bayern entwickeln, da sich zunehmend auch exotische Mücken wie die Tigermücke bei uns ansiedeln. Schuld sei die zunehmende Mobilität auf der Welt.

Dass die Stechmücken Krankheiten, Fieber, massive allergische Reaktionen etc. vor allem bei Kindern verursachen können, bestätigte Dr. med. Franz-Xaver Heigenhauser, lange Jahre Amtsarzt im Landkreis Rosenheim und Experte für Sekundärerkrankungen durch Mückenstiche. Er hat alle Ärzte in der Chiemsee-Region entsprechend abgefragt und ein Gutachten für die Regierung von Oberbayern erstellt, das daraufhin den Einsatz von BTI am Chiemsee genehmigte. Wobei wichtige Naturschutzgebiete sorgsam ausgespart werden.

Bei Hochwasser oder Überschwemmungen entnehmen Bauhof-Mitarbeiter der zehn Chiemsee-Gemeinden Schöpfproben. Die Mückenlarven werden gezählt und je nach Ergebnis und Prüfung durch Prof. Dr. Becker wird entschieden, ob und wann bekämpft wird. Per Hubschrauber mit GPS-Zielführung wird dann das BTI-Granulat punktgenau ausgestreut.

„Wir sollten durch genaue Analysen und einer Kartierung der besonders betroffenen Gegenden am Ammersee endlich Fakten schaffen“, betonte Rainer Jünger in seinem Schlusswort. Es müsse doch zeitnah möglich sein, den schönen Ammersee in den besiedelten Gebieten relativ mückenfrei zu bekommen.

Dieter Roettig

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