"Nicht als Blödsinn abstempeln"

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Fragwürdiger Trend aus den USA: Die „Horror-Clowns“ haben auch den Landkreis erreicht.

Landkreis – Sie tragen schaurige Masken und erschrecken Passanten: Der aus den USA herübergeschwappte Trend der sogenannten „Horror-Clowns“ hat jetzt auch Bayern und den Landkreis Landsberg erreicht. Doch wie soll ich reagieren, steht plötzlich ein Maskierter vor mir? Und wie geht die Polizei mit dieser fragwürdigen Erscheinung um? Diese und weitere Fragen hat Franz Kreuzer, Pressesprecher der Landsberger Polizeiinspektion, im Gespräch mit dem KREISBOTEN beantwortet.

Herr Kreuzer, die „Horror-Clowns“ sind jetzt auch im Landkreis Landsberg angekommen. Wie viele Fälle gab es denn bisher?

Kreuzer: „Im Bereich der Polizeiinspektion Landsberg gibt es nur den Vorfall von der Halloween-Nacht. Da wurden etwa 13 Kinder von drei „Horrorclowns“ auf dem Spielplatz in der Victor-Frankl-Straße erschreckt. Die Täter sind derzeit immer noch nicht bekannt. Es liegt zunächst eine Anzeige gegen unbekannt wegen Bedrohung und Nötigung vor.“

In diesem Fall haben die Clowns Kinder auf einem Spielplatz erschreckt. Was raten Sie Eltern? Wie sollten diese Ihre Kinder auf das Thema vorbereiten?

Kreuzer: „Diese Vorfälle dürfen nicht als Blödsinn abgestempelt werden. Gerade für Kinder kann dieses Erschrecken massive Folgen haben. Die meisten Kinder haben heutzutage ein Handy dabei. Deshalb: ‚Ruft‘s die Polizei!‘ Wir gehen jeder Anzeige nach.“

Die Clowns wollen in erster Linie erschrecken. Wo hört der Spaß auf und wo fängt die Bedrohung an?

Kreuzer: „Das kann von Körperverletzung über Sachbeschädigung oder Nötigung gehen. Damit macht man sich strafbar. Auch bloßes Erschrecken kann strafrechtlich relevant sein, wenn sich Erschreckte dabei verletzen oder in lebensgefährliche Situationen geraten.“

Die Clowns auf dem Landsberger Spielplatz waren mit einem Golfschläger bewaffnet. Wie sollte man denn reagieren, wenn plötzlich ein bewaffneter Horror-Clown vor einem steht?

Kreuzer: „Wenn möglich, gilt es auch hier, die Polizei zu rufen. Erste Maßnahme sollte es auch sein, dem Clown aus dem Weg zu gehen und ihn nicht zu provozieren.“

Darf ich mich körperlich zur Wehr setzen?

Kreuzer: „Wenn ich angegriffen werde, ist wehren natürlich zulässig. Allerdings darf ich nicht, wie jetzt in Berlin geschehen, zum Messer greifen. Das geht zu weit.“

Gerade in den sozialen Medien ist das Phänomen ja allgegenwärtig. Was würden Sie jemandem mit auf den Weg geben, der vielleicht selbst mit dem Gedanken spielt, mal den „Horror-Clown“ zu geben?

Kreuzer: „Vor allem mit dem bisher durch die Medien gegangenen Hintergrund würde ich jedem empfehlen, dieses Vorhaben besser nicht mehr auszuführen. Dies ist wirklich nicht lustig und kann wie bereits erwähnt auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen oder sogar Schadensersatzforderungen durch Geschädigte oder Versicherungen.“

Was erwartet so einen Clown, wenn die Polizei ihn erwischt?

Kreuzer:  „Sollten wir auf einen solchen Maskierten treffen, werden wir natürlich die Personalien feststellen. Ansonsten ist eine versuchte Körperverletzung, Vandalismus oder Sachbeschädigung strafbar. Von uns werden auch bei geringsten Verdachtsfällen in dieser Richtung Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaft vorgelegt.“

Inwieweit können die Landsberger die Polizei gegen die Clowns unterstützen?

Kreuzer: „Wir als Polizei sind natürlich auf sofortige Hinweise bzw. Mitteilungen aus der Bevölkerung bzw. von den unmittelbar Erschreckten oder „Bedrohten“ Personen angewiesen – nur dann kann zeitnah ein Täter angehalten und auch dessen Personalien erfasst werden. Das Verstecken hinter der Maske macht uns dann bei verschwundenen „Clowns“ eine Ermittlung sehr schwer oder unmöglich. Mitteilungen oder Aufgriffe bei Antreffen der Täter werden wir natürlich sofort nachgehen.“

Astrid Neumann

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