Polizist erneut auf der Anklagebank

Nicht nur sein Ruf, sondern auch die Karriere als Polizeibeamter ist vergangene Woche für einen 35-jährigen Ostallgäuer auf dem Spiel gestanden. Er musste sich vor dem Amtsgericht Kaufbeu­ren wegen exhibitionistischer Handlungen sowie versuchtem sexuellen Missbrauch von Kindern verantworten. Das war nicht zum ersten Mal der Fall. Während er vor zwei Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, kam er nun mit einem Freispruch davon. Und darf somit wieder seinen Dienst bei der Polizeiinspektion Dießen antreten.

Der Angeklagte bestritt seine Schuld vor Gericht vehement. Nicht zu seiner Glaubwürdigkeit trug indes der Umstand bei, dass der Beamte in der Vergangenheit bereits mehrmals wegen ähnlicher Vergehen aktenkundig wurde. Laut Richterin Yvonne Hondl war er bereits in Augsburg und Buchloe aufgegriffen worden, weil er sich in der Öffentlichkeit befriedigt hatte; damals gestand er die Taten ohne Umschweife. Im Rahmen eines Strafbefehls wurde der Polizist im November 2008 zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt. Damit aber nicht genug. Es folgte eine Diszipli­nar­strafe und die Versetzung zur Polizeiinspektion Dießen. Wie der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Hans-Peter Kammerer, auf Anfrage weiter ausführte, habe man damals von einer „Entfernung aus dem Dienst“ abgesehen. Aus „verschiedenen internen Gründen“ habe man die Tat nicht als „absolut schwerwie­gendes Dienst­vergehen“ eingestuft. Schließlich sei das Vertrauensverhältnis des Dienstherrn zu dem Beamten „nicht dauerhaft zerstört“ worden. Einfach abgewandt Im aktuellen Verfahren ging es darum, dass eine Zeugin im Juni vergangenen Jahres beim abendlichen Heimweg am Buchloer Ladehof einen Mann bemerkte, der die Hose geöffnet hatte und onanierte. Wenige Meter entfernt spielte ein kleines blondes Mädchen mit einem Hund. „Ich habe zuerst geglaubt, ich sehe nicht richtig“, so die 40-jährige Kinderpflegerin vor Gericht. Wegen des Kindes sei sie nicht weitergegangen, sondern habe den Mann angesprochen, der sich zwar abgewandte habe, aber „mit seiner Handlung fortfuhr“. Erst als die Zeugin mit der Polizei drohte, habe sich der Mann ganz gemächlich in Richtung Gleise entfernt. Das Kind habe wohl nichts von den sexuellen Handlungen des Mannes bemerkt. Obwohl die Zeugin bei der poli­zeilichen Vernehmung im Anschluss an die Tat den Angeklagten aus acht Schwarzweiß-Por­- träts als möglichen Täter identifizierte, wollte sie sich jetzt nicht mehr hundertprozentig festlegen. Andere Augenzeugen gab es nicht, das neunjährige Mädchen konnte ebenfalls keine weiteren Hinweise liefern. "Amtshilfe" aus Dießen Der Angeklage betonte vor dem Amtsgericht, er sei zur Tatzeit bei seiner Familie gewesen und später wie üblich zum Polizeidienst nach Dießen gefahren. Und weiterhin schilderte er: Als er zur Vernehmung bei der Buchloer Polizei vorgeladen worden sei, habe er sich erst mal bei einem Dießener Kollegen erkundigt, in welcher Angelegenheit gegen ihn ermittelt werde – da genügte ein Blick in den Polizeicomputer. Mit seinen Neigungen zu sexuellen Handlungen in der Öffentlichkeit habe er abgeschlossen und sogar eine entsprechende Therapie absolviert, betonte der Angeklagte. Übrigens: Familienangehörige des Beschuldigten waren als Entlastungszeugen erschienen, wurden aber nicht aufgerufen. Staatsanwalt Dr. Hans­peter Zweng sah mangels stich­- haltiger Beweise keine Möglichkeit, die Angelegenheit weiter zu verfolgen und plädierte auf Freispruch. Er bezweifelte aber während der Verhandlung wieder­- holt die Darstellung des Polizeibeamten. „Dass jemand die Tat begangen hat, ist unbestreitbar, aber wir können sie dem Angeklagten nicht beweisen.“ Keine Versetzung Dießens Polizeichef Hartwin Lang verweigert auf Anfrage des KREISBOTEN jegliche Stellungnahme zu dem Sachverhalt. Derweil bestätigt Präsidiumssprecher Kammerer, dass der Be­- schul­digte seit 23. Juli von seinen Dienstgeschäften ent­bun­den war, was nach dem Freispruch wieder aufgehoben wurde. In Absprache mit seinem Dienststellenleiter werde der Beamte den Dienst wieder auf­neh­men. Kammerer abschließend: „Eine Versetzung ist nicht geplant und nach dem Ausgang des Strafverfahrens nicht geboten.“

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