Max-Friesenegger-Straße

Wenn's brennt wird's eng!

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Zum Teil in einem erbärmlichen Zustand befindet sich die Max-Friesenegger-Straße. Mit der anstehenden Sanierung soll auch die Fahrbahnbreite verringert werden.

Landsberg – Braucht die Max- Friesenegger-Straße breitere Gehsteige? Ja, meint die Stadt. Die Anlieger sehen das anders. Denn breitere Trottoirs bedingen eine schmalere Fahrbahn, was wiederum Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuz und der Feuerwehr behindern könnte. Die Einführung eines „unsozialen und bürgerfeindlichen“ Parkverbots wäre die unweigerliche Folge, befürchtet eine Bürgerinitiative.

Das dürfte für reichlich Emotionen sorgen: Wenn am heutigen Mittwochabend der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss tagt (18 Uhr), wird erneut die Max-Friesenegger-Straße aufgerufen. Im Zuge ihrer notwendigen Sanierung soll der Gehsteig breiter werden. Allerdings auf Kosten der Fahrbahnbreite. Da sowohl die Geschäftsstelle des BRK-Kreisverbands als auch die Wache 2 der Landsberger Feuerwehr in der Straße angesiedelt sind, rücken von dort immer wieder Einsatzfahrzeuge aus. Unter anderem für sie könnte eine schmalere Fahrbahn zum Nadelöhr werden, sind BRK, Feuerwehr und Anwohner überzeugt. Das drohe vor allem dann, wenn Veranstaltungen im Sportzentrum zu erhöhtem Verkehrsaufkommen führen. Die ungeliebte aber einzige Lösung, die bleiben könnte: Ein Parkverbot, um den Verkehr möglichst flüssig zu halten.

Sechs oder sieben Meter Fahrbahnbreite? Das ist die Frage, an der sich die Geister scheiden. Bei der Stadt ist man sicher, dass eine Verschmälerung um einen Meter den Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt. Es blieben auch bei am Rand parkenden Autos noch 4,10 Meter Begegnungsfläche für den Verkehr. Das reiche aus. Dem widerspricht Andreas Lehner, Geschäftsführer des BRK in Landsberg. „Auf einer schmaleren Straße wird es zu eng. Ausrückende Einsatzfahrzeuge haben oberste Priorität. Ein Parkverbot ist dann unumgänglich.“ „Es geht um Menschenleben“, pflichtet Stadtbrandinspektor Christian Jungbauer in einer Stellungnahme bei. Eine schmalere Fahrbahn führe dazu, dass Feuerwehrfahrzeuge zeitspielig und gefährlich rangieren müssten.

Gesunder Pragmatismus

„Falls das Rote Kreuz nach dem Umbau feststellen sollte, dass bei der Ausfahrt in Richtung Katharinenstraße durch parkende Fahrzeuge unzumutbare Verzögerungen entstehen, kann durch verkehrsrechtliche Anordnung das Parken reduziert werden“, teilt Simone Sedlmair, Pressesprecherin der Stadt mit. Reichen 4,10 Meter also womöglich doch nicht aus? Und ließe sich das nicht vorab genauer ermitteln?

Die Lösung, die Lehners Meinung nach und der der Anwohner am einfachsten wäre: Die Beibehaltung der derzeitigen Abmessungen. „Es gibt keine Notwendigkeit für einen breiteren Gehsteig“, sagt der BRK-Kreisgeschäftsführer. Die derzeit rund eineinhalb Metern seien genug. Er würde es begrüßen, wenn die Parkplätze erhalten blieben. „Wir haben viele ältere Kunden. Und für die Leute in den Wohnblöcken reichen die Anliegerparkplätze schlicht nicht aus.“ Andreas Lehner hofft zwar auf den „gesunden Pragmatismus“ der Entscheidungsträger, doch das Rote Kreuz werde jede Entscheidung akzeptieren.

Die Anwohner sehen das weniger entspannt. Fielen Parkplätze weg, sei dies Ausdruck einer „unsozialen und bürgerfeindlichen Planung“, schreiben Hubert und Evi Dobner stellvertretend für ihre Bürgerinitiative. Dieser gehören eigenen Angaben nach mittlerweile 118 Anwohner an. Vor allem älteren Menschen sei der weitere Weg zwischen Auto und Wohnungstüre nicht zuzumuten.

Die Stadtverwaltung hält in ihrer Sitzungsvorlage dagegen. Nur rund 160 Meter von der BRK-Geschäftsstelle entfernt böte der große Parkplatz des Sportzentrums eine Alternative. Das Gerücht, auch hier sollten künftig Parkgebühren erhoben oder gar die ganze Fläche umgewidmet werden, widerspricht Sedlmair: „Derzeit bestehen keine Überlegungen, den Parkplatz zu bewirtschaften bzw. einer anderen Nutzung zuzuführen.“ Die Förderung eines fußgängerfreundlichen Umfelds sei ein ausdrückliches Ziel des Verkehrsentwicklungsplans, heißt es in der Sitzungsunterlage.

Wohnstraße

Die Entscheidungsfindung findet durch eine Entwicklung der jüngeren Vergangenheit nochmals eine neue Dimension: In seiner Sitzung am 28. September hatte der Bauausschuss auf Vorschlag der Verwaltung eine Verkehrsnetz-Kategorisierung des Planungsbüros Ingevost „zur Kenntnis genommen“. Diese sollte den Status Quo abbilden, dabei aber durchaus Einfluss auf künftige Maßnahmen entfalten. „Die Einstufung wird als Grundlage für weitere verkehrliche Planungen herangezogen.“ So steht es im Beschluss. Der Haken: Die Max-Friesen­egger-Straße wird dabei als Wohnstraße eingeordnet. „Sie dienen (auch) dem Parken von Kfz“, heißt es in der damaligen Sitzungsvorlage.

Und was nun? Einerseits verschreibt sich die Verwaltung der Realisierung des Verkehrs­entwicklungsplans und nimmt deshalb ein Parkverbot zumindest in Kauf. Andererseits bringt dieselbe Verwaltung eine Verkehrs-Kategorisierung ins Spiel, die Parkmöglichkeiten als wichtige Funktion der Max-Friesenegger-Straße nennt. „Die Fahrbahnbreite sollte 5,50 Meter nicht unterschreiten“, ist dort ferner zu lesen. Damit wird es endgültig undurchsichtig.

Es ist verzwickt: Die Mitglieder des Bauausschusses haben heute Abend nicht nur darüber zu entscheiden, ob ein Gehsteig breiter werden soll. Wischen sie die Bedenken der Anlieger beiseite, ist weiterer Unmut vorprogrammiert und gleichzeitig die junge Ingevost-Kategorisierung bei einer ihrer ersten Anwendungen zum Papiertiger degradiert. Geben sie dem Drängen nach, sind die Leitbilder des Verkehrsentwicklungsplans mindestens beschädigt.

Rasso Schorer

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