Einmaliges Inklusions-Projekt

Filmfabrik Landsberg

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Es lief nicht immer alles nach Plan, dennoch haben die Dreharbeiten in der „Filmfabrik Landsberg“ allen Beteiligten Spaß gemacht. Hinter dem einmaligen Projekt steckt die Vision, Erklärfilme in leichter Sprache als neue berufliche Qualifzierung für die Menschen mit Behinderung in das Angebot der IWL aufzunehmen.

Landsberg – „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Das war der Leitfaden für die Filmproduktion, die bei der Auftaktveranstaltung der „Inklusionswoche im Landkreis Landsberg“ in der vergangenen Woche im Landratsamt vorgestellt wurde. Der Film, den die IWL-Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film gedreht hatten, erklärt komplizierte Sachverhalte in leichter Sprache.

Schon vergangenes Jahr hatten die IWL die Idee zu diesem Film und baten die Filmhochschule um Unterstützung. Mit Erfolg: Die drei Absolventen Johannes Rosenstein, Ralf Bücheler und Dino Osmanovic sagten zu, und ab März traf man sich, um ein Konzept und anschließend das Skript zu erarbeiten. Dabei war es für IWL-Betriebsleiterin Silvia Lehner überraschend, welche Worte als leichte Sprache gelten, und welche nicht: „Für „Fantasie“ wollten wir „Vorstellungskraft“ nehmen, aber das ist für Menschen mit Behinderung viel schwerer zu verstehen.“

Das Filmteam, bestehend aus den drei Filmern und sieben Teilnehmern der IWL, organisierte die Requisiten und legte los: Alles wurde an einem Tag gedreht. Johannes Rosenstein erzählt, dass die Filmarbeit schneller als gedacht ablief, und das, obwohl sie diametral dem gegenüberstehe, was für einen Mensch mit geistiger Behinderung wichtig sei, nämlich Routine: „Beim Drehen muss man improvisieren, umdenken, Termine verschieben. Also alles andere, als sich an einen festen Plan halten.“ Dabei seien die Emotionen schon mal übergekocht. „Aber es ist keiner abgesprungen.“

Dunja Tutsch von IWL, für den „Text aus dem Off“ zuständig, musste viele Passagen mehrmals einsprechen: „Ich hab am Anfang zu schnell geredet, auch Wörter verschluckt.“ Und natürlich sei sie aufgeregt gewesen. Während der Erzähltext aus dem Off abgelesen wurde, improvisierte das Team bei den anderen Szenen: Ein Berater, gespielt von Günter Lachner, führt ein Gespräch mit einem Kunden, dargestellt von Gerhard Sauter, um mit diesem zusammen den „Profilpass“ zu erstellen: eine Zusammenstellung der Stärken jedes Einzelnen, der bei der Jobsuche hilft. Filmsequenzen, in denen das Erzählte dargestellt wird, machen aus dem Ganzen einen abwechslungsreichen Film, der alle offenen Fragen beantwortet.

„Wir sehen den Film als eine Art Pilotprojekt“, sagt Rosensteiner. Er und sein Team würden sofort wieder mitmachen. Auch Silvia Lehner würde sich über eine Fortsetzung freuen: „Wenn Anfragen kommen, machen wir auf jeden Fall weiter.“ Man könne mit Filmen zum Beispiel viele bürokratische Angelegenheiten der einzelnen Ämter anschaulich machen. So würde etwas entstehen, was es in Landsberg noch nicht gibt: ein Integrationsbetrieb, die „Filmwerkstatt Landsberg“.

Eine integrative Arbeitsstelle war auch eine der Ideen, die in den Workshops parallel zur Filmvorführung genannt wurden. Einzelne Gruppen sammelten Vorschläge zu Themen wie Kultur, Bildung oder Wohnen für Menschen mit Behinderung. Ursula Thoms von der Koordinationsstelle Inklusion im Landsberger Landratsamt hatte gehofft, dass sich bereits hier Arbeitsgruppen bilden, die Konzepte für Verbesserungen im Alltag ausarbeiten.

Zwei Gruppen sind entstanden, aber nur wenig Landsberger nahmen das Angebot wahr: „Vielleicht hätten wir den Rahmen nicht so offen lassen sollen“, vermutet Thoms – die Workshops fanden ab 16 Uhr statt, man konnte kommen und gehen, wann man wollte. „Viele haben gedacht, sie bekommen hier einen Vortrag, aber wir wollten eher ein Miteinander anstatt reines Konsumieren“, erklärt Thoms. Auch Landrat Thomas Eichinger war bei der Eröffnung recht kurz angebunden. „Das Engagement ist da, jetzt gilt es, die Kräfte zu bündeln.“

Susanne Greiner

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