Darf das sein?

In Nachbars Gartenteich entwässert

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Das Neubauprojekt direkt neben Erika Perks Grundstück in Neugreifenberg hat den Teich in ihrem Garten arg in Mitleidenschaft gezogen.

Neugreifenberg – Vor über 80 Jahren hat Erika Perks Großvater in Neugreifenberg ein Grundstück mit einem Weiher gekauft. „Von dem war er begeistert“, erzählt die 73-Jährige. Heute wohnt sie selbst hier, und auch sie liebt das Gewässer mit seinen Seerosen, Fischen, Kröten und Fröschen. Doch seit in ihrer Nachbarschaft vier neue Einfamilienhäuser entstanden, hat Erika Perk keine Freude mehr am Blick über den Garten. Weil das Niederschlagswasser von dem Nachbar- grundstück durch ihr Anwesen abgeleitet wird, hat der Weiher massiv gelitten.

Die neuen Häuser, die von einem Landsberger Bauträger errichtet wurden, liegen deutlich höher als der Garten von Erika Perk. Am Fuß des Geländes verläuft ein gemeindeeigener Graben, über den früher lediglich kleine Mengen sauberen Regenwassers in das Perk-Grundstück gelangten. Heute strömt Oberflächenwasser aus etwa zehn Rohren in den Graben – die komplette Menge von den Haus- und Garagendächern sowie aus den Ringdrainagen für die Lichtschächte, so Erika Perk. In der Praxis heißt das: „Wenn es regnet, ergießen sich Sturzbäche in meinen Garten.“

Baustellenwasser in Nachbars Garten und Teich

Während der Bauzeit seien außerdem Betonmischer, Estrichbehälter und Maurerwerkzeuge auf der Zufahrtsstraße ausgewaschen worden, das schmutzige Wasser landete ebenfalls in ihrem Grundstück. Dass dies unzulässig ist, bestätigt das Landratsamt. „Tatsächlich ist wohl einige Male verschmutztes Wasser in den Graben gelangt“, heißt es auf Anfrage des KREISBOTEN in der Behörde. „Nach Ermittlungen des Wasserwirtschaftsamts hatte dies aber keine negativen Konsequenzen für den Bach.“

Erika Perk sieht das anders. „Mein Weiher ist inzwischen nur noch ein großes, dreckiges Wasserloch.“ Die Kröten und Frösche sind verendet, Sauerstoffpflanzen und Seerosen eingegangen. Durch den Wasserdruck bei stärkeren Regenfällen wurde die Teichbefestigung unterspült, teils ist sie gebrochen.

Als vor einem Jahr fettige braune Blasen auf der Wasseroberfläche schwammen, verständigte sie die Polizei. Proben wurden entnommen, doch offenbar nie analysiert. Einen genehmigten Entwässerungsplan bekam Erika Perk bis heute nicht zu sehen, obwohl sie sich wiederholt an die Gemeinde, das Landratsamt und das Wasserwirtschaftsamt wandte. „Mein Privatgrundstück, meine Briefe und meine Person wurden einfach ignoriert“, sagt sie.

Bei den Ammerseewerken hat sie in Erfahrung gebracht, dass eine genehmigte Tektur für eine geregelte Einleitung des Niederschlagswassers in den Gemeinde-Graben vorliegt. Die Pläne sehen die Anlage eines Sickerschachts mit Überlauf vor. Diese Baumaßnahme wurde jedoch bisher nicht umgesetzt. Laut Landratsamt erfordert die Planung eine wasserrechtliche Genehmigung, die noch nicht vorliegt. „Die Bauherren sind derzeit damit befasst, die Planung zu ändern und den Anforderungen des Wasserwirtschaftsamtes zu entsprechen.“ Der Bauträger ist inzwischen offenbar nicht mehr in der Pflicht, da das Eigentum auf die Käufer der Häuser übergegangen ist.

Damit nicht genug: An Perks Grundstücksgrenze wurde im April 2014 eine gut drei Meter hohe Lehmaufschüttung vorgenommen. Die Seniorin, die viele Jahre für Architekturbüros gearbeitet hat, verständigte die Bauaufsicht des Landratsamts. Die Behörde bestätigt, dass die Aufschüttung nicht belassen werden kann. Sie wurde inzwischen mit Planen abgedeckt, um weitere Abschwemmungen zu verhindern. Laut Erika Perk bringt die unvollständige Abdeckung allerdings wenig.

Rechtmäßige Zustände

Nun hat sich eine Reihe von Gemeinderäten des Themas angenommen. In einem Antrag, der in der Sitzung am kommenden Montag behandelt werden soll, fordern sie, dass Bürgermeister Johann Albrecht bei Landrat Thomas Eichinger darauf hinwirkt, „dass in Absprache mit allen Beteiligten rechtmäßige Zustände geschaffen werden“. Eine Besprechung mit den Eigentümern der neuen Häuser soll im Greifenberger Rathaus bereits stattgefunden haben. „Wir befürchten, dass diese jetzt in die Pflicht genommen werden“, schreiben die Ratsmitglieder.

Ulrike Osman

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