Die Fußgängerzone erweitern?

+
Rund 50 Menschen diskutierten mit dem Wiener Verkehrsexperten Hermann Knoflacher über die Erweiterung der Fußgängerzone in Richtung Vorder- und Hinteranger.

Landsberg – Schlechtes Wetter schränkt die Mobilität ein. Diese nicht unbedingt neue Erfahrung haben am Samstag die Veranstalter des Aktionstages „Landsberg macht mobil“ machen dürfen.

Die geplante E-Bike-Tour musste verschoben werden. Dafür fand die Diskussion im trockenen Rathausfestsaal über eine erweiterte Fußgängerzone mehr Interesse.

Moderator der Diskussion war Hermann Knoflacher, der für die Stadt im letzten Jahr einen Entwurf eines Verkehrsentwicklungsplanes vorgelegt hatte. Der charmante Professor aus Wien erwies sich einmal mehr als glühender Verfechter einer erweiterten Fußgängerzone in Landsberg: „Eine Fußgängerzone macht eine Stadt attraktiver und eine Stadt wird durch Menschen und nicht durch Autos belebt.“ Und er fand viele weitere Argumente, die seiner Ansicht nach eine Verdrängung des Autoverkehrs aus der Stadt plausibel machen.

Knoflacher ging aber auch auf die Position der Geschäftsleute ein, die Umsatzeinbrüche befürchten, wenn man die Innenstadt nicht mehr mit dem Auto erreichen kann. Exemplarisch war das Argument einer Bäckerei im Hinteranger, dass rund 80 Prozent der Kunden mit dem Auto kommen. „Genau die gegenteilige Erfahrung haben Geschäftsleute in Städten gemacht, die sich zu einer Fußgängerzone entschlossen hatten“, meinte Knoflacher und untermauerte die These mit Beispielen aus seiner Heimat Österreich. „Man habe in Landsberg zwei ausreichend große Tiefgaragen nur wenige Schritte vom Hauptplatz entfernt“, sagte der Experte.

Knoflacher, der an der Technischen Universität Wien lehrt, ist bekannt für seine Photosophie einer autofreien Innenstadt, wobei er sich selbst nicht als Gegner des Automobils betrachtet. Er fordert nur eine andere Kultur im Umgang mit dem Auto. Und an die Geschäftsleute der Stadt appellierte er, die positiven Argu­mente zu publizieren. „Man kann auch Kunden verjagen, wenn man eine Fußgängerzone nur mit negativen Argumenten belegt“, sagte er.

Saubere Planung

Einen zweiten Appell richtete er an die Stadt. Sie solle schnell mit einer sauberen Planung und dann mit der Umsetzung beginnen. Er verwies auf ein Beispiel in Tirol, wo eine Fußgängerzone per Dekret zunächst eingeführt und erst später gestaltet wurde. „Man kann auch Jahrzehnte darüber diskutieren“, sagte der Wiener Professor. Auch er weiß, dass es nie eine hundertprozentige Zustimmung in der Bevölkerung geben wird. Dass die Bürger mit einbezogen werden, ist für ihn selbstverständlich. Dies war auch ein Thema in der nachfolgenden Diskussion. Stadtbaumeisterin Annegret Michler verwies auf die Ergebnisse der Bürgerbefragung und betonte ausdrücklich, dass es sich bei dem Knof­lacher-Papier um einen „Entwurf“ handele.

Mit sehr plastischen Argumenten sprach sich der Wiener Experte auf Nachfrage für eine Tempo-20-Zone auf dem Hauptplatz aus. „Die Juristen verwenden mehr Zeit zu überlegen, warum etwas nicht geht. Sie sollen sich lieber etwas einfallen lassen“, sagte Knoflacher unter dem Beifall des Publikums. Auf die Frage eines Besuchers, ob die Rinnen von Auto­- fahrern ausreichend als Fahrbahnbegrenzung wahrgenommen würden, antwortet Knof­lacher philosophisch: „Die Holländer machen auch keine Geländer an ihre Grachten.“ Will heißen: Die Rinnen würden ausreichen.

Um Sitzbänke und Fahrradverkehr ging es bei den weiteren Themen des Aktionstages. Axel Flörke, Landsberger Mitte-Stadtrat und Stadtführer, stellte ein Konzept für die Aufstellung von mehr Sitzbänken vor. Auch der Jugendbeirat hatte sich mit dem Thema beschäftigt. So zeigte der 17-jährige Marcel Stowasser in einer Präsentation, wo der Jugendbeirat Sitzbänke aufstellen würde und wie sie aussehen sollten. Viel Herzblut bewies auch ADFC-Kreisvorsitzender Bernd Peter. Wegen der steilen Anstiege sei Radfahren in Landsberg seit Generationen ein Problem, gerade für ältere Menschen. E-Bikes könnten nach Peters Meinung eine Lösung darstellen, das Radfahren in der Stadt attraktiver zu machen. Für die Neue Bergstraße schlug vor, die Verkehrsfläche neu aufzuteilen.

Mit einer Fahrradstellplatzsatzung, die es in München aber nicht in Landsberg gibt, beschäftigten sich Martin Baumeister und Grünen-Stadtrat Henrik Lüssmann. „Das Rad muss griffbereit sein“, war eine ihrer Thesen. Sie forderten: Für Neubauten sollten nicht nur Stellplätze für Autos, sondern auch für Fahrräder ausgewiesen werden.

Die Ergebnisse des Aktionstages „Landsberg macht mobil“ will die Verwaltung „zeitnah“ als Dokumentation erarbeiten und dann auf die Stadt-Homepage stellen, versprach Stadtbaumeisterin Annegret Michler. Bürgermeister Norbert Kreuzer bedankte sich bei allen Beteiligten und resümierte, dass sicherlich viele Vorschläge in die Pla­- nungen eingehen würden. Er wünschte sich auch „mehr Gelassenheit im Umgang mit Neuerungen“.

Siegfried Spörer

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Aufprall auf Lkw

Buchloe/Landsberg – Ein Unfall auf der A96 bei Wiedergeltingen im Landkreis Unterallgäu hat am vergangenen Dienstag für einen 53-jährigen Autofahrer …
Aufprall auf Lkw

Der Entwurf steht

Landsberg – Die Hochwasserschutzmauern oberhalb der Karolinenbrücke sind 1913 erbaut worden – nach über hundert Jahren sind sie marode und müssen …
Der Entwurf steht

Kommentare