"ProHauptplatz würde NixHauptplatz"

Geplant: die neue Westseite des Hauptplatzes. Visualisierung: maila-push

Eineinhalb Wochen noch, dann dürfen die wahlberechtigten Lechstädter darüber befinden, ob das seit eineinhalb Jahren laufende Verfahren für den Umbau des Hauptplatzes seine Fortsetzung finden darf. Kann im Herbst mit dem Umbau nach Entwurf 2 begonnen werden? Oder soll es, wie von der BI ProHauptplatz gefordert bei der aktuellen Straßenführung bleiben? Es wird viel diskutiert, doch viele Fragen bleiben offen. Einige davon beantwortet OB Ingo Lehmann im aktuellen KREISBOTEN-Interview.

Herr Lehmann, nervt Sie eigentlich die schier endlose Diskussion um den Hauptplatz? Lehmann: „Nein. Intensive Diskussionen gehören bei wichtigen Projekten dazu. Beim Hauptplatz umso mehr, denn wir haben die Bürgerinnen und Bürger ja von Anfang an eingeladen, mit zu diskutieren und sich aktiv einzubringen. Und sie haben dies auch während des gesamten Projektfortgangs in beeindruckender Weise getan. Leider ist die jetzige Diskussion, die sich nur auf die Straßenführung konzentriert, weniger konstruktiv wie die Bürgerbeteiligung vorher. Jetzt aber müssen diese Diskussionen auch zu einem Ergebnis kommen, das den Hauptplatz weiterbringt.“ Am 27. Februar ist der Bürgerentscheid. Führen nicht beide Fragestellungen zu sinnvollen Ergebnissen so dass Ihnen egal sein könnte, was herauskommt? Lehmann: „Nein. Nur wenn der Bürgerentscheid 2, ,Erweiterung der Fußgängerzone‘ durchgeht, den der Stadtrat eingebracht hat, können wir weitermachen. Wir haben in diesen Vorschlag viel Zeit und Geld investiert, wir arbeiten seither mit viel Aufwand – auch in finanzieller Hinsicht – daran. Bei Bürgerentscheid 1, ,ProHauptplatz’ haben wir nichts in der Hand außer der Idee, die Straßenführung nicht zu ändern – kein konkreter Vorschlag zum Pflaster, zur Breite von Gehwegen; wo ist die Bushaltestelle? usw. Dies müsste alles erst noch einmal geplant werden. Der komplette Planungsprozess und die Bürgerbeteiligung wären vergeblich. Wir müssten von vorne beginnen.“ Was hieße das also konkret in Zeit und Geld? Lehmann: „Im Vorschlag 2 stecken 18 Monate Arbeit, 18 Monate also an Planung und Diskussion mit den Bürgern, aber auch mit den Fachbehörden wie etwa Straßenbauamt oder Landesamt für Denkmalpflege. Wir müssten überall wieder beim Punkte Null anfangen: Angesichts der hohen Vergabesumme wären wir erneut verpflichtet, europaweit auszuschreiben, um Planungsbüros zu finden. Allein die letzte europaweite Ausschreibung hat fast 100000 Euro gekostet. Planungs- und Verfahrenskosten liegen jetzt schon bei mehreren hunderttausend Euro, die letztlich umsonst wären. Wir sind also mindestens eineinhalb Jahre zurückgeworfen, wobei ich heute nicht weiß, wie dann die politische Situation im Stadtrat ist und was dann passiert. Das Ergebnis des Bürgerentscheides 1, der auf dem Stimmzettel der Gruppe, die sich irreführenderweise PROHauptplatz nennt, heißt also zunächst mal NIXHauptplatz.“ Wie viel Geld wird das komplette Hauptplatzverfahren inklusive Bürgerentscheid am 28. Februar verschlungen haben? Lehmann: „Das komplette Hauptplatzverfahren, beginnend mit dem Bürgerentscheid 2009 über die Bürgerinformation und die Bürgerbeteiligung bis hin zu den bereits konkret angefallenen Planungskosten und den Kosten des Bürgerentscheids 2011 liegen bei rund 500000 Euro.“ In den letzten Jahren gab es mehrere Rohrbrüche, können denn die Stadtwerke noch so lange warten? Lehmann: „Eine gute Frage. Angesichts der Häufung von Rohrbrüchen mit erheblichen Schäden für private Hausbesitzer und Geschäfte sind die Stadtwerke Landsberg zum Handeln verpflichtet. Wenn nicht unverzüglich etwas geschieht, könnte eine Haftung der Stadtwerke bzw. der Stadt bestehen. Unverzüglich im Juristendeutsch heißt: ohne schuldhaftes Zögern. Wenn die Hauptplatzfrage nicht geklärt ist, bedeutet dies: Wir müssten den Platz zweimal aufreißen, da ein weiterer Verzug der Rohrsanierung nicht zu vertreten ist. Die negativen finanziellen Auswirkungen für die Stadt Landsberg wären furchtbar.“ Können Sie in wenigen Worten beschreiben, was am Vorschlag 2 so viel besser ist? Lehmann: „Drei Punkte sind wesentlich: 1.) Bei uns halten sich die Menschen wenig am Hauptplatz, viel mehr aber in der Fußgängerzone auf. Diese erweitern wir bis zum Marienbrunnen und zur Salzgasse. Kinder, Jugendliche und auch ältere Mitbürger können ungestört vom Autoverkehr am Brunnen sitzen und den Platz genießen. 2.) Auch die Ostseite gewinnt: Ein vier Meter breiter Gehsteig und davon noch ein Streifen zum Be- und Entladen schafft viel Platz für Aufenthalt, auch für Bestuhlung, denn dies wäre dann die gleiche Breite wie jetzt beim Cafe Manhart und darüber hinaus noch ein Streifen zwischen Bestuhlung und Fahrbahn. 3.) Unser großartiges Rathaus gewinnt – es bekommt einen Vorplatz, nicht nur Fahr­- radständer oder eine Verkehrsinsel. Gäbe es die bestehende Straße nicht, würde kein Mensch bei einer Planung darauf kommen, eine viel befahrene Straße in fünf Meter Abstand vor so ein gewaltiges Ge­bäude zu setzen.“ Ihre Prognose für 27. Februar? Lehmann: „Bei den vielen Gesprächen, die ich aktuell führe, spüre ich, dass die Menschen endlich starten möchten und den Bürgerwillen auch durchgesetzt haben möchten. Je mehr Bürger sich mit der Planung beschäftigen, desto mehr wächst die Zustimmung für den Bürgerentscheid 2. Und viele sagen: Das Schlimmste ist, wenn gar nichts passiert. Nach vorne kommen wir aber nur mit dem Vorschlag 2, mit Bürgerentscheid 1 werden wir um Jahre zurückgeworfen.“ Virtueller Streifzug Straße hier oder doch die Straße dort: Die Diskussion um den Hauptplatzumbau erhitzt vor dem Bürgerentscheid weiter die Ge­müter. Mit einer Video-Animation des Entwurfs von lohrer.hochrein will die Stadt nun die Bürger von den Vorteilen der Straßenverlegung nach Osten überzeugen. Der virtuelle Rundgang zeigt, wie der Hauptplatz vor und nach dem Umbau aussehen wird, sofern die Wähler am 27. Februar für das Rats- und gegen das Bürgerbegehren votieren. Vorgeführt wird die Animation bei zwei Infoveran­stal­tungen am Mittwoch, 16. Februar, um 14.30 und 16 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses und am Donnerstag, 17. Februar, um 19.30 Uhr im Vortragssaal des Sportzentrums.

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