Die Rache des "Knaben im Moor"

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Schauspielerische Highlights in „Der verdorbene Apfel“ setzen die drei Wegener-Wanner-Schwestern (von links: Christine Wachsmuth, Monika Friesl-Junker und Regina Kläger) mit Souhaila Amade (rechts) als Clémence.

Landsberg – Der Verein „Randerscheinungen“ hat sich die Aufgabe gesetzt, mithilfe von Theaterstücken und anderen Projekten die gesellschaftlichen Realitäten von „Randgruppen“ zu thematisieren. So befasst sich das Stück „Der verdorbene Apfel“, das am Donnerstag Premiere feierte, mit Homose- xualität und Transsexualität.

Stark angelehnt an Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ wird die Geschichte des jungen Clemens erzählt, der aufgrund seiner Homosexualität und seiner Liebe zum Sohn des Richters in seinem Heimatdorf Niederlingen angefeindet und misshandelt wurde. Vermeintlich im Moor verschollen gelingt ihm die Flucht, er taucht 13 Jahre später in Gestalt einer attraktiven jungen Schauspielerin wieder im Dorf auf. Behutsam nähert er/sie sich wieder seiner Familie an, stellt seinen damaligen Peinigern Fallen und provoziert so das Verhängnis des ganzen Dorfes, das in einem Fanal niederbrennt.

Autor Maximilian Huber (auch Regie) hat für sein Stück gleich aus einem ganzen Fundus verschiedener Motive geschöpft. Erinnert das Plakat- motiv an Schneewittchen, zitiert der Showdown zwischen Clemens/Clémence (Souhaila Amade) und ihrem Arzt, der die Geschlechtsumwandlung vornahm, Frankenstein, dem zu spät klar wird, ein „Monster“ erschaffen zu haben. Auch angedeutet das klassische Kassandra-Motiv durch die Schwester des verschwundenen Jungen gleichen Namens (Alexandra Hartmann), die sich immer wieder in Erinnerungen und Visionen verliert. Großartig die drei Schwestern (Regina Kläger, Monika Friesl-Junker, Christine Wachsmuth), die einen Mix der Macbeth- und Faust-Hexen verkörpern, mit einen Hauch „Tratsch im Treppenhaus“.

Das Urteil des Paris, Wilhelm Tell, Annette von Droste-Hülshoff und und und… Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen, ebenso wie der konsequente Einsatz des Rotstifts. Sicher ist es für einen Autoren schwer, sich von einem Teil seine Szenen, seiner Sätze zu trennen, aber die an sich interessante Handlung kam aufgrund der Längen nur schwer in Gang, die Auftritte der Erzählerin stoppten zusätzlich. Hier hätte man dem Publikum schon zutrauen können, die Zusammenhänge auch ohne langatmige Erläuterungen zu begreifen.

Doch insgesamt eine ambitionierte Inszenierung mit vielen originellen Ideen und dramaturgischen Einfällen, Darstellern, denen die Spielfreude und das Engagement des Landsberger Ensembles anzumerken war und ein mutiges Projekt, dem Auftrag des Vereins gerecht zu werden.

Patricia Eckstein

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