Vom Prozess der Abkehr

Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Doris Zimmermann lebt in Dießen. Foto: Privat

Die Marktgemeinde am Ammersee, die allzu gerne als „Künstlerort“ bezeichnet wird, ist als Wohnort nachweislich auch bei Wissenschaftlern sehr beliebt. Zu dieser Zunft gehört Doris Zimmermann. Die Friedrich-Ebert-Stiftung verlegte in diesem Jahr eine neue Publikation der promovierten Sozial­- wissenschaftlerin, die sich der „Ökonomisierung und Privatisierung im bayerischen Gesundheitswesen“ widmet. Ein Thema, das vielen Menschen im Alltag unter den Nägeln brennt, etwa dann, wenn es um die Zuzahlungen zu Medikamenten oder die Praxis­ge­bühr geht.

In Dießen genießt die etablierte Wissenschaftlerin gerne Natur und Landschaft und die inspirierende Höhenlage über dem See. In ihrer Freizeit engagiert sie sich im Vorstand der SPD-Ortsgruppe und auf Kreisebene. Zu den zentralen Arbeitsbereichen Zimmermanns gehört neben der Sozialforschung – insbesondere Themen wie Rechtsextremismus oder politische und berufliche Bildung – die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation von Unternehmensprojekten. In diesem Zusammenhang ist die Autorin unter anderem für Global Players wie Gambro oder Lufthansa tätig. In ihrer aktuellen, 100-seitigen Schrift entlarvt Zimmermann die in Politik, Medien und Teilen der Wissenschaft seit Jahrzehnten verbreiteten Begründungsmuster für die zu hohen Ausgaben im Gesundheitswesen als „Mythen mit Legitimationscharakter“. Und sie wirf einen kritischen Blick auf die möglichen Folgen der seitens der Bundesregierung forcierten Ökonomisierung- und Privatisierungstendenzen. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Autorin dabei dem engen Zusammenhang von sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit, wie er in einer Vielzahl von Studien empirisch be­- legt ist, sowie Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen, die weniger privilegierte Bevölkerungsschichten nicht immer so gestalten können, dass sie ihrer Gesundheit zuträglich sind. Alternativen Aber Zimmermann kritisiert nicht nur, sondern sie zeigt auch realistische Alternativen und praktische Handlungsfelder für eine mögliche Umgestaltung der bayerischen Gesundheitspolitik auf und präsentiert eine Fülle von Gesundheitsdaten die auch für Laien gut nachvollziehbar sind. So weist sie zum Beispiel nach, dass es in Bayern keinen Ärztemangel gibt, sondern ein Verteilungsproblem. Demnach verfügt etwa der attraktive Landkreis Starnberg über die höchste Arztdichte aller bayerischen Landkreise. Ganz anders sieht es in niederbayerischen oder oberpfälzischen Landkreisen aus. Für die Sozialwissenschaftlerin ist der „kaum wahrgenommene Prozess der Abkehr vom Gesundheitswesen hin zur Gesundheitswirtschaft kein Zufall, sondern politisch gewollt.“ Für sie ist dagegen Gesundheit „nicht nur ein privates, sondern ebenso ein öffentliches Gut, das es besonders zu schützen gilt.“ Die aktuelle Publikation „Ökonomisierung und Privatisierung im bayerischen Gesundheitswesen – Mythen als Legitimationsmuster“ von Dr. Doris Zimmermann kann kostenfrei unter bayernforum@fes.de angefordert werden. Zudem ist auf www.fes.de/sets/s_pub.htm ein Download möglich.

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