Qualität statt Quantität

Ein Wetter wie aus dem Bilderbuch, tolle Kostüme und Narren, soweit das Auge reichte: Der Gaudiwurm, der sich am Lumpigen Donnerstag durch die Landsberger Innenstadt schlängelte, hätte es nicht besser treffen können. Das bunte Spektakel erfreute wieder tausende von Besuchern und Schaulustigen.

Dabei war lange Zeit ungewiss gewesen, was aus der Traditionsveranstaltung werden würde, nachdem sich die Landsberger Schulen entschlossen hatten, den Schülern erstmals die Teilnahme am Umzug freizustellen. Doch die Sorge, dass der Zug mangels Beteiligung scheitern könnte, war umsonst. Zwar war der Gaudiwurm mit 70 Schulklassen nur mehr rund halb so lang wie noch vor einem Jahr. Dafür ging Qualität diesmal vor Quantität, was die zahlreichen Besucher am Hauptplatz und der Fußgängerzone mit viel Applaus goutierten. Dass jedoch deutlich weniger Schaulustige als in den vergangenen Jahren erschienen waren, zeigte sich vor allem im Hinter- und Vorderanger, wo den Zug auf seiner Runde fast gespenstische Stille umfing. Die Themen, denen sich die Schüler heuer zuwandten, boten dabei eine bunte Mischung von Politik bis zum üblichen Faschingstreiben. Besonders der Dioxinskandal hatte es den Akteuren angetan, und auch das soziale Netzwerk Facebook geriet zur Zielscheibe. Eine Klasse hatte gar den isländischen Vulkan Eyjafjallajökull nachgebaut, aus dem es in Erinnerung an seinen Ausbruch im vergangenen Jahr kräftig qualmte. Da die Sonne für angenehme Temperaturen sorgte, war das bunte Treiben mit dem Umzug natürlich nicht zu Ende. Viele Narren genossen den restlichen Tag bei Musik und dem ein oder anderen Getränk auf dem Hellmairplatz. Das jüngere Publikum stürmte dagegen wie jedes Jahr schon zur Mittagszeit die Diskotheken der Stadt, um den Lumpigen Donnerstag bis in die späten Abendstunden ausgelassen zu feiern. Dass nicht gar so viele Feierlustige am Lumpigen Donnerstag die Lechstadt heimsuchten, kam vor allem der Landsberger Polizei entgegen, die gemeinsam mit Kollegen aus München und Fürstenfeldbruck für Ordnung sorgte. „Der Umzug und auch die übrigen Feiern verliefen insgesamt gesehen problemlos“, stellte Polizeisprecher Kreuzer zufrieden fest. Durch Kontrollen wurden „harte Alkoholika“ der Umzugsbesucher bereits im Vorfeld ausgeschüttet oder sichergestellt. Dennoch verlief der Tag nicht gänzlich ohne Zwischenfälle. Mehrfach mussten die Beamten betrunkene Minderjährige in Gewahrsam nehmen und ihren Eltern übergeben. Zwischen 15 und 1:30 Uhr gingen sieben Anzeigen wegen Körperverletzungen ein. So hatte ein 28-jähriger Barkeeper in einem Iglinger Lokal selbst zu tief ins Glas geschaut. Einen Streit mit einem Gast beendete er mit einem Faustschlag ins Gesicht seines Gegners. Dabei ging dessen Brille zu Bruch und der Geschädigte erlitt ein Hämatom am Auge. Ein Nachspiel hat das Faschingstreiben auch für 20 Narren, denen der Weg zur nächsten Toilette offenbar zu weit war. Die Wildbiesler erwarten Bußgeldbescheide durch die Stadt Landsberg.

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