Für Radler noch zu gefährlich

Als „brandgefährlich“ beurteilt der ADFC die Verkehrssituation für Radfahrer an der Einmündung der B17 alt in die Viktor-Frankl-Straße. Immer wieder werden hier vorfahrtsberechtigte Radler übersehen. Foto: Weh

Die Beseitigung von unfallträchtigen Gefah­ren­stellen für Radfahrer, ein verbessertes Radwegenetz zu den Nachbarorten und in Richtung Landsberg sowie bessere Abstellmöglichkeiten für den Drahtesel – das sind die Wünsche, die die Kauferinger bei der vom Ingenieurbüro „gevas“ durchgeführten Haushaltsbefragung geäußert haben. ADFC-Kreisvorsitzender Bernd Peter entwickelte daraufhin Lösungsan­- sätze, die er jüngst dem Gemeinderat präsentierte.

Die Bestandsaufnahme des Radverkehrs durch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) ist ein Standbein des Gesamtverkehrskonzeptes, das die Marktgemeinde bei der „gevas“ in Auftrag gegeben hatte. „Für eine ausgewogene Verkehrsplanung und -entwicklung ist es erforderlich, neben dem Pkw auch die übrigen Verkehrsmittel zu berücksichtigen“, erklärte Diplom-Ingenieur Werner Frey auf der Son­- dersitzung. Dort wurden auch die Ergebnisse der Haushaltsbefragung, der Kennzeichenerfassung samt Verkehrszählung sowie der Fahrgastzählung durch das Landratsamt vorgestellt. Für seine Bewertung des Radverkehrs in Kaufering hatte Peter zum einen eine Bestandsaufnahme der Rad-Infrastruktur durchgeführt, zum anderen die Unfalldaten der Polizeiinspektion Landsberg analysiert sowie die Ergebnisse der Haushaltsbefragung ausgewertet. „Insgesamt kann ich von einer guten Entwicklung in der Gemeinde Kaufering sprechen“, so Peter. Dennoch hatte er einige Anregungen und „Gedankenanstöße“ parat. So hätten 90 Prozent der Befragten angegeben, dass es Gefahrenstellen für Radfahrer gebe. Die Mehrheit nannte dabei die Kolping- sowie die Bayernstraße. Bei beiden gibt es einen gemeinsamen Fuß- und Radweg, der in jede Richtung befahren werden kann. „Diese Form des Radwegs erachten wir als problematisch, auch für die Autofahrer“, so Peter. Da es sich in der Kolpingstraße laut Beschilderung eigentlich um einen Fußweg handelt, der von Radfahrern benutzt werden darf, aber nicht zwingend benutzt werden muss, meinte Peter, „hier wäre es sinnvoll, die Radfahrer fahren auf der Straße. Das ist nicht so gefährlich wie auf dem Radweg.“ Davor warnte jedoch Thomas Wiesmann (SPD): „Diese Empfehlung halte ich für noch unglücklicher. Durch den Mischverkehr haben wir dann noch eine Gefahrenquelle mehr.“ Einen Verbesserungsvorschlag brachte Bernd Peter für die Hiltistraße. „Hier gibt es viele gefährliche, uneinsehbare Ein- und Ausfahrten und der Radweg muss in beide Seiten befahren werden. Wir plädieren dafür, auf der Südseite einen Schutzstreifen für Radler auf der Fahrbahn zu markieren sowie am unteren Ende der Straße eine Querungshilfe zur Realschule zu schaffen.“ Als „brandgefährlich“ bezeichnete Peter die Situation an der Einmündung zur Viktor-Frankl-Straße. „Unsere Bitte wäre, bei der Planung des Kreisverkehrs auch an die Radfahrer zu denken – im Idealfall mit einer Röhre.“ Rund 54 Prozent der Befragten hatten zudem den Wunsch nach einem Ausbau des Radwegenetzes geäußert. 37 Prozent könnten sich beispielsweise einen Radweg zu Nachbarorten wie Epfenhausen oder Igling, aber auch einen Ausbau des Radwegenetzes in Richtung Landsberg vorstellen. Hier schlug Peter dem Gremium vor, darüber nachzudenken, ob nicht ein Ausbau des Weges von der Montessorischule zum Industriegebiet nach Landsberg möglich sei. „Das wäre eine tolle Sache.“ Als weitere Anregungen nannte der ADFC-Experte mehr Abstellmöglichkeiten für Räder am Fuggerplatz sowie am Bahnhof, einen Tunnel unter den Bahnhof als direkte Verbindung ins Gewerbegebiet, eine Fortführung des Radweges an der östlichen Seite der B17 alt bis zum neuen Baugebiet Lechfeldwiesen IV, eine Verbesserung an der Kreuzung Iglinger-/Dr. Gerbl-Straße sowie das Entfernen oder die Verbreiterung der Umlaufsperren in der Unterführung Pommernstraße. Die angedachten Einzelmaßnahmen sollen nun in Workshops diskutiert und in das Verkehrskonzept eingearbeitet werden. "Gut bis sehr gut" Die Ergebnisse für die öffentlichen Verkehrsmittel wie den Ortsbus präsentierte der ÖPNV-Experte im Landratsamt, Dietmar Winkler. Demnach beurteilten Befragten den Busver­- kehr in Kaufering überwiegend mit „gut“ und „sehr gut“. Lediglich der Einstieg mit Kinderwagen und die Behindertengerechtigkeit wurden kritisiert. „Hier gibt es das Problem, dass wir überwiegend mit Niederflurbussen fahren, die Randsteine aber oft nicht dafür ausgelegt sind“, erklärte Winkler. Des Weiteren wurden fehlende Anbindungen vor allem abends genannt, was sich aber inzwischen durch den Ortsbus, der zum Zeitpunkt der Befragung gerade einmal wenige Wochen in Betrieb war, relativiert habe. „Die Bürger wünschen auch bessere Verbindungen nach Landsberg“, so Winkler. Die Stadt Landsberg wolle ihren Fahrplan demnächst dahingehend ausbauen, sagte er. B17alt zu attraktiv? Mit den Daten für den motorisierten Verkehr aus der Kennzeichenerfassung samt paralleler Verkehrszählung am 28. September 2010 schloss Werner Frey von der „gevas“ die Sondersitzung ab. Demnach konnte er im Vergleich zu den Zahlen von 2009 feststellen, dass durch die B17neu zwar eine „deutliche Entlastung“ eingetreten sei, dass aber mit 7380 Fahrzeugen täglich immer noch „ein hoher Anteil an Durchgangsverkehr herrscht.“ Für Frey ist damit klar: „Die B17 alt darf nicht mehr so attraktiv sein, sonst fahren die Leute da durch.“

Meistgelesene Artikel

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

"Nicht in dieser Dimension!"

Landsberg – 50 Bewohner der Schwaighofsiedlung haben in einer Versammlung gegen den geplanten Neubau der Obdachlosenunterkunft an der Jahnstraße …
"Nicht in dieser Dimension!"

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kommentare