Gemeinde will Erbin sein

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Am Montag hat sich der Gemeinderat für die Annahme des Zaller-Erbes entschieden. Es umfasst die ehemalige Druckerei Huber, zwei benachbarte Wohnhäuser und die dazugehörigen Rückgebäude.

Dießen – Mit einem einstimmigen Votum hat der Marktgemeinderat am Montag eine beachtliche Immobilien-Erbschaft Johannisstraße 11 bis 13 angenommen. Sollte das Testament von anderer Seite nicht angefochten werden, könnten die Immobilien im Ortszentrum bald in den Besitz der Kommune übergehen.

Bereits beim Neujahrsempfang hatte Bürgermeister Herbert Kirsch die Erbschaft als Option angekündigt. Die letzte Eigentümerin der ehemaligen Buchdruckerei Huber, Charlotte Zaller, war im vergangenen Jahr am 25. Oktober im Alter von 95 Jahren verstorben. Mittlerweile wurde das Testament der Eheleute Zaller vom Nachlassgericht geprüft. Demnach steht dem Markt die Erbschaft der Liegenschaften an der Johannisstraße zu.

Pflichtgemäß informierte Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger) den Gemeinde­rat, dass es auch die Möglichkeit gäbe die Erbschaft auszuschlagen. Eine Option, die allerdings weder der Bürgermeister noch das Gremium in Erwägung zog. Würde die Erbschaft ausgeschlagen, so Kirsch, ginge das Anwesen in das Eigentum des Freistaats über und würde dann vermutlich verkauft.

„Wir haben uns in den letzten Jahren selbst schon überlegt, ob wir das Anwesen nicht kaufen sollen“, erinnerte Hanni Baur (SPD). Schließlich handle sich dabei um ein extrem ortsbildprägendes Ensemble.

Einmal mehr wurde allerdings deutlich, dass Eigentum verpflichtet: Bürgermeister Kirsch verlas ein Schreiben des Landsberger Landratsamts, worin die Bodenschutzbehörde auf Altlasten auf dem ehemaligen Druckereigrundstück aufmerksam macht, die bei unsachgemäßem Umgang das Grundwasser gefährden könnten. Baumaßnahmen zur Sanierung und Umnutzung des Standortes seien somit erst nach Erfassung der Kontaminationen und nach Erstellung eines hierauf abgestimmten Rückbau- und Sanierungskonzeptes zulässig.

Diese Nachricht mache ihn fassungslos, gestand Wolfgang Salzmann (CSU). Wenn „Gefahr im Verzug“ sei, hätte die Bodenschutzbehörde, schon vor Jahren handeln müssen. Nun sei die Gemeinde im Spiel, und vom Landratsamt werde die Verpflichtung einfach weitergegeben.

Nach Rücksprache mit der Behörde bestehe keine unmittelbare Gefährdung, beruhigte Kirsch. Außerdem: Altlastenprobleme habe die Gemeinde an anderer Stelle, zum Beispiel im Umfeld des Bahnhofs, auch schon in den Griff bekommen.

Edgar Maginot (CSU) forderte das Gremium auf, sich mit Planungsideen bis nach den Wahlen zurückzuhalten, „ansonsten werden Fronten aufgebaut“. Seiner Ansicht nach sollte sich damit der neu gewählte Gemeinderat auseinandersetzen. Denn ein Projekt in dieser Größenordnung sei „ein Riesending“.

Das Zaller-Areal

2650 Quadratmeter umfassen die Flurstücke an der Johannisstraße, auf denen sich überwiegend leerstehende Gewerbebauten befinden. Das Schmuckstück ist ein unter Denkmalschutz stehendes, rosafarbenes Wohnhaus, ein „dreigeschossiger Putzbau mit flachem Walmdach, Belvedere und reichem frühgründerzeitlichem Dekor“ aus dem Jahr 1868. Das benachbarte Verlags- und Druckgebäude wurde 1862 als Rathaus errichtet. Im Dezember 1879 gründete Joseph Carl Huber hier die Graphische Kunst- und Verlagsanstalt Jos. C. Huber mit Buchbinderei und Buchdruckerei, die in den 1950er Jahren einschließlich des Grund- und Immobilienbesitzes an den damaligen Geschäftsführer Hans Zaller verkauft wurde. In den 1970 er Jahren erwarb der Verleger Dr. Herbert Fleißner die Firma, die 2003 nach Garching verlagert wurde. Der Grundbesitz und die Gebäude in Dießen blieben jedoch Eigentum der Zallers.

Ursula Nagl

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