Selbst schippen?

Zu "schwach" für den Winterdienst

+
Ein „Relikt aus alten Zeiten“ und laut Tiefbauchef Hans Huttenloher „rechtlich nicht mehr zulässig“: die Hinweise unter anderem an der Treppe zum „Hohen Kreuz“, die auf eingeschränkten Winterdienst hinweisen.

Landsberg – Es klingt erst einmal paradox: Der städtische Bauhof in Landsberg hat laut Orga-Gutachten des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes (BKPV) einen „Überhang“ von fünf Stellen. Der Bauausschuss der Stadt sprach sich in der vergangenen Woche dennoch einstimmig dafür aus, dort weiteres Personal für den Winterdienst einzustellen.

Den Ausschuss überzeugten die Argumente von Hans Huttenloher, nicht nur Chef des Tiefbauamtes, sondern auch des Bauhofs. Akribisch hatte Huttenloher für die Sitzung aufgelistet, wieviele Mitarbeiter er für den Winterdienst zur Verfügung hat – und was das für Landsberg bedeutet, wenn er den Maßgaben des BKPV folgen muss.

Huttenloher hatte die Zahlen auf seiner Seite. Mindestens rund 5000 Stunden wendeten seine Leute für den Räum- und Streudienst in den vergangenen Jahren auf, abhängig von der Witterung, dabei war auch ein „Ausreißer“ von 11000 Stunden.

Das Gutachten des BKPV (der KREISBOTE berichtete) sieht nur noch gut 3800 Stunden dafür vor, Straßen und Gehwege von Eis und Schnee zu befreien. Es sei allerdings nicht gesagt worden, an welcher Stelle man diesen Aufwand einsparen wolle, so die Verwaltung in ihrer Stellungnahme. Huttenloher folgte jetzt der Vorgabe, warnte allerdings: „Der Plan ist schon ausgelutscht, wenn einer krank wird, funktioniert er nicht mehr.“

Um die Vorgabe des Orga-Gutachtens zu erfüllen, hätten die Bürger mit erheblichen Einschnitten rechnen müssen. Bushaltestellen müssten demnach von privaten Anliegern geräumt werden, Nebenstraßen würden außen vor gelassen. „Das hatten wir schonmal, mit zehn Zentimetern Eis zum Schluss auf der Straße, wo sich die Leute dann reihenweise die Beine gebrochen haben“, erinnerte Petra Kohler-Ettner (CSU). Eine weitere Schlussfolgerung: Treppen wie im Klösterl oder zum „Hohen Kreuz“ könnten gar nicht mehr geräumt werden. Genau diese Verbindung sei aber für viele Bürger der einzig praktikable Weg in die Altstadt, wandte Traudl Lüßmann (Grüne) ein.

Ihr Fraktionskollege Dr. Andreas Hartmann verwies auf die bestehenden Schilder („wird nicht geräumt und gestreut“), mit denen man den Weg offenhalten könne. Tiefbauchef Huttenloher nahm ihm auch diese Hoffnung. „Das Schild ist ein Relikt aus alten Zeiten und rechtlich nicht mehr zulässig. Wenn wir nicht räumen, müssen wir die Treppen von November bis März so sperren, dass sie auch niemand mehr begehen kann.“

Der BKPV habe in seinem Gutachten lediglich Vergleichszahlen angesetzt und auf die „topographischen Besonderheiten Landsbergs keine Rücksicht genommen“, meinte Bür­- germeisterin Doris Baumgartl (UBV). Ohne Gegenstimme verwies der Ausschuss anschließend das Thema an den Stadtrat mit einer klaren Empfehlung: Der bisherige Standard des Winterdienstes müsse in Landsberg aufrecht erhalten und nötigenfalls neues Personal eingestellt werden.

Christoph Kruse

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Landsberg – Mal eben den Rasen mähen oder kurz zum Arzt fahren – kein Problem für die Meisten. Alleinstehende oder Senioren stoßen jedoch mit diesen …
"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Breitband, Straßen, Seeanlagen

Dießen – Kaum Anlass zu Rückfragen und Diskussionen hat der Haushaltsplan 2017 gegeben, den Kämmerer Max Steigenberger am Montag erneut im …
Breitband, Straßen, Seeanlagen

Kommentare