Sicherheit hat Priorität

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Fängt gut an, hört abrupt auf. Der Radweg entlang der Birkenallee von Dießen nach Fischen endet bereits nach 300 Metern bei der Abzweigung nach Raisting. Ab da müssen die Radler auf die viel befahrene Staatsstraße 2056 ausweichen, wenn sie direkt nach Fischen wollen und nicht über den Umweg der Raistinger Schleife.

Dießen – Die große Lösung, nämlich ein Radweg entlang der Birkenallee von Dießen nach Fischen, wird wohl noch viele Jahre Behörden und Naturschützer beschäftigen. Solange das Diktum der Regierung von Oberbayern und der Unteren Naturschutzbehörden in Weilheim und Landsberg besteht, wird sich nichts ändern: „Ein Radweg entlang der Birkenallee im Ramsar-Schutzgebiet Ammersee-Süd ist naturschutzrechtlich und planungsrechtlich nicht zulässig!“ Das notwendige Planfeststellungsverfahren wurde im Oktober 2008 eingestellt. Ein letzter Vorstoß ist dann endgültig 2010 gescheitert. Darum wird jetzt intensiv über eine zunächst kleine Lösung nachgedacht, nämlich ein Radweg von Raisting nach Dießen.

Bürger und die betroffenen Gemeinden Dießen, Raisting und Pähl wollen das „Nein“ für den Radweg Birkenallee nicht so einfach hinnehmen und die unendliche Geschichte irgendwann zu Gunsten der Sicherheit der immer mehr werdenden Radfahrer wenden. Deshalb hat man eine neue Machbarkeitsstudie für die Trasse Dießen-Fischen entlang der Staatsstraße 2056 in Auftrag gegeben, bei der auch ein Radweg von Dießen nach Raisting berücksichtigt werden sollte.

Aber aus Gründen wie immer – man spricht von einem „Kommunikationsproblem“ – wurde die Machbarkeit dieser Verbindung nicht geprüft. Und zu einem Besprechungstermin mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim hatte man die Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießen) und Werner Grünbauer (Pähl) eingeladen, Raistings Gemeindeoberhaupt Martin Höck aber wurde schlichtweg „vergessen“. Kein Wunder, dass der Raistinger Gemeinderat daraus die Konsequenzen zog und beschloss, sich an den Kosten der Studie nicht zu beteiligen. Ursprünglich sollte jede der Gemeinden ein Drittel der rund 10.000 Euro mit tragen.

Und der Raistinger Gemeinderat ging jetzt noch einen Schritt weiter. Da für die Gemeinde eine direkte Radwegverbindung nach Dießen Priorität hat, wurde diskutiert, hierfür eine eigene Machbarkeitsstudie zusammen mit der Gemeinde Dießen in Auftrag zu geben. Ein entsprechendes Kostenangebot über rund 6.200 Euro vom Ingenieurbüro Narr-Rist-Türk liegt inzwischen vor. Ob die Beauftragung erfolgt, wird sich erst nach den Ergebnissen des neuen Gutachtens bezüglich des angedachten Radwegs entlang der Birkenallee zeigen.

„Uns geht es ausschließlich um die Sicherheit der Radfahrer auf der schmalen Kreisstraße zwischen Raisting und Dießen, wo die Sicht an vielen Stellen durch dichte Büsche und Bäume eingeschränkt ist“, betont Martin Höck. Ideal sei ein sog. „straßenbegleitender Radweg entlang der Kreisstraße WM9/LL10“, was aber einige Probleme aufwirft wie Naturschutzflächen, Bahngleise und Kreuzung der Staatsstraße in Richtung Ammersee. Insgesamt sieben Varianten des Radwegs von Raisting nach Dießen müssten geprüft werden, wobei nach Höcks Meinung nur ein durchgehender Radweg von der Bevölkerung richtig angenommen werde. Sollte der Bund Naturschutz grünes Licht signalisieren, wolle man sich zusammen mit Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch und den zuständigen Behörden und Landräten zu einem konstruktiven Gespräch treffen.

Der Bund Naturschutz hat bereits signalisiert, dass es für ein Stück des südlichen Ammersee-Radweges eine Route gebe, die keinerlei Einwände hervorruft. Die Regierung von Oberbayern habe zugesagt, die Strecke zwischen Raisting und Dießen als Projekt zu unterstützen und zu fördern. Es handle sich um den König-Ludwig-Weg, der an der Ertlmühle vorbeiführt, alternativ entlang der Eisenbahnlinie. Mit einem Ausbau des Radweges Raisting nach Dießen sei aber klar, dass man Raisting definitiv zum Knotenpunkt einer südlichen Ammersee-Radumfahrung machen werde mit Option Schleife um die Birkenallee.

Die Pläne der Raistinger Gemeindevertreter sollen laut Bürgermeister Höck weder den weiteren Vorstoß in Sachen Radweg entlang der Birkenallee noch die Raistinger Schleife tangieren. Die ist übrigens der offiziell ausgeschilderte Radweg. Von Dießen geht es zuerst nach Raisting und dann in einem Bogen zurück nach Fischen, was einen Umweg von rund drei Kilometer ausmacht. Selbst die Polizeiinspektion Landsberg stellt fest: „Da der Umweg über Raisting nach unserer Erfahrung aber nicht akzeptiert wird, könnte durch einen Radweg entlang der Birkenallee die Verkehrssicherheit erheblich verbessert werden.“

Für den direkten Weg entlang der Birkenallee kämpft seit langem die „Initiative Radwege Ammersee-Süd“ mit Prof. Ernst Roeckl an der Spitze. Seine Radldemos bringen zwar mediale Aufmerksamkeit, lassen aber die zuständigen Behörden und Naturschützer bislang kalt.

Bei der letzten Radldemo Anfang September unter Leitung von Carl Schramm mit knapp einhundert Teilnehmern kam die Frage wieder klar zum Ausdruck, warum eine viel befahrene Staatsstraße durch ein Naturschutzgebiet mit Lärm und Abgasen in Ordnung sei, aber ein paralleler stiller Radweg Brachvogel, Kiebitz, Abbiß-Scheckenfalter oder Knabenkraut stört. Die Fahrt der Radlweg-Verfechter mit Polizeibegleitung ging vom Raistinger Rathaus nach Dießen und von da auf der Staatsstraße 2056 nach Fischen.

Dieter Roettig

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