Für "gesunde literarische Nahrung"

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Die aktuelle Rathaus-Ausstellung „Erste Leihbüchereien in Dießen“ konzipierte Gemeindearchivarin Elke Ahrens-Ratz gemeinsam mit Heimatforscher Manfred Haug.

Dießen – Im Dezember 2014 feierte die Albert Teuto Bücherei ihr 30-jähriges Bestehen. Ein Ereignis, das Gemeindearchivarin Elke Ahrens-Ratz dazu veranlasste die aktuelle Rathausausstellung dem Thema „Erste Leihbüchereien in Dießen“ zu widmen.

Die Entstehungsgeschichte der Pfarrbücherei reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück: 1922 wurde in der Marktgemeinde ein Ortsverein des Katholischen Pressvereins mit dem Auftrag gegründet, in Dießen eine Volks-Leihbücherei zu eröffnen. Der Anfangsbestand von rund 100 Büchern sollte die Bürger „vor den Gefahren einer schlechten Presse“ schützen und den Lesern stattdessen „gesunde literarische Nahrung“ bieten. 

Wie die Ausstellung im Rathaus mit zahlreichen Exponaten, Dokumenten, Fotografien und alten Zeitungsanzeigen aufzeigt, gab es zu jener Zeit in Dießen auch gewerbliche Leihbüchereien, wie zum Beispiel die Leihbibliotheken von M. Steer im Hotel Neue Post, von August Bogenberger in der Bahnhofstraße oder von Charlotte Neuper in der Johannisstraße. Allesamt waren zugleich auch Zeitungsgeschäfte. Die Volks-Leihbücherei, die im Pfarrhof untergebracht wurde, wurde laut Ammerseepost ebenfalls „viel und gern benützt“. 

Doch bereits 1934 wurde dem Katholischen Pressverein von den braunen Machthabern die Bezeichnung „Volksbücherei“ untersagt. Ab 1935 firmierte die Bücherei deshalb als „Katholische Pfarrbücherei des St. Michael-Bundes“, benannt nach dem gleichnamigen ältesten bayerischen Büchereiverband. Mitte der 50er Jahre erlebte die inzwischen etwas in Vergessenheit geratene Bücherei mit einfachen Mitteln eine Renaissance für die sich die Erzieherin Elisabeth Heimbach, die Schriftstellerin Clara Nordström und Schwester Aquinata, Rektorin der damaligen Mädchenschule, stark machten: Im zweiten Stock der Klosterkirche wurde ein Raum mit einfachen Holzregalen eingerichtet. 

Lesen wurde zu einer wichtigen Freizeitbeschäftigung, schließlich war ein Fernseher in jener Zeit eine Seltenheit. „Viele Dießener erinnern sich noch, dass sie in ihrer Schulzeit regelmäßig nach dem Sonntagsgottesdienst in die Pfarrbücherei gegangen sind. Dort wurde kein Mitgliedsbeitrag erhoben, lediglich pro Ausleihe und Buch mussten einige Pfennige bezahlt werden“, berichtete die langjährige ehrenamtliche Bibliothekarin Dr. Karin Mauderer zur Ausstellungseröffnung im Rathaus. Zwischen 1979 und 1985 wurde das Marienmünster saniert und die Bücherei erhielt größere Räumlichkeiten. Im Dezember 1984 wurde aus der „katholischen Pfarrbücherei“ schließlich die Albert Teuto Bücherei Dießen. Ende April 1990 fand der Umzug in die Hofmark 5 statt, am 3. März 1990 wurden die neuen Räumlichkeiten im Rinkhof feierlich eingeweiht. 

Im hellen, freundlichen Ambiente der Bibliothek können die Besucher mittlerweile aus rund 13 000 Medien auswählen. Auch Fernleihe ist möglich. Zum 30. Jubiläum der Namensgebung erarbeiteten Dr. Karin Mauderer und Bibliotheksleiterin Heidi Adelsberger die Broschüre „30 Jahre Albert Teuto Bücherei“. Sie liegt kostenlos im Rathaus und in der Albert Teuto Bücherei aus.

Ursula Nagl

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