Lebendige Architektur

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Für eine besondere Raumklang-Erfahrung sorgten die drei Musiker am Sonntagabend in der Christuskirche Landsberg: Flötistin Sophia Rieth, Cellistin Kristína Chalmovská und Percussionist Fabian Löbhard (von links).

Landsberg – Die Christuskirche wurde am Sonntag zum „klingenden Bau“. Drei Musiker spielten Stücke vom Mittelalter bis hin zur Moderne und loteten den Raum mit ihren Tönen aus. Flötistin Sophia Rieth, Cellistin Kristína Chalmovská und Percussionist Fabian Löbhard gaben ein im wörtlichen Sinne bewegtes Konzert, das Musik in einer ungewohnten Weise durch den „Resonanzkörper Kirche“ erleben ließ.

„Architekten haben sich schon immer bemüht, einen Raum zu einem guten Klangraum zu machen“, leitete Organistin der Christuskirche Cornelia Meyer das Konzert ein, „und ich verspreche Ihnen, die Christuskirche hat eine gute Akustik.“ Die Organsitin spricht aus Erfahrung: Seit gut 17 Jahren organisiert sie ihre Konzertreihe. Zahlenverhältnisse und Proportionen wie der Goldene Schnitt seien in Architektur und Musik wichtig, erzählte Sophia Rieth. Schelling habe die Architektur als „erstarrte Musik“ bezeichnet, „wir wandeln das nun einfach um: Musik ist lebendige Architektur“.

Auch das Programm sei nach dem Goldenen Schnitt aufgebaut, „nach ungefähr zwei Dritteln kehrt das Thema des Anfangs wieder“ – in diesem Fall Bachs Goldberg-Variationen. Um den Raum und die Musik richtig erleben zu können, durften sich die Zuhörer während des Konzerts bewegen, „und wenn Sie sich direkt neben uns setzten wollen, ist das auch kein Problem“. Den Goldberg-Variationen folgte das „Trotto“ eines unbekannten Komponisten: Löbhard leitete mit der Trommel ein, nach und nach entwickelte sich ein Tanz, dessen Bass in den Holzbänken vibrierte. Auch bei Bachs Cello-Suite Nr. 1 in G-Dur, fast schon ein Gassenhauer, konnte man dieses Vibrieren spüren.

Für Steve Reichs „clapping music“ gingen Löbhard und Rieth auf die Orgelempore. In synkopischen Rhythmen hallte das Klatschen ihrer Hände durch den Raum, bevor das Cello unten vor dem Altar einsetzte. Sophia Rieth wanderte bei ihren zwei Flötensoli, eine zeitgenössische Prelude im Kontrast zu einem fast tausend Jahre alte Stück von Hildegard von Bingen, entlang der Seitenempore nach vorne – mit ihr der klare Flötenton. Einen wahren Klangteppich webte das Ensemble mit Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“, bei dem das Vibraphon gemeinsam mit dem Cello vor dem Altar die Melodie trug, während Rieth im hinteren Teil der Kirche versteckt auf dem Glockenspiel vereinzelte Töne beitrug. Eine meditative Musik, zu der sogar die Kirchenglocken und das Vogelgezwitscher von außen perfekt passten. Dass dann gemäß dem Goldenen Schnitt nochmals Bachs Goldberg-Variationen gespielt wurden, war vielleicht zu konstruiert und machte das Konzert für manchen etwas zu Bach-lastig.

Nach einem Renaissancetanz von Diego Ortiz mündete das zweistündige Konzert schließlich bei Antonio Vivaldi, nach Sophia Rieth „der Dominikus Zimmermann der Musik“. Mit seiner Dynamik und seiner üppigen Ornamentik habe er die Soloinstrumente wirklich zelebriert. Das Concerto in C-Dur ist eigentlich für Sopraninoflöte und Orchester. „Die Flöte ist kein Problem, aber wir haben nur ein kleines Orchester: Das Cello spielt den Bass und das Vibraphon ersetzt alle anderen Instrumente“, lachte Rieth. Ein jubilierender und virtuoser Abschluss eines hörenswerten Konzertes.

Susanne Greiner

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