Fuchstalbahn bleibt Thema

Man muss zehn Jahre vorausdenken

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Noch ist’s eine Vision, doch der Connex-Personenzug – das Foto zeigt den der Bayerischen Oberland Bahn (BOB) – könnte auch auf der Fuchstal- mit Stadtbahn verkehren, wie das an einem Aktionswochenende bereits der Fall war.

Landkreis – Die mögliche Reaktivierung der Fuchstalbahn bleibt ein Thema. Während OB Mathias Neuner und sein Stellvertreter Norbert Kreuzer (beide CSU), wie im berichtet, davon nichts wissen wollen, läutet Landrat Walter Eichner (CSU) bereits die nächste Gesprächsrunde ein.

In der Struktur- und Verkehrskommission des Landkreises wird am 25. September unter anderem auch über Fuchstal- sowie Stadtbahn gesprochen werden. „Man darf sich da nichts verbauen“, sagt der Landkreischef, die Anbindung des Mittelzentrums Landsberg könne in jedem Fall noch verbessert wer­den.

Mit „nichts verbauen“ spielt Eichner indirekt aber auch auf die jüngste Entscheidung des Landsberger Stadtrates an, ein derzeit als Grünfläche genutztes Areal im äußersten Südosten von Obere Wiesen für die Bebauung im Ein­heimischen-Modell freizugeben. Was das mit der Fuchstalbahn zu tun hat? Nach der bisherigen Bauleitplanung war für den Fall einer Bahnreaktivierung exakt an dieser Stelle des Neubaugebietes ein P&R-Platz vorgesehen, mit direktem Zu­gang zu einem neuen Haltepunkt „Landsberg Süd“ zwischen Lärmschutzwall und B17.

An dieser Option nicht festzuhalten erzürnte die Stadtrats-Grünen jüngst derart, dass sie ge­schlossen gegen die Reihenhausbebauung votierten. Landrat Walter Eichner kann die Verärgerung gut nachvollziehen, er hält einen Haltepunkt in diesem Bereich für „sehr wichtig“ und „das sollte es auch für die Stadt sein.“

Somit passt die städtische Abkehr von Stadt- und Fuchstalbahn überhaupt nicht in Eich­ners Vorstellungen von „guter Kommunalpolitik“. Die zeichne sich nämlich dadurch aus, dass man „Visionen“ habe und keine Von-der-Hand-in-den-Mund-Politik betreibe. Man müsse zehn Jahre vorausdenken. Das hätten die Kreisgremien etwa im Bereich der Schulen aufgezeigt: „Mit dem Ammersee-Gymnasium stiegen die Fahrgastzahlen der Ammersee-Bahn.“

Einen ähnlichen Effekt, jedoch in umgekehrter Folge, könnte es geben, wenn das Fuchstal mit dem Schulstandort Landsberg via Schiene besser verbunden wäre. Es spreche aber noch mehr dafür, die Reaktivierungspläne nicht einfach ad acta zu legen. „Beim aktiven Klimaschutz spielen Regionalbahnen eine immer größere Rolle.“ Und: Den Verkehrsverbund Ammersee-Lech könnte man nach Ansicht Eichners weiter ausbauen, das touristische Angebot damit ver­bessern und das „Radelparadies Ammersee-Lech“ zusätzlich bereichern: „Mit dem Radl hin, mit der Bahn zurück, oder umgekehrt“.

Letztlich könnte davon auch der Sonn- und Feier­- tagsbetrieb im Fuchstal profitieren: „Im Moment passiert da absolut nichts, da fährt kein einziger ÖPNV-Bus.“ Ohnehin sei die Anbindung des Fuchstal verlängerungswürdig. „Um das zu unter­mauern und zu bestätigen, bedarf es dringend eines Gutachtens“, fordert Eichner. Nicht mehr als 20000 Euro werde es, wie im KREISBOTEN berichtet, kosten. Das ergab sich jüngst bei einer Gesprächsrunde unter anderem mit Vertretern der Initiative Fuchstalbahn sowie Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und dem ÖPNV-Experten des Landkreises, Dietmar Winkler.

Bereits 2002 war ein Gutachten erstellt worden, doch inzwischen habe sich die Ausgangs­lage „erheblich verändert“ – zum Positiven. Zeil sieht durchaus Möglichkeiten einer Reaktivierung, wenn das Anschluss­- gutachten „mehr als 1000 Reisende pro Tag“ nachweist – bisher war man von 2000 ausge­- gangen.

Die Kosten für das Anschlussgutachten teilen sich die Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg, eventuell steuert die Initiative Fuchstalbahn noch etwas bei. Weder die Fuchstalgemeinden noch die Stadt Lands­- berg müssen sich an den Kosten beteiligen. „Das habe ich nie gefordert“, betont Walter Eichner, „ich sehe die Reaktivierungspläne als überregionale Angelegenheit, wenngleich dadurch das Mittelzentrum Landsberg gestärkt würde.“

Immer wieder legt der Landrat besonderen Wert auf die Feststellung, dass der öffentliche Personen-Nahverkehr auf der Schiene in der Region „ganzheitlich“ zu betrachten sei – mit der möglichen MVV-Ausweitung sowie den Strecken München-Lindau, Augsburg-Weilheim-Schongau, Kneipp-Lechfeld-, Ammersee- und Fuchstalbahn.

Toni Schwaiger

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