Feuer, Rauch und Hitze

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Passen auf, dass im brennenden Übungscontainer nichts passiert: Atemschutz-Kreisbrandmeister Florian Buck (links) und Ausbilder Robert Weißflog in Hofstetten.

Hofstetten – Wer geht freiwillig mit einer 35 Kilogramm schweren Ausrüstung am Körper in einen brennenden, bis zu 500 Grad heißen und völlig verrauchten Container? Es sind Männer und Frauen unserer Landkreisfeuerwehren, die für den Ernstfall eines Wohnungsbrandes trainieren. Weil Gott sei Dank die Zahl dieser Einsätze in den letzten Jahren zurück gegangen ist, müssen gerade die jungen Feuerwehrleute den Ernstfall trainieren. Es gilt bei realistischen Bedingungen mit dieser persönlichen Erfahrung künftig Fehl­entscheidungen bis hin zu lebensgefährlichen Situationen zu vermeiden.

Auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums Hofstetten fand jetzt eine einwöchige konzentrierte Ausbildung statt, initiiert vom Landesfeuerwehrverband Bayern und durchgeführt von der Freiwilligen Feuerwehr Landsberg. Teilnehmer waren die 71 Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises, die ihre speziell geschulten Atemschutzgeräteträger dafür abgestellt hatten. Geübt wurde in einem sog. Brand­übungscontainer, für den der Freistaat Bayern inklusive der landesweiten Einsätze 1,2 Millionen Euro investiert hat. Geld, das laut Kreisbrandinspektor Florian Buck gut angelegt ist. Denn nur in einem solch speziell gebauten Container kann eine realitätsnahe Brandbekämpfung unter umluftunabhängigem Atemschutz trainiert werden. Durch die Verwendung von Holz entsteht die für einen Zimmerbrand typische Hitze- und Rauchentwicklung. So werden die Feuerwehrleute mit einem echten Feuer konfrontiert, um sich möglichst praxisnah bei gleichzeitiger Beibehaltung sicherer Bedingungen auf einen realen Einsatz vorzubereiten.

Während der jeweils rund vierstündigen Ausbildung in Hofstetten – jeden Tag fanden zwei Einheiten statt – wurde nicht nur Theorie, sondern speziell die Praxis gelehrt und geübt. Wie das Erkennen des Brandverlaufs und die Einschätzung der Gefahrensituation z. B. mit Flash Over, die Brandbekämpfung mit Strahlrohren, das Öffnen von Türen in Brandräumen sowie das Verhindern von Rauchgasdurchzündungen und Rauchexplosionen.

Bevor es in den brennenden Container ging, mussten die jungen Feuerwehrleute ihre lebenswichtige Schutzkleidung richtig anlegen: Feuerresistenter Anzug, Flammschutzhaube, Helm mit Nackenschutz, Handschuhe etc. Zum Schluss wurde der Pressluftatmer geschultert und richtig festgezurrt. Im rauchgeschwängerten Con­tainer, wo die Holzplatten bereits lichterloh brannten, konnten die Retter nur gebückt oder auf Knien mit gezielten Wasserstößen gegen die Flammen vorgehen. Man musste den giftigen Dämpfen möglichst ausweichen, die bei einem Wohnungsbrand von Möbeln oder Couchgarnituren entweichen.

Draußen vor dem Container stand achtsam die „Feuerwehr für die Feuerwehr“ bereit: Kreisbrandmeister Florian Buck und Ausbilder Robert Weißflog waren einsatzbereit für den Fall, wenn z. B. einer der Kollegen im Container ohnmächtig wird oder der Anzug Feuer fängt. Brenzlig war die Situation nur, als die Türen des Containers für einige Minuten geschlossen und erst nach Klopfzeichen wieder geöffnet wurden. Bei extremer Rauchentwicklung und unerträglicher Hitze müssen die Retter schließlich ihre Tätigkeit blind verrichten können.

Bei echten Brandeinsätzen sind es die Atemschutzgeräteträger, die oft unter schwierigsten Bedingungen in Häuser und Wohnungen eindringen, um Leben zu retten und Schlimmeres zu verhindern. Darum sind reale Trainingseinheiten wie jetzt in Hofstetten unverzichtbar im Rahmen der Aus- und Weiterbildung. 7.200 junge Aktive werden mit der Aktion „Realbrandausbildung im Brandübungscontainer“ in ganz Bayern speziell dafür geschult. Für den Landkreis Landsberg waren es 64 Feuerwehrmänner und auch -frauen, die praxisnah ausgebildet wurden.

Dieter Roettig

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