Wird Parken gebührenpflichtig?

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Vielen Dießenern gefällt die Umgestaltung der Mühlstraße schon jetzt ganz gut.

Dießen – Wenn es um die Mühlstraße geht, wird in Dießen leidenschaftlich diskutiert. So verhielt es sich auch am Donnerstag im vollbesetzten Saal des Gasthof Unterbräu. Dort wurde das Ergebnis der Bürgerbeteiligung vorgestellt. Ziel des Beteiligungsprozesses war es Bedürfnisse unterschiedlicher Interessensgruppen zu Themen wie Parkplatzsituation, Verkehrsführung, Möblierung sowie Inanspruchnahme der öffentlichen Verkehrsfläche durch Geschäfte und Gastronomiebetriebe herauszuarbeiten und zu bündeln.

Deutliche Mehrheiten, so Helga von Winter, Moderatorin des Beteiligungsprozesses, kristallisierten sich bei den insgesamt drei Treffen für Geschwindigkeitskontrollen heraus. Gewünscht werden außerdem ein Parkleitsystem, um Parksuchverkehr von der Mühlstraße fernzuhalten, die Tiefgarage soll öffentlich nutzbar gemacht und das Parken gebührenpflichtig werden. Außerdem werden weitere Parkflächen auf dem P&R-Platz am Bahnhof gewünscht. Weitere Bänke, so das Ergebnis der Bürgerbeteiligung, soll es auf dem Untermüllerplatz geben. Ebenso weitere Mülleimer und Fahrradständer und eine eBike-Ladestation. Zu den Wünschen gehört auch ein begehbarer Bach wie ihn die Gemeinde am Tosbecken plant und Infotafeln zur Ortsgeschichte. Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer stellte nochmals seine Untersuchungen zu Änderungen der Verkehrsführung vor: Für die Mühlstraße als Sackgasse spräche, dass dadurch rund 800 Fahrten weniger anfallen würden. Allerdings sei als Folge eine größere Verkehrsbelastung in der Fischerei und auf der Staatsstraße zu erwarten. Als Nachteil einer möglichen Einbahnstraßenregelung, wie sie der Gewerbeverband von Westen nach Osten favorisiert, nannte Ulzhöfer höhere Durchfahrtsgeschwindigkeiten und das „Runden drehen“, das zusätzliches Verkehrsaufkommen provoziert. Ulzhöfer gab auch zu bedenken, dass die Mühlstraße als verkehrsberuhigter Bereich fast zu groß gefasst sei. Aus verkehrsrechtlichen Gründen sei seines Erachtens eine „Zone-10“-Regelung möglicherweise passender.

Auch aus den Reihen des Seniorenbeirats wurde nochmals der Wunsch nach weiteren Parkplätzen vor den Geschäften in der Mühlstraße laut. Angesprochen wurde auch das Fehlen eines Auffangparkplatzes für den Verkehr aus südlicher Richtung.

Wichtig sei, da waren sich die Anwesenden mit dem Verkehrs­planer einig, ein gut funktionierendes Parkleitsystem, das bereits an den Ortseingängen mit einer schematischen Darstellung und mit Informationen zum Parkplatzstandort (Ortszentrum, See, Münster etc.) sowie zu möglichen Parkkosten aufwarte.

So könnten zum Beispiel Parkplätze am Bahnhof, der Schützenstraße oder in der Von-Eichendorff-Straße weiterhin kostenlos sein, während für das Parken in der Mühlstraße eine Gebühr erhoben werde. Zusätzliche Parkplätze in der Mühlstraße, so Ulzhöfer, seien nicht unbedingt ein Garant für mehr Kunden in den Geschäften. Hier müsse einfach das Konzept stimmen. In vielen Städten gäbe es viele Parkplätze und dennoch wenig Kundschaft. Von mehreren Bürgern wurde zudem betont, dass sie durchaus bereit seien, einige Meter zu Fuß zu gehen, um dann in angenehmer, entspannter Atmosphäre einzukaufen oder einzukehren.

Insbesondere die letzten, versöhnlichen Wortmeldungen machten deutlich, dass die Dießener mit ihrer neuen Mühlstraße doch recht zufrieden sind. Bürgermeister Herbert Kirsch versprach, das Stimmungsbild in die nächste Gemeinderatssitzung zu tragen. Über die Wünsche aus der Bürgerbeteiligung wird in Kürze der Gemeinderat entscheiden.

Ein Anhänger von Kunststoffschwellen, die ebenfalls angesprochen wurden um eilige Autofahrer auszubremsen, sei er jedenfalls nicht, so Kirsch. Dies müsse mit Geschwindigkeitskontrollen geschehen, und schließlich sei ein wichtiges Ziel der neugestalteten Flaniermeile nach wie vor die Barrierefreiheit. Außerdem würden Schwellen stets eine nächtliche Lärmbelastung bedeuten.

Ursula Nagl

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