19 Straftaten und noch mehr:

Terror im Kinderheim

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Die schwer erziehbaren Kinder und Jugendlichen verwüsteten unter anderem die Einrichtung der privaten Jugendhilfeeinrichtung (Symbolfoto).

Thaining – Die Regierung von Oberbayern hat den weiteren Betrieb der privaten Jugendhilfeeinrichtung "Gipfelstürmer" untersagt.  Seit Ende Dezember sorgten die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen unter anderem mit 19 Straftaten immer wieder dafür, dass die Polizei anrücken musste.

„Der pädagogische Leiter sowie dessen Personal schienen mit der Betreuung der schwer erziehbaren Kinder und Jugendlichen restlos überfordert“, beschreibt Kreuzer. Dies sei in Gesprächen gegenüber der Jugendsachbearbeiterin der Polizeiinspektion Landsberg, Melanie Müller, von dort mehrfach bestätigt worden. Ab Ende Dezember bis Mitte Januar sei es zu einer Vielzahl an polizeilichen Einsätzen in dem Einfamilienhaus gekommen.

In der Wohngruppe waren zwei Jungen, elf und zwölf Jahre alt, sowie ein 14-Jähriger und eine 17-Jährige fest sowie weitere Kinder im ständigen Wechsel untergebracht, so Kreuzer. Die Kinder und Jugendlichen seien überwiegend von Jugendämtern der Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen an die private Jugendeinrichtung vermittelt worden. Ziel der Unterbringung sei eine „dauerhafte Betreuung bis zur Mitte eines Ausbildungsberufes beziehungsweise eine behutsame Rückführung in die Familien“ gewesen.

Die Heimaufsicht der Regierung von Oberbayern erteilte der GmbH im Sommer 2011  die Betriebserlaubnis. Das Jugendamt Landsberg sei dafür nicht zuständig gewesen und in der Folge nur "beratend eingebunden" gewesen, erläutert Wolfgang Müller, Pressesprecher im Landratsamt. Schließlich waren in der privaten Jugendhilfeeinrichtung keine Kinder aus dem Landkreis Landsberg untergebracht.

Laut Kreuzer wurden in den letzten Wochen insgesamt 19 Straftaten aktenkundig. „Die Beamten mussten die Wohngruppe zum Teil mehrfach an einem Tag aufsuchen“, so der Polizeisprecher weiter. Neben Übergriffen zwischen den Kindern und Jugendlichen seien auch die Betreuer körperlich attackiert worden. Einer sei gar mehrfach bei eisigen Minusgraden bis zu einer Stunde aus dem Anwesen ausgesperrt gewesen. Am Sylvestertag lösten die schwer Erziehbaren die Alarmierungskette der Feuerwehr aus – sie hatten einen öffentlich zugänglichen Feuer­melder grundlos betätigt.

Bereits Mitte November sei es zu einem kurzzeitigen Stromausfall gekommen, als die Kinder einen abgerissenen Dusch­schlauch über eine Freileitung im Straßenzug der Landkreisgemeinde geworfen hatten. Dem Stromversorger entstand ein Seilschaden im Leitungswerk in Höhe von 300 Euro.

Der wohl schwerwiegendste Fall ereignete sich Mitte Dezember vergangenen Jahres, als zwei der Jungen einen Feldstadel angezündet hatten. Kreuzer: „Eine Spaziergängerin be­merkte zufällig die gerade hochschlagenden Flammen und benötigte 30 Minuten, um den Brandherd mit Schnee zu löschen.“ In den Stadel war zuvor eingebrochen und Werkzeuge entwendet worden.

Ebenfalls Mitte Dezember brach der 13-jährige Junge einen Büroschrank auf, in dem sich verschreibungspflich­tige Medikamente befanden. Nach Einnahme einer Überdosis musste er mit dem Rettungshubschrauber in die Kinderklinik Schwabing geflogen wer­den. Für Kreuzer und die Verantwortlichen bei der Regierung unfassbar: „Der Vorfall wurde durch die Verantwortlichen nicht zum Anlass genommen, die Medikamente ent­sprechend zu sichern, so dass Anfang Januar das 17-jährige Mädchen eine Überdosis einnehmen konnte und auf der Intensivstation des Klinikum Landsberg stationär behandelt werden musste.“ In beiden Fällen habe allerdings keine Lebensgefahr bestanden. Zudem räumte das Mädchen ein, des öfteren Betäubungsmittel in Form von Cannabis und Amphetaminen konsumiert zu haben.

Während der Erstver­sorgung der 17-Jährigen durch Rettungskräfte und Polizeibeamte aus Landsberg drohte der Elfjährige mit einem Messer alle abstechen zu wollen. Letztlich hielt er den Einsatzkräften eine Spielzeugpistole entgegen. Mehrfach beschädigten die Kinder und Jugendlichen Einrichtungsgegenstände in dem Anwesen der Wohngruppe und entsorgten Mobiliar in Wutanfällen auf Nachbargrundstücken. Kreuzer weiter: „Bei einem Nachbarn wurde die Holzverkleidung von der Garagenwand gerissen und Fließen beschädigt.“ Eine weitere Nachbarin sei mehrfach zum Teil über Stunden einem Telefonterror und verbalen Beleidigungen ausgesetzt gewesen.

Die Ermittlungen der Jugendsachbearbeiterin bei der Landsberger Polizei sind laut Kreuzer abgeschlossen. Neben der Regierung von Oberbayern seien die Staatsanwaltschaft Augsburg sowie die betroffenen Jugendämter eingebunden. Ausschlaggebend für die Schließung der privaten Einrichtung seinen „massive Versäumnisse der Betreiber“ gewesen.

Die Kinder und Jugendlichen sind laut Landratsamtssprecher Müller inzwischen von den zuständigen Jugendämtern in Hessen und Nordrhein-Westfalen "anderweitig untergebracht – nicht im Landkreis Landsberg."

Toni Schwaiger

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