Pilotprojekt

Ein Energiecoach zum Nulltarif

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Iglings Bürgermeister Günter Först hat einen guten Beratungsvertrag abgeschlossen, der die Gemeinde nichts kostet. Hier zeigt er die Verbindung zwischen Biogasanlage und dem Ort.

Igling – Die Gemeinde Igling „lässt“ an ihrer kommunalen Energiewende arbeiten. Als eine von 35 oberbayerischen Gemeinden und als einzige im Landkreis Landsberg wurde der Ort für das Pilotprojekt „Energiecoaching“ von der Regierung von Oberbayern ausgewählt.

Jüngst unterschrieb Bürgermeister Günter Först einen Vertrag mit den Energiecoaches im staatlichen Museum für Völkerkunde in München. „Energiecoaches“, das sind Ingenieurbüros, die die handverlesenen Gemeinden dahingehend beraten sollen, was sie unter Berücksichtigung ihrer örtlichen und strukturellen Gegebenheiten in Sachen Energiewende tun können. Belasten wird das den Iglinger Haushalt mit keinem Cent. Die Kosten der Energieberatung trägt komplett die Regierung von Oberbayern. Für die 35 ausgewähl­ten Gemeinden stehen insgesamt 150000 Euro zur Verfügung, im Schnitt also knapp 4300 pro Gemeinde.

„Ich habe die Ausschreibung gelesen und fand das interessant für uns“, sagt Iglings Bürgermeister Günter Först. Schon am 10. Mai erwartet er die Energieberater im Rathaus. Der Gemeinderat ist dazu eingeladen. In dem Vorgespräch soll es zunächst um den weiteren Ablauf mit den von der Regierung von Oberbayern ausgewählten und beauftragten Firmen K. Greentech und Ingenieurbüro VDI Fleckner gehen. Der Fahrplan sieht vor, dass zunächst eine Bestandsaufnahme durchgeführt wird. Daraus werden die Ingenieure dann ein Konzept für künftige Maßnahmen entwickeln.

Günter Först verweist mit Stolz darauf, dass Igling schon „einige Energie“ in die Energiewende gesteckt hat. Er und seine Gemeinderäte wissen aber auch, dass es letztlich eine Frage des Geldes, sprich des Haushaltes ist. „Igling hätte zum Beispiel gerne seine Straßen mit der energiesparenden LED-Beleuchtung versehen“, sagt der Rathauschef. „Doch das ist aus Kostengründen zur Zeit nicht spruchreif.“ Dafür ist die Gemeinde mit ihren knapp über 800 Haushalten bei der Nahwärme gut unterwegs.

Fernwärme kommt an

Der Bürgermeister erläutert, dass Mitte Juni die Ausschreibungsfrist für den zweiten Bauabschnitt der Nahwärmeversor­gung abläuft. Das Projekt, weitere Gebiete an die Biogasanlage in Geiselsberg anzu­schließen, wird noch in diesem Jahr angegangen. Verträge gibt es laut Rathauschef Först schon mit den Bauherren des Neubaugebietes Geiselsberg und einigen Hausbesitzern an der Trasse der Fernwärmeleitung. „Das Interesse in Igling an der Fernwärme ist da“, betont der Bürgermeister. Auch sollen alle öffentlichen Gebäude an das Netz angeschlossen werden. In einem ersten Schritt wurde im Februar dieses Jahres bereits die alte Heizungsanlage im Keller der Grundschule mit den Rohren der Fernwärme zusammengeschlossen.

Först ist jetzt aber erst mal gespannt auf die Arbeit der Energieberater. „Es werden sicher­­ lich alle Themenbereich der Energiegewinnung diskutiert werden“, vermutet er. Zu diesen Themen gehört die Wasserkraft des Flüsschens Singold. Dort läuft schon immer der Betrieb des Sägewerkes mit Wasserkraft. „Gedacht habe man schon an einen weiteren Ausbau, aber das Wasserwirtschaftsamt ist aus Umwelt- gründen bisher dagegen gewesen“, erzählt Först. Auch mit der Windkraft war es bislang eher schlecht bestellt. Wegen der Einflugschneise für den Fliegerhost Penzing wurden bislang keine Windräder geplant. „Das kann sich jedoch ändern, wenn der Flugplatz geschlossen wird“, sagt Först. Mit den umliegenden Gemeinden ist Igling wegen gemeinsamer Windkraftstandorte bereits im Gespräch. „Finanzieren könnte man derartige Windräder als Bürgeranlagen“, sagt der Rathauschef.

Der Bürgermeister erwartet von dem Energiecoaching nicht nur gute Ideen und Konzepte zur Energiegewinnung sondern auch zu deren Einsparung. Er weiß: „Die beste Energie ist die, die man nicht verbraucht“. Günter Först will im Rahmen dieses Projektes die Einwohner seiner Gemeinde mit ins Boot holen. Er hofft, dass auch die Iglinger einen zusätzlichen Anstoß erhalten, über Energieeinsparung nachzudenken. Über die Arbeit der Energieberater sollen die Bürger regelmäßig informiert werden.

Siegfried Spörer

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