Leonhardi-Ritt in Reichling:

Bekenntnis zum Brauchtum

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Leonhardi in Reichling: Auf der Bruckwieses spendete Dekan Oliver Grimm den Segen für Ross und Reiter.

Reichling – Das Leonhardiamt in der Kirche, bei dem heuer Dekan Oliver Grimm über das zeitweilige Leben des Heiligen als Einsiedler und über die Nächstenliebe predigte, hat zusammen mit dem Umzug, an dem knapp 80 Rösser, zahlreiche Gespanne und Wagen teilnahmen, erneut ein eindrucksvolles Bekenntnis zum Brauchtum gebildet. Das Leonhardifest in der höchstgelegenen Gemeinde des Landkreises Landsberg, das immer am ersten Samstag im November begangen wird, ist mehr als in manch anderen Ortschaften stark bäuerlich geprägt.

Pfarrer Michael Vogg lädt jedes Jahr einen anderen Hauptzelebranten ein. Heuer war es Oliver Grimm, Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Fuchstal und Dekan des Kapitels Landsberg. Welchen Stellenwert Vogg selbst dem Leonhardifest in Reichling beimisst, ist auch daran abzulesen, dass sich gleich zwölf Priester beim Festgottesdienst um den Altar versammelten.

Reichlinger Leonhardiritt in Bildern

Unter den Geistlichen waren auch der frühere Ortspfarrer Matthias Prestele, mehrere Studienfreunde von Michael Vogg sowie Pater Johannes Kargl, der seit Herbst neu in der Pfarreiengemeinschaft Lechrain ist und sich bei seiner ersten Leonhardifahrt in den Sattel schwang. Auf einem der Wagen nahm erstmals Michaela Hilbring Platz; sie ist seit September Pfarrhelferin in der PG Lechrain.

Den Festgottesdienst gestalteten ein Streicherensemble, Bläser und der Kirchenchor unter der Leitung von Michael Denk mit einer anmutenden Messe aus der Spätromantik. In der Predigt bezeichnete Dekan Oliver Grimm den Heiligen Leonhard, der im sechsten Jahrhundert in Frankreich wirkte, als Vorbild für die Nächstenliebe. Obwohl dieser nach dem Eintritt ins Kloster zwischendurch gar als Einsiedler lebte, habe er danach so viel Gutes für andere Menschen getan.

Innere Ruhe

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das sei einer der meist missverstandenen Sätze – und dennoch eine „kraftvolle Botschaft“, rief Pfarrer Grimm den 200 Gläubigen in der Pfarrkirche zu. Das Beispiel Leonhards, der als Einsiedler die eigene Spiritualität tief erfasst und auf sich selbst geschaut habe, sei auch auf die heutige Zeit übertragbar. Wer Zeit für sich selbst finde, gelange zu einer „inneren Ruhe, die sich aufs ganze Leben auswirkt“. Die richtige Balance zwischen Rückzug und Miteinander sei genauso wichtig für Familien und Kontakte unter Freunden, aber genauso für Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften.

Von den drei Vorreitern der Leonhardi-Bruderschaft über mehrere Festwagen mit bäuerlichen und religiösen Motiven bis zu den Reiterinnen auf den Isländern vom Kinsauer Pferdehof Erhard reihten sich wieder zahlreiche Teilnehmer in den Umritt ein, der bis zum Eglmoos hinaus führte, dann wieder zurück ins Dorf und hinunter zur Bruckwiese, wo Dekan Grimm den Segen für Ross und Reiter spendete. Erich Graf von der Leonhardi-Bruderschaft stellte dort die teilnehmenden Familien und Vereine vor.

Ein Festtag

Landrat Thomas Eichinger freute sich über die herausgeputzten Rösser im Pferdedorf; Leonhardi sei in Reichling „immer ein Festtag“. Seine Frau hatte sich übrigens mit dem Sohn auf einem Pony ebenfalls eingereiht. Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler würdigte den Einsatz der Leonhardi-Bruderschaft, sprach von einer „Bereicherung“ für die Gemeinde.

Mit dem Singen der Bayern-Hymne ging das traditionsreiche Fest – begleitet von der Blaskapelle Reichling und vom Musikverein Hofstetten-Hagenheim – zu Ende.

Johannes Jais

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