Rentner spenden Erfahrung und Zeit wenn "Alt Jung hilft"

Sie sind Mentoren und keine Nachhilfelehrer. Auf diesen Unterschied legen alle Beteiligten des Projekts „Alt hilft Jung“ im Landsberger AWO-Mehrgenerationenhaus zu recht großen Wert. Denn sie stehen ihren Schützlingen als väterliche (oder mütterliche) Freunde und Berater zur Seite, sind Erzieher, Ratgeber und Lehrer. Aber nicht Lehrer im Sinne eines Pädagogen. Ihren Stoffplan hat das Leben geschrieben, und davon wollen sie etwas weitergeben.

Harald Klussmann aus Kaufering ist einer von ihnen. Vor acht Monaten hat er einen Hauptschüler unter seine Fittiche genommen, dessen Versetzung in die nächste Klasse zum zweiten Mal gefährdet war. Dass der Junge nach nur wenigen Monaten der Betreuung die Versetzung in die nächste Klasse geschafft hat, ist für Klussmann aber nur der vordergründige Teil des Erfolges und seiner Bemühungen. „Ich sehe das nachhaltiger“ sagt er. „Ich habe die Hoffnung, dass dieser Junge sich eines Tages daran erinnert, dass ihm Menschen völlig selbstlos geholfen haben. Und dass es ihn dazu bewegen wird, selbst sozial zu handeln.“ Letztendlich hoffe er, so Klussmann weiter, einen bescheidenen Beitrag dazu zu leisten, unsere Gesellschaft menschlicher zu machen. Das sei ihm wirklich wichtig: In einer Gesellschaft, in der die meisten nur an sich selbst denken, sich mit Menschen solidarisch zu zeigen, die es im Leben nicht so gut getroffen haben, wie er selbst. Im Gespräch mit dem 63-Jährigen wird klar, dass seine Bemühungen noch andere Früchte tragen, die weder etwas mit der Versetzung des Jungen zu tun haben noch in der fernen Zukunft geerntet werden können. Es drückt sich in einer Tafel Schokolade aus, die die Mutter des Jungen ihm als Dank schenkte. Es drückt sich aus in der Disziplin, mit der der Schü- ler zu den wöchentlichen Treffen kommt. Es zeigt sich in der Begegnung zweier Menschen, die sich ohne dieses Projekt wohl nicht die Hand gereicht hätten. An der Hauptschule Kaufering engagieren sich mittlerweile fünf Mentoren. Was dort geleistet wird, sieht die Rektorin der Schule, Renate Kindermann, auch in einem größeren Zusammenhang. Sie sieht das Projekt wie eine Brücke. „Zwischen dem Mentor und dem Schüler wird ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Die Jugendlichen erfahren, dass sie so angenommen werden, wie sie sind und von den Mentoren nicht be- und schon gar nicht verurteilt werden. Sie lernen, dass sie mit älteren Menschen Spaß haben und sich bei ihnen anlehnen können.“ Und umgekehrt wird sehr schnell klar, dass die Jugendlichen gar nicht so schlimm sind, wie sie oft dargestellt werden. Als Rektorin freut sie sich jedoch am meisten über jedes Sorgenkind weniger und hofft, dass sich in Zukunft noch viele Zeit- und Lebenserfahrungs-Spender an dem Projekt „Alt hilft Jung“ beteiligen werden. Denn ein paar Sorgenkinder hat sie trotzdem immer noch.

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