Vom Jodler bis zum Blues

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Die Band „Zwirbeldirn“ mit den drei „Frontfrauen“ Maria Hafner, Evi Keglmaier und Sophie Meier-Rastl (von links) sowie dem Kontrabassisten Simon Ackermann.

Landsberg – Es geschah 2007 inmitten der Steiermark: Bei einem Geigentag trafen sich zufällig drei Musikerinnen. Man kannte sich ein wenig aus München, man fiedelte zusammen und man sah, dass das auch mit dem Singen gut funktioniert. Eindeutig ausbaufähig. Sie blieben zusammen und seither spielen sie, in etwas geänderter Besetzung, mit einem echten Mann am Bass: Die Band „Zwirbeldirn“ berauschte das Publikum mit entstaubter Volksmusik aus aller Herren Länder und derbem Charme im ausverkauften Stadttheater. Ein Genuss sondergleichen, den Edmund Epple da ins Haus geholt hat.

Ins tiefste Alpenvorland ging’s gleich bei den ersten Klängen von „Zwirbeldirn“: Mit der vorwiegend von Frauen praktizierten Form des Jodlers, dem Dudler, zeigten die drei Musikerinnen die außergewöhnliche Harmonie ihrer Stimmen, die zwar ins Schräge klingt, aber nie schräg ist: Vielmehr klingt es lebendig, vom Alpenmuff entstaubt. Auch ihr Geigenspiel trägt diese harmonischen Züge: Da schluchzt es wienerisch, es schrammelt in Dissonanzen, kann aber auch zuckersüße Melodie sein, die an rosarote Motivtapeten erinnert. Oder eben echt Bayerisch, wie zum Beispiel beim altbekannten „A Bier will i ham.“

Hinter dem trockenen Humor der Musikerinnen lauert liebevolle Satire: Willy Michel ist zwar eher der kauzige „Stadtmensch, der sich irgendwie mit den Bergen beschäftigt hat“, aber am traumhaft schönen Gesangstrio im Lied „Kathmandu“ erkennt man die Wertschätzung der Musikerinnen. Auch wenn die eine Strophe noch nicht so ganz sitzt. Das wird dann einfach weggeschmunzelt. Die „Zwirbeldirnler“ spielen Lieder aus dem 17. Jahrhundert, andere, von denen man gar nicht so genau weiß, wann und wie sie entstanden sind. Da gibt es walzertraurige Mörderballaden, traditionelle Steirer als „Tango des Alpenvorlandes“, ein Song ist tatsächlich die Pfanni-Knödel-Werbung aus den 50ern.

Auch Ausflüge ins Portugiesische oder den Blues meistern die Musiker mit Leichtigkeit und funktionieren dabei die Geigen gern mal zur gezupften Ukulele um. Einflüsse aus dem Balkan bringt Bassist Simon Ackermann mit ins Repertoire: In München studierte er, doch sein Großvater stammt vom Balkan, daher auch Simons Liebe zu dieser Musik. Maria Hafner singt mit starker Stimme den Blues, als ob sie ihn mit der Muttermilch eingesogen hätte. Sie spielt auch beim „Café Unterzucker“, von dem sich „Zwirbeldirn“ den Song „Der letzte Discjockey“ ausgeliehen hat: Den gealterten Vinylsammler mit arthritischen Knien machen die Vier mit echtem Wiener Schmäh und einem imitierten Hänger in der Platte hörbar.

Evi Keglmaier besticht durch ihr Geigenspiel: Wie sie den Ton nach oben gleiten lässt oder nach unten schlenzt, wie sie beim Blues improvisiert ist einfach mitreißend. Erst seit knapp zwei Jahren ist die „neue Würze aus dem Salzkammergut“ Sophie Meier-Rastl dabei, die gerne mit ihrer sanften Stimme den Sopranpart übernimmt. Aber auch sie weiß die Texte um künstlerische Metzgerinnen und den traurigsten Blues der Welt, natürlich den aus Wien, mit passender Derb­heit darzubieten. Die Musiker waren inzwischen schon in ganz Deutschland: „Die Exilbayern übersetzen“, ist Sophie überzeugt.

Vom Goetheinstitut wurden sie gar schon nach Saudi-Arabien eingeladen. Der Name der Band ist eher lautmalerisch zu sehen: Bei seiner Schöpfung spielte angeblich ein typisch Österreichischer Likör eine tragende Rolle: Zuviel Zirbenschnaps verzwirbelte die Zunge zu Zwirbeldirn.

Susanne Greiner

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