Neues "In Extremo"-Album

Ein Haufen bunter Vögel

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Florian Speckardt alias „Specki T. D.” in seinem Element: Seit sechs Jahren ist der Landsberger Drummer der erfolgreichen Rockband „In Extremo“.

Landsberg – „Ich freu mich auf das neue Album wie ein Fünfjähriger auf Weihnachten!“ Die Aufregung ist dem Landsberger Florian Speckardt alias „Specki T.D.“ anzuhören. Seit sechs Jahren ist er Drummer der Medieval-Rockband „In Extremo“. Und am 24. Juni ist es endlich soweit: Das neue Studioalbum „Quid Pro Quo“ erscheint, das dritte, bei dem Specki T.D. mit dabei ist. Zeit ist für den Musiker inzwischen etwas, das er sich gut einteilen muss. Denn natürlich folgt gleich eine Tournee, die ihn quer durch Deutschland, in die Ukraine, nach Russland und Weißrussland, Österreich und die Schweiz führt. Trotzdem, der Motorradführerschein muss sein. Und den macht er dann eben im Crashkurs.

Seit einem Jahr wohnt der inzwischen 37-Jährige in Berlin. „Vorher bin ich fünf Jahre lang zwischen Landsberg und der Hauptstadt gependelt.“ Seine Heimatstadt war für ihn die Oase zum Ausruhen, „vor allem nach einer Tournee, da war mir Berlin meistens zu laut und zu stressig“. Aber inzwischen hat er fast jedes Wochenende Besuch aus der Heimat, „das ist Landsberg in Berlin“. Bei „InEX“ ist er der Jüngste, aber ihm gefällt das: „Wenn Musiker Berufsjugendliche sind, dann sind wir Berufskindergartenkinder. Ein gut gelaunter Haufen bunter Vögel.“ Die Band gibt es schon seit 21 Jahren. Mit circa zwei Millionen verkauften Platten zählt sie zu den erfolgreichsten in Deutschland und ist die Band, wenn es um Mittelalter-Rock geht. Letztes Jahr feierte sie ihr 20-Jähriges und füllte zwei Tage hintereinander die riesige Freilichtbühne Loreley.

Den Musikstil hat „In Extremo“ vor 21 Jahren selbst geprägt, seither entwickelt sich die Band immer weiter. „Das neue Album geht wieder ein wenig back to the roots“, sagt Specki. T.D. „Deftiger Rock mit mittelalterlichen Instrumenten, bei dem man den Dreck und die Kälte des Mittelalters fast riechen kann.“ Neue alte Instrumente sind dazugekommen wie das knarzende Trumscheit. Und auch neue alte Sprachen: ein Donnergebet auf Alt-Estisch, andere Songs auf Walisisch, Gälisch oder Latein. Ein Volkslied aus Russland wird durch den original Moskauer Kosakenchor unterstützt – eine absolute Premiere.

Als Specki T.D. seine erste Snare Drum bekam, wusste er schon, dass er Schlagzeuger werden will. Da war er drei. Im Internat in Mindelheim war er nur kurz, dann warf man ihn raus: „Wir sind so Club-der-toten-Dichter-mäßig in die Internatskapelle eingestiegen und haben den Messwein gemopst.“ Mit 16 kam dann das einschneidende Erlebnis: In Marktoberdorf fragte ihn ein Schlagzeuger, ob er mit ihm und seinem Onkel auf Tour in den USA gehen wolle. Gleich Morgen ginge der Flug nach Boston. Der Onkel war Jackson Browne – und natürlich stieg Specki am nächsten Tag mit ins Flugzeug. „Browne hat mich immer Specki T.D. genannt. Der Name ist hängengeblieben, steht auch so in meinem Pass.“ Mit 18 Jahren wird er Drummer bei „Skaos“, ab 2002 bei der Folk-Rock-Band „Letzte Instanz“. 2010 sucht „InEX“ einen neuen Drummer. Specki wird zum Casting geladen – und direkt genommen. Sein erstes Konzert ist bei Rock im Park vor 70.000 Zuschauern.

Specki T.D. kennt das Leben auf Tour: „Nach dem Konzert feiern, duschen, um drei nachts mit dem Nightliner weiter, Soundcheck, Meet-and-Greet und dann die nächste Show.“ Aber die kommende Tournee sei eher locker, „wir müssen nie mehr als 900 Kilometer pro Nacht fahren“. „In Extremo“ spielt weltweit, auch auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik mit 40 anderen Bands und 4.000 Passagieren. „Vor allem das Woodstock-Festival in Polen ist für mich unvergesslich“, erzählt Specki T.D.: „650.000 Menschen standen da vor der Bühne. Das ist eine Zahl, die man auch optisch nicht mehr wirklich fassen kann.“ Der Drummer genießt es, ein Rädchen der erfolgreichen Band zu sein. So ein Leben im großen Rock’nRoll-Zirkus sei unglaublich schön, umtriebig und spannend. „Satt bin ich dennoch lange nicht. Aber es ist auch verdammt viel Arbeit.“

Das Konzert von In Extremo am 27. Juni in Memmingen ist schon ausverkauft, aber wer die Band sehen will, hat noch gute Chancen, Karten für den 29. September im Zenith in München zu ergattern.

Susanne Greiner

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